«Die Faszination war immer da»

Daniel Oetiker aus Siggenthal-Station hat bei den Swiss Skills 2019 die Silbermedaille gewonnen. Jetzt gibt er Einblicke in seine Arbeit als Hufschmied.

Daniel Oetiker bearbeitet das Hufeisen am Amboss
Daniel Oetiker bearbeitet das Hufeisen am Amboss (Bilder: as)

von
Andrina Sarott

15. Mai 2019
09:00

Auf dem Rütihof in Klingnau darf «e-journal» dem auszubildenden Hufschmied Daniel Oetiker bei der Arbeit über die Schulter schauen. Gemeinsam mit seinem Lehrmeister Silvan Erne aus Reuenthal und Hansueli Schneeberger betreut er die verschiedenen Pferde auf dem Hof. Vor dem Beschlag werden erst die alten Hufeisen entfernt und die Hufe der Pferde gepflegt, das heisst, sie werden ausgeschnitten und geraspelt. «Wichtig ist dabei, dass das Pferd gerade auftreten und richtig gehen kann. Das muss bei der Ganganalyse regelmässig kontrolliert werden», erklärt Silvan Erne. 

 

«No hoof, no horse»

Mit viel Engagement und Leidenschaft sind die drei Männer dabei, die Pferde frisch zu beschlagen. Die vorgefertigten Eisen werden erhitzt und danach dem Huf angepasst. Anschlies­send werden die abgekühlten Eisen mit Nägeln befestigt. Je nachdem, wofür das Pferd eingesetzt wird oder welches Problem es hat, können die Hufschmiede das Eisen den Bedürfnissen anpassen. «Viele Pferde haben Hartmetallstifte im Huf. Andere, welche an Concours teilnehmen, brauchen Stollenlöcher für Gewinde- oder Schlagstollen. Wir können auch ein Polster, Ledersohlen oder einen eingeschweissten Steg individuell anfertigen», sagt Daniel Oetiker. Die Anatomie des Pferdes spiele dabei eine zentrale Rolle. «Unsere Arbeit ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlergehen der Pferde. Ich sage immer, die Pferde sind unsere Kunden, nicht ihre Besitzer», meint Silvan Erne schmunzelnd. «Für die Arbeit mit den Tieren braucht es viel Einfühlungsvermögen. Um ein guter Hufschmied zu sein, muss man gerne mit Eisen und Pferden arbeiten.» Die Ausbildung zum Hufschmied sei die einzige Ausbildung, die für die Arbeit an den Hufen qualifiziere. Die fachgemässe Behandlung der Hufe sei dabei unerlässlich, denn «no hoof, no horse».

  • Silvan Erne pflegt das Huf mit Unterstützung von Hansueli Schneeberger
    Silvan Erne pflegt das Huf mit Unterstützung von Hansueli Schneeberger

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Die Hufschmiede sind viel mit ihrem eingerichteten Transporter unterwegs. Mit Ofen, Amboss, Hufeisen und allen weiteren Utensilien im Gepäck fahren sie von Hof zu Hof. Dabei decken sie ein ziemlich grosses Gebiet vom Aargau bis ins Zürcher Unterland ab. «Wir haben immer viel zu tun. So lange es Pferde und andere Huftiere gibt, gibt es genug Arbeit», meint Daniel Oetiker. Und Silvan Erne ergänzt lachend: «Ja, es gibt den Beruf noch, und es wird ihn immer geben.» 

Im Team betreuen sie rund sechs bis sieben Pferde pro Tag. Dabei behandeln Hufschmiede nicht nur Pferde, die beschlagen werden müssen, sondern auch Barhufer. Diese brauchen ebenfalls regelmässige Hufpflege. Für Pferdebesitzer, die ihre Pferde nicht beschlagen wollen, fertigen sie nach Bedarf passende Hufschuhe an. «Die Tätigkeit an sich ist sehr abwechslungsreich. Zudem hat jedes Pferd einen ganz eigenen Charakter. Keines ist wie das andere», erzählt Daniel Oetiker. «Der Kontakt mit Pferden und ihren Besitzern gefällt mir gut, und auch die Arbeit mit dem Eisen macht Spass. Es gibt nichts, was mir nicht zusagt.» 

 

Erfahrungen sammeln

Aber wie ist er auf diesen doch eher seltenen Beruf gekommen? «Die Faszination für Pferde war immer da, weil ich von klein auf mit Pferden zu tun hatte. Was diese Faszination genau ausmacht, ist schwierig zu sagen», erzählt Daniel Oetiker lächelnd. «Da ich selbst reite und ein Pferd besitze, wollte ich mich unbedingt auch beruflich mit Pferden beschäftigen. Da liegt der Beruf des Hufschmiedes nahe.» Daniel Oetiker beginnt nun mit dem letzten Jahr der vierjährigen Ausbildung. Bei den Swiss Skills 2019, den Schweizer Meisterschaften nichtakademischer Berufe aus verschiedenen Branchen, holte der 19-Jährige die Silbermedaille. «Dieser Preis bedeutet mir sehr viel. Es ist toll, sein Können präsentieren zu können. Bei den nächsten Meisterschaften möchte ich wieder teilnehmen», meint der junge Mann. Nach seinem Abschluss möchte er Erfahrungen in verschiedenen Betrieben im In- und Ausland sammeln. «Überall, wo es Pferde gibt, braucht es auch Schmiede. Man kann also auf der ganzen Welt arbeiten. Gerne würde ich in die USA und nach England.»

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