«Die intensivste Woche meines Lebens»

Viel Action, viele Komplimente, wenig Schlaf: Forty­seven-Geschäftsführerin Nina Suma (46) über die ­verrückten Eröffnungstage.

Von fast jedem Winkel des Fortyseven aus geniesst man einen wunderbaren Ausblick über die Limmat in die Nachbargemeinde Ennetbaden mit ihren Villen und Reben. (Bilder: is)

24. November 2021
18:26

Sie stand in der vergangenen Woche im Fokus der Eröffnung der Wellness-Therme Fortyseven im Bäderquartier. Für die «Rundschau» führte Nina Suma Tagebuch und verrät, warum das Bad evakuiert werden musste, wann sie Gänsehaut hatte – und wer zuhause für ihre Tiere sorgte.


Montag, 15. November
An diesem Tag treffe ich mich mit allen Teamleitenden zur Auswertung der Testtage. Zweieinhalb Stunden lang beschäftigen wir uns intensivst damit, wo noch Prozesse angepasst oder bauliche Mängel behoben werden müssen. Am Nachmittag gebe ich ein letztes Interview, bevor wir um 17 Uhr die Mitarbeitenden zu einem internen Eröffnungsapéro einladen, mit dem wir uns auf die bevorstehende Eröffnungsphase einstimmen. Mit dabei sind der Direktor der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, der VR-Präsident der ThermalBaden AG sowie der CEO der Thermalbäder. Ich danke den Mitarbeitenden für ihren Einsatz in den letzten zwei intensiven Wochen. Und ich weise nochmals auf das hin, was uns erwartet und wie ich mir den Kontakt mit Gästen und Kunden vorstelle. Wichtig ist: Fehler dürfen passieren, aber wir dürfen eines nicht verlieren – die Herzlichkeit!


Dienstag, 16. November
Nachdem ich tagsüber mit allen Kadermitarbeitenden nochmals bilaterale Meetings hatte, findet abends die letzte Bausitzung statt. Dabei kommt auch der Brandalarm zur Sprache, der bei den Testtagen wegen der starken Dampfentwicklung im Saunabereich ausgelöst worden war. Innert einer bestimmten Zeit muss der Alarm quittiert werden, und weil das nicht passierte, wurde der Evakuationsalarm ausgelöst – so konnten wir unfreiwillig die Evakuierung üben. Doch genau dafür sind Testdurchläufe ja da.


Mittwoch, 17. November
Architekt Mario Botta reist heute schon aus dem Tessin an, damit er am nächsten Tag ausgeruht vor Ort ist. Endlich lerne ich auch seine Frau Maria kennen, die ihn erstmals nach Baden begleitet. Er wollte, dass auch sie diesen für ihn sehr wichtigen Moment miterleben kann – schliesslich übergibt er sein Werk bald. Ein sehr emotionaler Moment! Im Gebäude werden letzte Lampen montiert, an der Aussenfassade wird das Römertor eingezimmert. Und dann findet noch ein Schlussbriefing für den Medien­anlass vom nächsten Tag statt.


Donnerstag, 18. November
Der grosse Tag ist da! Um 10 Uhr dürfen wir 44 Medienschaffende zur Eröffnung begrüssen. Dazu kommen rund 30 weitere Gäste, unter ihnen Landammann Stephan Attiger. Die Bauherrschaft, vertreten durch die Herren Stephan Güntensperger, Rainer Blaser und Antony Strub, überreicht René Kamer, dem VR-Präsidenten der ThermalBaden AG, und mir als Geschäftsführerin der Therme ein Olivenbäumchen – ein Symbol für Robustheit und Nachhaltigkeit, das aber auch Vertrauen symbolisiert. Nach einem Podiums­gespräch mit Stadtammann Markus Schneider und Rainer Blaser, dem Direktor der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, werden die Anwesenden in Gruppen durch die Therme geführt.Kaum ist der Medienanlass gegen 14 Uhr zu Ende, beginnen schon die Vorbereitungen für den Abendanlass mit fast 500 Anwohnern von Baden und Ennetbaden. Bei einem kleinen Apéro-Empfang richtet Stiftungsdirektor Rainer Blaser eine Ansprache an die Gäste. In zwei Gruppen dürfen sie individuell das Fortyseven entdecken. Es herrscht eine schöne, freudige Stimmung, und ich sehe ganz viele überraschte Gesichter. Man spürt ihre Freude, dass sie als Erste durch das Gebäude gehen dürfen, von dem sie bisher nicht mehr als die Fassade sahen, aber auch die Freude, dass Baden endlich wieder ein Thermalbad hat.


