Die Grossbaustelle Schulgelände

Während des Gesamtumbaus der Untersiggenthaler Schulhäuser werden die Klassen ausquartiert. Das alte Schulhaus von 1911 erstrahlt bereits in neuem Glanz. 

Das Schulareal ist in den kommenden Jahren eine Baustelle. Das alte Schulhaus A (hinten) wurde neu in Weiss- und Grautönen gestrichen, es war vorher gelb. (Bild: is)

28. Januar 2021
10:30

Seit dem vergangenen Jahr werden alle vier Schulhäuser von Untersiggenthal nacheinander saniert oder umgebaut – eine generalstabsmässige Übung, die exakt mit einem Belegungskonzept geplant werden musste. Die betroffenen Klassen ziehen während der Bauphase in die Provisorien um, die sich hinter dem Gemeindehaus entfernt befinden. Im ehemaligen Postgebäude befinden sich zwei sogenannten Lernlandschaften. Der zuständige Gemeinderat Christian Gamma erklärt: «Hier arbeiten und lernen die Schülerinnen und Schüler nach Planung während zehn Stunden – oder freiwillig länger – an ihrem persönlichen Arbeitsplatz. Inputs in den Fächern finden in den nebenan liegenden Containern statt.» In den Containern befinden sich acht Schulräume.

Für die Schülerinnen und Schüler ist das Ganze keine grosse Sache, für die Lehrpersonen hingegen mit grossem Aufwand verbunden, wie Schulleiterin Silvia Mallien erklärt: «Vor allem in den materialintensiven Fächern wie Werken und TW waren die Vorbereitungen und das Räumen während des laufenden Schulbetriebs aufwendig.» Andererseits sei es auch gut, dass über Jahre angesammeltes Material nun sortiert, zwischengelagert oder wenn nötig entsorgt werden konnte. 

Mallien ist froh, dass die Renovation nun vorangeht: «Es war höchste Zeit.» Mit der Sanierung werden auch brandschutztechnische und behinderten­gerechte Anpassungen vorgenommen. Damit allein ist es jedoch nicht getan – dringend nötig ist auch zusätzlicher Schulraum. Denn die Anforderungen haben sich mit den Jahren immer stärker verändert, etwa durch die Aufstockung der Stundentafel, aber auch mit der Einführung neuer Fächer sowie dem veränderten Lernen. «Wir werden nach Abschluss des Umbaus mehr Gruppenräume zur Verfügung haben und die Abläufe insgesamt verbessern können, damit alle Stufen gut organisiert sind», hofft Schulleiterin Mallien. 

  

Original-Parkettboden von 1911

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 12,99 Millionen Franken. Allein die Sanierung des Dorfschulhauses, das 1911 für 165'000 Franken erbaut worden war, kostete 4,2 Millionen. Das Prunkstück des Projekts konnte nach vierzehn Monaten Bauzeit mit leichter Corona-Verzögerung Mitte Oktober 2020 wieder dem Schulbetrieb übergeben werden. Es verfügt neu über sieben Klassenzimmer für rund 150 Kinder. Im Dach­geschoss wurde eine Betondecke eingebaut, so entstanden zwei neue Schulzimmer. Der ehemalige Estrich wurde in Gruppenräume mit Sichtbalken ausgebaut. Einer davon kann vom Schulzimmer aus durch eine von aussen unauffällige Schranktür betreten werden – «für die Schüler immer wieder ein Highlight», weiss Gemeinderat Gamma. 

Die renovierten und neu möblierten Zimmer sind mit je 95 Quadratmetern grosszügig bemessen. Besonders schön sind die 109 Jahre alten Original-Parkettböden, die beim Abtragen diverser Laminatschichten zum Vorschein kamen. Im Treppenhaus erhielten die Geländer einen neuen Anstrich, an der Wand wurde ein Handlauf im selben Grünton angebracht, und an den Wänden sollen Akustikelemente den Lärmpegel eindämmen.  

Die Kellerturnhalle im Unter­geschoss wurde in einen Mehrzweckraum umgestaltet, in dem heute unter anderem Musikgrundschule unterrichtet wird. Um die Vorgaben für behindertengerechte Bauweise zu erfüllen, musste in einem Seitenschacht ein Lift eingebaut werden; er verbindet vom UG bis zum 2. Stock drei Etagen. 

Nach den Herbstferien 2020 konnten sieben Primarklassen ins sanierte Schulhaus A einziehen. «Die Vorfreude war riesig», sagt Christian Gamma. Die Einweihung musste jedoch vorerst verschoben werden. Gamma: «Wir hätten gerne einen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung gemacht. Aber wir holen es wenn möglich nach.» 

  • Provisorisches Schulareal: Rechts die alte Post mit den Lernlandschaften, links das Containerprovisorium, dazwischen der Pausenplatz mit Unterstand. (Bilder: is)
  • Gemeinderat Christian Gamma zeigt die Tür, die im Schrank versteckt ist. Sie führt in ...
  • ... einen Gruppenraum, der in den Estrich eingebaut wurde.
  • EIn Bijou im Untergeschoss des Schulhauses A: Die Kellerturnhalle ist jetzt ein Mehrzweckraum. (Bild: zVg)
  • Das Treppenhaus wurde saniert und mit einem zusätzlichen Handlauf ausgestattet. (Bild: zVg)
  • Im Dachstock des alten Schulhauses wurde eine Betondecke eingebaut. Dadurch entstanden zwei zusätzliche Schulzimmer. (Bild: zVg)

 

Separater Zugang zur Aula

Im Herbst 2020 begannen die Arbeiten im Schulhaus C (Baujahr 1959) mit der Aula, in der auch Aufführungen stattfinden. «Die Aula wird danach über einen separaten Zugang erschlossen sein», verrät Christian Gamma. Geplant ist die Wiedereröffnung nach neun Monaten Bauzeit im Sommer 2021. Anschliessend beginnt die Sanierung des 1980 erbauten Schulhauses D (siehe auch Artikel unten), für die neun Monate budgetiert sind. 

Im Sommer 2022 ist das Schulhaus B (1965) dran. Bereits in diesem Jahr entsteht dort im UG in den drei ehemaligen Räumen des Zivilschutzes ein Kindergartenzimmer. Diese Räume können auch von den Tagesstrukturen genutzt werden. Bis Herbst 2022 sollte das Grossprojekt abgeschlossen sein und die Schule in neuem Glanz erstrahlen. Dann wird auch der Pausenplatz, der aktuell durch die Absperrgitter einer Grossbaustelle gleicht, wieder einladender daherkommen. 

Nicht vom Umbau betroffen ist die alte Mehrzweckhalle, die im November 2017 wegen Schäden durch Holzschädlinge monatelang gesperrt werden musste. Sobald das neue Zentrum mit Dreifachturnhalle und Mehrzweckhalle realisiert ist, wird sie abgerissen. Auf diesem Grundstück verfügt die Gemeinde dann über Baulandreserven. Das Provisorium in der Post wird bis dahin aufgrund des Schulraummangels wohl in Betrieb bleiben. 

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