«Die Farbe Pink ist in mir drin»

Nici Jost ist Badens neue Stadtfotografin. Nun wird sie die Stadt für zwei Jahre aus ihrem – manchmal pinken – Blickwinkel dokumentieren.

Nici Jost ist für die kommenden zwei Jahre als Badens Stadtfotografin tätig (Bild: ag)

von
Annabarbara Gysel

10. Januar 2019
09:00

Nici Jost, 34

ist Fotografin und Künstlerin. Sie wohnt und arbeitet in Zürich. Geboren in Kanada, kam sie im Alter von vier Jahren in die Schweiz, wo sie in den aargauischen Gemeinden Benzenschwil und Jonen aufwuchs. In Bremgarten absolvierte sie die Lehre als Fotofachangestellte und kehrte anschliessend nach Kanada zurück, um «Photography and Digital Imaging» zu studieren. Wieder zurück in der Schweiz, absolvierte sie ein Medienkunst-Studium, welches sie für ein Jahr unterbrach und als Praktikantin bei Pipilotti Rist arbeitete. Seit Oktober 2018 hat sie ihr Atelier in der Villa Egli in Zürich. 2020 wird sie im Kunstraum Baden eine eigene Einzelausstellung realisieren.

www.nicijost.com 

Als ich Nici Jost im «Ohne» auf einen Kaffee treffe, kann ich mir die Frage nicht verkneifen: «Was bedeutet für Sie die Farbe Pink?» Verdutzt schaut mich die Fotografin an, bevor sich ein belustigtes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitet. Sie hat den Wink sofort verstanden. Pink ist bei Nici Jost omnipräsent: Unter der hellrosaroten Wollmütze schauen rosafarbene Haare heraus, die Fingernägel sind pink lackiert, und am Stuhl hängt ein grau-rosa gemusterter Schal. Auch in der Kunst, die ihr zweites Standbein ist, fokussiert sich Jost stark auf Pink. «Meine Kunst ist Pink», erklärt sie. «Es dreht sich alles um diese Farbe.» Bereits im Alter von 15 Jahren hatte sie begonnen, sich für die Farbe zu interessieren. Sie begann, diese in ihre Arbeiten einfliessen zu lassen, zuerst noch ohne konkrete Begründung. «Mir gefiel die Farbe einfach sehr gut», erinnert sie sich. Während ihres Medienkunst-Studiums habe sie dann angefangen, sich inhaltlich mit Pink auseinanderzusetzen. Sie wollte wissen, welche gesellschaftliche, kulturelle und historische Bedeutung dahinter steckt. Und schnell wurde ihr bewusst: Pink ist spannend. «Es ist eine der spannendsten Farben, die es gibt. Sie ist kontrovers und politisch stark aufgeladen. Und grundsätzlich gilt: Man liebt sie oder man hasst sie.»

Bei Nici Jost ist es offensichtlich Liebe. Mit einem Schmunzeln erzählt sie, wie sie einst versuchte, von der Farbe wegzukommen. Dafür strich sie ihr damaliges Atelier in Basel bewusst ganz in Blau. Es dauerte aber lediglich zwei Tage, bis sie erneut zum Pinsel griff und alles wieder rosarot strich. «Pink ist in mir drin. Es geht nicht ohne.» Von ihrer pinken Kleidung ist die 34-Jährige aber mittlerweile weggekommen. Nur die Haare färbt sie weiterhin. «Ein bisschen Pink muss sein.»

