«Die Gastronomie ist unser Leben»

Die Restaurants sind wieder offen. Im Würenloser «Bahnhöfli 11» bei Sabrina und Serkan Ates gibts die vielleicht beste Currywurst der Schweiz.

Sabrina und Serkan Ates: «Burger, Lasagne und Currywurst – alles ist hausgemacht!». (Bild: esw)

von
Schwickardi, Erik

09. Juni 2021
14:00

Auf der Terrasse ist guter Betrieb an diesem Donnerstagabend – die Gäste schwärmen von der hausgemachten Currywurst, dem grossen Hangover-Burger und der feinen Lasagne. «Alle Saucen stelle ich selbst her – mit Kräutern und Zutaten aus dem eigenen Garten», erklärt Patron Serkan Ates (36) stolz und zeigt auf die Beete mit Basilikum, Cherry-Tomaten, Dill, Gurken, Knoblauch, Oregano, Petersilie und Rosmarin. Selbst Restaurant-Tester und Sternekoch Daniel Bumann (18 Gault & Millau-Punkte sowie 2 Michelin-Sterne), dessen Sprüche manchmal noch schärfer sind als seine  Kochmesser («Ich hä hie nür ä Söi-Schtall gseh!» – «Däm säisch Dü chochä?» – «Alles üssäm Päckli. Irgendeppis zämmubaschtle und zämmeriehru.» – «Jo, do hilft öi där Härrgott nitta!» – «Dü schtäisch vorämä Schärbuhüüfä!» – die Zitate  beziehen sich nicht auf das Bahnhöfli!) lobte den Bahnhöfli-Burger in seiner TV-Sendung auf Drei Plus: «Där Hamburger isch där Hammer!»


Polyglottes Wirtepaar in der Dorfbeiz

Seit 2015 wirten Sabrina und Serkan Ates im «Bahnhöfli 11» in Würenlos. Das sympathische Wirtepaar hat sich auf einem TUI-Kreuzfahrtschiff in der Karibik kennengelernt: «Serkan war Chefkellner und ich gerade mit meiner Mama als Passagierin an Bord», lacht Sabrina (40), die aus Berlin stammt und viele Jahre als Flugbegleiterin bei Air Berlin und der Schweizer Fluggesellschaft «Hello» tätig war. Serkan Ates stammt aus Anatolien und war in verschiedenen Funktionen in Fünfsternehotels und im Tourismusbereich tätig, bevor es ihn aufs Kreuzfahrtschiff verschlug. «Ich wollte die Welt sehen.» Gemeinsam gründete das deutsch-türkische Paar eine Familie und landete in der Schweiz. Das Paar hat vier Kinder – die Zwillinge Selina und Leonardo (9) und die Zwillinge Luana und Milan (1). Die jüngeren beiden kamen mitten im Corona-Lockdown zur Welt: «Für uns eine sehr intensive und schwierige Zeit. Es kam kein Geld rein, alles war ungewiss und unsicher – wir hatten Existenzängste», erzählt Sabrina Ates.


«Corona traf uns mit voller Wucht»

«Ich habe eine Familie mit vier Kindern. Mehrmals war ich in den letzten Monaten nahe dran, das Restaurant aufzugeben und mir eine Stelle zu suchen», sagt Wirt Serkan Ates offen. «Das Coronavirus traf uns mit voller Wucht.» Monatelang kamen keine Einnahmen aus dem Restaurantbetrieb. Der Pachtzins musste bezahlt werden. «Ohne Covid-Kredit und Härtefallgeld hätten wir es nicht geschafft», erzählt Sabrina Ates. Private Reserven wurden aufgebraucht. «Sogar Gäste halfen uns – das ist sehr berührend», berichtet Sabrina Ates. Endlich werden im «Bahnhöfli 11» wieder die gluschtigen Hausspezialitäten serviert. Sehr zur Freude der Gäste. Und auch zur Freude der Familie Ates: «Die Gastronomie ist unser Leben!»


«Ohne Bumann gäbe es uns nicht mehr»

Dass es das «Bahnhöfli 11» weiterhin gibt, ist nicht ganz selbstverständlich. Schon einmal hatte das sympathische Wirtepaar einen Schutzengel. Der berühmte Restauranttester und Sternekoch Daniel Bumann («Das Ganze isch ja no vill schlimmär, als ich mir gedeicht hä!») half dem «Bahnhöfli 11» im März 2015 mit einem überzeugenden Konzept auf die Sprünge. Die zu umfangreiche Speisekarte wurde konsequent zusammengestrichen – es blieben die bewährten Hits. Etwa die beliebte Currywurst mit hausgemachter Sauce («Die Sauce enthält frische Ananas und Mango – das Rezept ist streng geheim») in guter Qualität.

Seither lief das «Bahnhöfli 11» gut – Sabrina und Serkan Ates setzten Daniel Bumanns Ratschläge erfolgreich um. «Ohne Bumann gäbe es uns heute nicht mehr», sagen sie.


Hohe Wogen und stürmische See gewohnt

Ob am Nordkap, am Kap der Guten Hoffnung oder in Würenlos: Serkan Ates, der sechs Jahre lang auf dem Kreuzfahrtschiff um die Welt fuhr, will mit seiner Frau Sabrina und seiner Familie auch die aktuellen Wogen in stürmischer Corona-See erfolgreich meistern: «Wir geben unser Bestes. Und freuen uns, unsere Gäste wieder bei uns begrüssen und verwöhnen zu dürfen.» Doch die Skepsis bleibt: «Wer weiss schon, was in zwei, drei Monaten ist? Oder ob im Herbst nochmals eine Schliessung der Restaurants kommt?» Sabrina und Serkan Ates sind fest gewillt, für ihr «Bahnhöfli 11» zu kämpfen. Trotz Hilfsgeldern stand das Restaurant auf der Kippe: «Einen weiteren Lockdown können wir uns nicht leisten.»

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