«Die Kamera ist immer dabei»

Ein subjektiver Blick durch das Objektiv von Fotograf Christoph Weisse. Eine Reise von Mönthal nach Colorado und durch ein Lebenswerk.

Fotograf Christoph Weisse hält die Schönheiten der Welt fest
Fotograf Christoph Weisse hält die Schönheiten der Welt fest (Bild: sit)

von
Saskia Iten

04. November 2018
09:00

Die Augen wirken noch etwas müde: womöglich vom Jetlag – vielleicht auch, weil sie in den letzten Wochen viel gesehen haben. Eine Fotografie soll Christoph Weisse zeigen – eine, die seine Reise nach Colorado in den USA veranschaulicht. Rund 10'000 Aufnahmen hat er für das heutige Gespräch vorselektioniert und elektronisch abgespeichert. Während er in seinem Fotostudio im alten Schulhaus Mönthal nach dem einen Bild sucht, wischt er unschlüssig auf dem Tablet hin und her. Zu jedem Werk folgt eine persönliche Anekdote. Die Fotografie ist für Weisse eine zweite Sprache: Mit seinen Bildern will er Erinnerungen einfrieren und Bemerkenswertes dokumentieren. Früher hätte er dazu einfach nach einem Pinsel gegriffen. «Doch das ist auf Reisen meist logistisch nicht möglich», scherzt er. Die Kamera passt hingegen in jede Tasche – und im schlimmsten Fall greift der Fotograf auch einmal auf das Smartphone zurück. 

 

Zwischen Kunst und Zahlen

Ursprünglich begann Weisse eine künstlerische Laufbahn, die den gebürtigen Deutschen im Alter von 22 Jahren in die Schweiz führte. In Basel studierte er Kunstmalerei und Bildhauerei, sammelte anschliessend in Wien Praxiserfahrung und kehrte einige Jahre später nach Zürich zurück, um Betriebswirtschaft zu studieren. Weisse war 14 Jahre alt, als ihm seine Eltern die erste Spiegelreflexkamera schenkten. Damals ahnte er nicht, dass er Fotograf werden würde. Die Entscheidung fiel dreissig Jahre später auf einem Fabrikgelände in Leverkusen, während er alte Gebäude ablichtete. «Mir war klar: Das ist es. Dieses Gefühl kann ich auch heute noch nicht erklären.» Seither gehört die Fotografie zu seinem Alltag. Hauptberuflich arbeitet Weisse als strategischer Leiter in einem international tätigen Unternehmen. Mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern wohnt er in Mönthal. In seiner Freizeit setzt er verschiedene Fotografie Projekte um: sei dies auf Reisen, im Theater, an öffentlichen Events oder im eigenen Studio. 

 

Effektvolle Bildsprache

Während des Gesprächs hält Christoph Weisse plötzlich einen Moment inne, schaut sich eine Fotografie auf dem Tablet näher an. «Ich glaube, das ist es», sagt er schliesslich. Die Herbstimpression aus Colorado zeigt gelbe Baumkronen, rötliche Büsche, eine karge Bergkette. Doch das Bild hat eine tiefere Bedeutung, sagt mehr aus, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Es gewährt einen Blick hinter Weisses Objektiv, zeigt seine persönliche Weltanschauung. Auf die Frage, weshalb er sich für diese Impression aus Colorado entschieden habe, erklärt er: «Diese Fotografie ist zwar nicht vollkommen, doch Herbstbilder stehen für Verwandlung, für das Spiel mit Licht und Komposition – kurzum: die erhabene Schönheit macht es besonders.» In Bildern ausgedrückt: schauen, staunen, in sich horchen und selbst interpretieren. 

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