 

Die Stadt Baden im Fokus

Ich könnte Nici Jost noch lange zuhören, wie sie enthusiastisch von der Farbe Pink erzählt. Doch es wird Zeit, den eigentlichen Grund für unser Treffen anzusprechen: ihre Arbeit als Stadtfotografin von Baden. Am 8. Januar hat sie dieses Amt offiziell von ihrem Vorgänger Thomas Frischknecht übernommen. Während der nächsten zwei Jahre wird sie die Stadt aus ihrem persönlichen Blickwinkel betrachten und umfassend dokumentieren. Gewisse Anlässe sind Pflicht. Ansonsten hat Jost freie Hand, eigene Geschichten zu suchen, die aussagekräftig für das Badener Stadtleben sind. Eine Arbeit, die wie geschaffen ist für die junge Fotografin. «Ich liebe Reportage-Fotografie», sagt sie. «Ich finde es schön, mich intensiv und für längere Zeit mit einer Materie auseinanderzusetzen.» Das stelle einen schönen Kontrast zu ihrer sonstigen fotografischen Tätigkeit dar. Seit die Digitalisierung in der Fotografie Einzug gehalten habe, sei alles so schnelllebig geworden. Ebenfalls von diesem Wandel betroffen ist das Handwerk. Dieses ist im Vergleich zur analogen Fotografie viel einfacher geworden.

«Jeder kann heute fotografieren», so Jost. «Jeder besitzt ein Handy. Und diese Geräte machen mittlerweile sehr gute Bilder.» Das habe direkten Einfluss auf die Ansprüche der Kundschaft. Sie sei schon oft mit Kunden unterwegs gewesen, die das Sujet selbst mit dem Handy fotografiert hätten und anschliessend genau diese Art Foto wünschten. Ein Ding der Unmöglichkeit. Denn die Technik, die in einem Handy steckt, lasse sich nicht mit der einer Spiegelreflexkamera vergleichen. «Es ist eine ganz andere Art und Qualität der Fotografie», betont Nici Jost. Diese Entwicklung beunruhigt sie aber nicht. Es gebe noch viele Kunden, die Wert auf qualitativ hochwertige Fotoarbeit legen würden. «Ich habe meine Stammkunden und werde zum Glück auch oft weiterempfohlen.» 

 

Menschen fotografieren

Ihren Erfolg führt Nici Jost unter anderem auf ihre Arbeitsweise zurück. «Beim Fotografieren zählt nicht nur das Produkt, sondern auch der Umgang mit den Menschen», ist sie überzeugt. «Menschen zu fotografieren, ist etwas sehr Persönliches. Am wichtigsten ist dabei die Kommunikation.» Der Fotografin ist es ein Anliegen, dass sich die Personen vor ihrer Linse in jedem Fall wohlfühlen. Nur dann ist es möglich, ein gutes und natürliches Bild zu erhalten. Dafür hat sie ihre eigene Technik der «unsichtbaren Fotografin» entwickelt. «Ich arbeite oft mit dem Teleobjektiv und bin sehr weit weg von den Menschen, damit sie nicht merken, dass ich da bin.» Anschlies­send wartet sie den richtigen Moment ab, um abzudrücken. Den einzigartigen Blick, den sie dabei auf die Welt hat, findet Nici Jost besonders faszinierend. «Wenn ich fotografiere, sehe ich alles durch die Kameralinse. In diesem Moment geht in dieser kleinen Linse eine grosse Welt auf. Trotzdem ist es ein sehr fokussierter Blickwinkel.»

 

Ohne Pink geht es nicht

Als wir uns schliesslich nach einem  langen und intensiven Gespräch voneinander verabschieden, will mir die Farbe Pink nicht aus dem Kopf. Ich möchte wissen, ob Nici Jost beim Fotografieren in Baden ab und an den rosaroten Filter aufsetzen und der Stadt eine pinke Optik verleihen wird. «Wenn ich beim Umherziehen etwas Rosarotes sehe, werde ich sicher ein Foto davon machen», meint sie mit schelmischem Lächeln. «Denn ohne Pink geht es nicht.» 

Kommentare (1)

  1. dorothea
    dorothea am 10.01.2019
    Ein sensationeller Bericht. Schmunzeln ist angesagt. Es fühlt sich an, als sei man bei diesem Interview mit den 2 sympathischen Frauen - Fragen stellende und Fragen beantwortende - mit dabei. Gratulation!
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