Die Kraft des Netzwerks nutzen

Freienwil geht ungewöhnliche Wege in der Personalaquisition: Wer einen Gemeindeschreiber empfiehlt, erhält bei Abschluss 500 Franken Provision.

Gemeinderat Gaudenz Schärer. (Bild: zVg)

10. Dezember 2021
09:15

Vor einigen Wochen wurde bekannt: Marc Oberli wird die Gemeindeverwaltung Freienwil bis spätestens Ende März verlassen. «Unser Ziel ist, bis dahin eine Nachfolge gefunden zu haben und eine Übergabe zu ermög­lichen», erklärt Gemeinderat Gaudenz Schärer. Da der Stellenmarkt im Komunalwesen ausgetrocknet sei, nutze man umso mehr die Kraft des Netzwerks, so Schärer. Die Gemeinde hat die Bevölkerung via Mitteilungsblatt «Freienwil Aktuell» im November aktiv aufgefordert, bei der Suche mitzuhelfen. Für die erfolgreiche «Vermittlung» winkt eine Provision von 500 Franken – sofern ein Vertrag zustande kommt und die Probezeit erfolgreich abgeschlossen wird. Eine ungewöhnliche Vorgehensweise für eine Gemeinde, das ist dem Gemeinderat bewusst: «Aber sie ist verbreitet in anderen Sparten. Es erhöht einfach die Chance, jemand Passendes zu finden», sagt Schärer. Und wer bezahlt die Erfolgsprämie, falls es tatsächlich so weit kommt? «Wir haben für Personalmarketing einen geringen Betrag im Budget 2022 eingesetzt», so Schärer. Von der Provision sind Angestellte der Verwaltung sowie die Exekutivmitglieder natürlich ausgenommen.


Schon mehrere Bewerbungen
Zusätzlich hat die Gemeinde Freienwil sämtliche Gemeinden der Region angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Die Rückmeldungen seien – mit einer einzigen Ausnahme – alle sehr positiv gewesen, freut sich Schärer. Auch Fachhochschulen wurden kontaktiert, welche den CAS Gemeindeschreiber/-in anbieten.

Tatsächlich haben sich mittlerweile mehrere Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, die Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben. Es seien jedoch alles Bewerbende, die selber auf ihn zugekommen seien, so Schärer. «Bei interessanten Profilen vereinbare ich sofort einen Termin für ein Videointerview. Denn gute Leute sind schnell weg, wenn man nicht um­gehend reagiert», weiss Schärer, der beim Immo-Startup Crowdhouse in Zürich tätig ist. Der Gemeindeschreiber ist der Dreh- und Angelpunkt einer kleinen Gemeinde wie Freienwil, erklärt Gaudenz Schärer. Das Pensum für die Stelle beträgt 80 bis 100 Prozent. Man wolle die Gemeinde entwickeln und noch offener für die Einwohner werden – «dafür suchen wir eine geeignete Persönlichkeit.»

Zuletzt gab es in Freienwil nach dem Abgang des langjährigen Gemeindeschreibers Felice Vögele zahlreiche Wechsel; Vögeles Nachfolgerin Margrit Jaggi blieb nur drei Monate im Sommer 2017, nach einer Übergangslösung mit der Firma AWB Comunova AG konnte 2018 Manuel Brunner verpflichtet werden. Dieser wechselte nach etwas mehr als einem Jahr jedoch nach Birmenstorf, wo er nun per 1.1.2022 den langjährigen Schreiber Stefan Krucker beerben kann.
Schärer ist zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg richtig ist und eine Nachfolgelösung gefunden wird: «Wir alle in Freienwil profitieren von einer geeigneten Persönlichkeit, die aber gefunden werden muss. Und wenn es schliesslich dadurch klappen würde, wären 500 Franken sehr gut investiertes Geld.»

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