Die Kiesgrube als Lebensraum

Laut Gesetz darf Abbau in einer Kiesgrube nur erfolgen, wenn es der Natur nicht schadet. Tiere und Pflanzen finden dort durchaus ihren Platz.

Plastikmodelle von Amphibien, die sich in Gruben und Tümpeln niederlassen, stiessen auf grosses Interesse. (Bild: isp)

16. September 2020
15:11

«Welche Chancen ein Kiesabbau seltenen Tier- und Pflanzenarten eröffnet, und vor welchen Anforderungen Betreiber stehen» – mit dieser Ankündigung hatte die RMK Kies, Gebenstorf, an ihren Informationsanlass vom 8. September eingeladen. Gegen 50 Interessierte folgten der Einladung. Während knapp zwei Stunden wurden sie durch Fachleute über das bevorstehende Projekt «Feld Grosszelg», das sich auf Birmenstorfer Gemeindegebiet befinde, informiert. Die Interessengemeinschaft der Firmen Merz Baustoff AG in Gebenstorf, Knecht Bau AG in Brugg sowie Richi AG in Weiningen (IG-RMK) hat nämlich Grosses vor.


Grosszelg Ost und West
Frühestens im Jahr 2021 möchte die IG-RMK das Feld Grosszelg in Betrieb nehmen. Die gesamte Fläche beinhaltet ungefähr 13 Hektaren oder neunzehn Fussballfelder. Die offene Grubenfläche während Kiesabbau und Wiederauffüllung soll drei bis vier Hektaren umfassen. Pro Jahr wollen die Betreiber rund 75 000 bis 145 000 m3 Kies abbauen. Sie schätzen die Dauer mit Wiederauffüllung und Rekultivierung auf einen Zeitraum von 25 Jahren. Zudem könne der Standort Grosszelg so umgesetzt werden, dass alle Umweltschutzgesetze eingehalten werden.

Das geplante Materialabbaugebiet Grosszelg ist in einen östlichen und einen westlichen Teil getrennt. Grosszelg Ost ist gemäss Rohstoffversorgungskonzept, RVK, des Kantons Aargau von 1996 als zukünftiges Materialabbaugebiet von kantonaler Bedeutung vorgeschlagen und ist nun zusammen mit dem Gebiet Grosszelg West im Richtplan festgesetzt. Der Standort wurde im Rahmen des Richtplanverfahrens als sehr geeignet bewertet.

Thomas Merz, Leiter Bau und Verwaltungsratspräsident der Merz-Gruppe, betonte, dass es ihm wichtig sei, im Austausch mit der Bevölkerung zu stehen. Eigens für das Projekt wurde ein Newsletter kreiert. Dort steht denn auch im Editorial: «Deshalb sind wir auf Ihre Anregungen und Wünsche angewiesen.» Es haben bereits bodenkundliche und hydrogeologische Untersuchungen stattgefunden, und das Gesuch wurde beim Kanton Aargau eingereicht.


Tiere lassen sich nieder
Anhand von Amphibien-Plastikmodellen veranschaulichte der Biologe Christoph Flory eindrücklich, wie sich die Tiere in den durch Bagger entstandenen Gruben und Tümpeln niederlassen und sich dort ihr eigenes Refugium erschaffen. Als «Flaggschiff» und Paradebeispiel gilt die Kiesgrube «Niderhard» in Birmenstorf, in der sich die Natur über Jahre ihr Territorium grösstenteils zurückerobert hat.
Sträucher und Pflanzen wie Silberweide oder Silberpappel, Wegwarte, Frauenflachs, Birke und kleinere Waldföhren werden sich ansiedeln. Bei den Reptilien sind es die Ringelnatter und die Schlingnatter. Im Feld Grosszelg könnten es sich aber auch Amphibien wie der Feuersalamander, der Laubfrosch, die Kreuzkröte, die Geburtshelferkröte oder die Gelbbauchunke längerfristig gemütlich machen.


Nach Projektende zurück zur landwirtschaftlichen Nutzung
In Birmenstorf wird seit Jahrzehnten Kies abgebaut. Mit der Richtplanfestsetzung soll die regionale Versorgung mit Kies sowie ein regionales Auffüllvolumen für unverschmutzten Aushub für die nächsten 15 bis 20 Jahre sichergestellt werden. Nach 25 Jahren Abbau, Wiederauffüllung und Rekultivierung kann das Gebiet dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Kies und Sand sind die einzigen bedeutenden Rohstoffe, die hierzulande abgebaut werden.

Beide sind notwendig für die Produktion von Beton. «Wir werden noch weitere Events mit der Bevölkerung einplanen und freuen uns immer über das rege Interesse», erklärte Thomas Merz. Zum Abschluss der Informationsveranstaltung wurde bei Wurst und Brot noch aktiv weiterdiskutiert, und der spannende und informative Anlass fand so einen würdigen Abschluss. Weitere Informationen zum Projekt sind unter merzgruppe.ch zu finden.

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