Freitag, 19. November
Zum ersten Mal wache ich morgens auf und muss erst überlegen, welchen Wochentag wir heute haben. Es ist die wohl intensivste Woche meines Lebens. Heute dürfen wir das Eröffnungsfest feiern, zu dem die Stiftung 300 Gäste eingeladen hat. Darunter sind  unter anderem am Bauprojekt Beteiligte, aber auch Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Einige Gesichter sehe ich in diesen Tagen sogar mehrmals, etwa Stadtammann Markus Schneider. Nach einem individuellen Rundgang trifft man sich in der Therme zum Apéro mit Ansprachen. Die Limmatnixen geben eine Darbietung im Thermalbecken. Um 19.30 Uhr dislozieren wir für ein feines Nachtessen in die Giesserei im Oederlin-Areal. Pianist Gregor Löpfe tritt mit einer Sängerin auf, und die Cordulazunft überbringt Glückwünsche. Moderatorin Judith Wernli führt durch den Abend. Der Anlass ist von vielen lokalen Protagonisten geprägt. 

Ein sehr schöner Moment folgt um Viertel vor elf Uhr abends, als wir alle ins Freie gebeten werden. Das Forty­seven ist abgedunkelt. Normalerweise ist um diese Zeit noch die Reinigungscrew aktiv. Also ahnen wir schon, dass jetzt etwas passiert – etwa ein Feuerwerk? Plötzlich beginnt eine Lichtshow mit tollen Projektionen an die Fassade, und am Ende leuchtet dort ein Schriftzug: «Viel Glück und Erfolg!» wünscht die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden. Ein Gänsehautmoment! Gegen Mitternacht falle ich im Hotelzimmer müde ins Bett. Ich habe mich im Hotel Du Parc eingemietet, denn es lohnt sich nicht mehr, nach Hause nach Buchs bei Aarau zu fahren. Am nächsten Tag werden 5000 Besucherinnen und Besucher am Tag der offenen Tür ins Bäderquartier strömen, und wir müssen frisch sein.


Samstag, 20. November
Nicht 5000, sondern fast 6500 Menschen kommen in die Wellness-Therme, und insgesamt sind sicher 10'000 Personen im ganzen Bäderquartier unterwegs! Die drei Rundgänge, für die man sich anmelden konnte, sind komplett ausgebucht. Gastronomiebetriebe und Vereine aus dem Quartier bieten verschiedene Köstlichkeiten an der Limmatpromenade an. Im Wohn- und Ärztehaus ­Residenz47 erhalten Interessierte ­Informationen über die Stiftung und die Unternehmen, welche künftig dort Dienstleistungen anbieten. Auch ein kleiner Rundgang auf der Baustelle des historischen Verenahofs, wo in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Präventions- und Rehabilitationsklinik entstehen soll, ist möglich. Um 17.30 Uhr ist der Anlass zu Ende. Wir sind alle recht müde. Donnerstag und Freitag waren extrem anspruchsvoll, und die Nächte waren kurz. Zum Glück bin ich mit einem tiefen Schlaf gesegnet. Und ich bin sehr froh, dass ich mich daheim um nichts kümmern musste während dieser Zeit. Mein Mann hat mich die ganze Woche über komplett entlastet. Er hat den Haushalt geschmissen und kümmerte sich um unsere Tiere – zwei Katzen und einen Hund.


Sonntag, 21. November
Ein Meilenstein steht an: Der erste offizielle Betriebstag der Wellness-Therme. Ich erwache extrem früh und stehe um 5 Uhr auf, um von Buchs nach Baden zu fahren. Ich will früh da sein, um mich zu vergewissern, dass die Sauna bereit ist, die Wasser­proben positiv waren und alles funktioniert, wie es sollte. Und ich stelle fest: Wir sind parat für die ersten Gäste! Die fünf ersten Besucher überraschen wir gemeinsam mit einer Delegation des Verwaltungsrats und überreichen ihnen einen Fortyseven-Bademantel und einen Gutschein. Sind sie total baff. 

Der erste Badetag von 8 bis 20.30 Uhr geht erfolgreich über die Bühne. Die Technik lässt uns nicht im Stich. Viele Gäste erkunden heute in Badebekleidung die Therme, während in der Residenz47 und im Verenahof weiterhin Rundgänge möglich sind.


Montag, 22. November
Gemeinsam mit dem Kader ziehen wir ein Resümee der vergangenen Tage und besprechen die letzten Details, die noch justiert werden müssen. Die Stimmung ist recht aufgeräumt. Die vergangenen Tage waren ein Riesen-Teamwork. Ohne hochmotivierte Mitarbeitende würde das alles gar nicht funktionieren. Nun ist das Fortyseven zwar in den ordentlichen Betrieb überführt, aber es gibt immer noch viel zu tun, und ich möchte bei den Mitarbeitenden sein. Einen freien Tag einzulegen, kommt für mich vorerst also nicht infrage.

Ich wünsche mir, dass die Wellness-Therme auch weiterhin bei den badenden Gästen Anklang findet und sie ein schönes Erlebnis aus dem Fortyseven mit nach Hause nehmen – und dass wir von Zwischenfällen verschont bleiben. Mittel- und langfristig erhoffe ich mir eine Aufwertung und Wiederbelebung des ganzen Bäderquartiers. Gewerbe, Lädeli, Restaurants und Hotels – sie alle sollen auch eine Wertschöpfung aus dem Forty­seven ziehen können.

Nina Suma in der Panorama-Sauna in der oberen Etage.
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