«Die malerische Lage hat Potenzial»

Mehr als ein Jahr stand das Badener Traditionsrestaurant in der Unteren Halde leer. Nun bringt ein junges Team Leben in den «Grossen Alexander».

Ramona Gehrig, Samuel Hauser und Küchenchef Niklas Schneider vor ihrer neuen Wirkungsstätte in der Unteren Halde. (Bilder: is)

20. Mai 2021
08:26

Als Samuel Hauser, Niklas Schneider und Ramona Gehrig für das Foto vor dem Eingang zum «Grossen Alexander» posieren, bremst ein Auto unvermittelt auf dem Pflastersteinweg, und der Fahrer lässt die Scheibe herunter: «Darf ich fragen: Geht denn das Restaurant wieder auf?» Die Antwort zaubert dem Anwohner ein Strahlen aufs Gesicht: Ja! Am 9. Juni ist Eröffnung – und erst noch unter dem bekannten Namen. Der «Grosse Alexander» ist in Baden eine Institution: 28 Jahre lang war dort das China-Restaurant Chen Lay beheimatet, bevor 2018 zwei Quereinsteiger italienische Küche anboten. Ende 2020 stellten sie den Betrieb jedoch ein; seither dämmerte das markante Gebäude bei der Kornhausbrücke im Tiefschlaf vor sich hin.

In gut drei Wochen wird es jedoch wieder zum Leben erweckt. Unter dem Label «Made with Love« GmbH eröffnen Gastronom Samuel Hauser und Spitzenkoch Niklas Schneider das Lokal. Derzeit sind sie daran, das Interieur ihrem Konzept anzupassen. «Aber nur leicht», sagt Hauser: «Denn hier wurde ja erst vor drei Jahren komplett umgebaut.» Den Grossteil des Mobiliars konnten die neuen Betreiber übernehmen. Nur die Website hat – aus rechtlichen Gründen – einen neuen Namen: www.bigalex.ch.


Mittags Soulfood, abends Casual Finedining

Als Chef de Service haben die beiden die 21-jährige Ramona Gehrig engagiert, die ihre Lehre im Casino Baden absolviert und danach in der «Pinte» Dättwil gearbeitet hat. Während Corona überbrückte sie die Zeit auf Baustellen, wo sie Silikonfugen abdichtete. «Nun bin ich froh, dass ich in die Gastronomie zurückkehren kann», sagt die Niederwilerin. Ein zweiter Koch sowie eine Serviceangestellte sollen das Team komplettieren.

Was bietet die neue «Alexander»-Crew den Gästen an? «Wir haben ein Dualkonzept», erklärt Niklas Schneider. Das bedeutet, dass sich das Mittags- vom Abendangebot unterscheidet. Über Mittag gibt es «Soul-Lunch – schnell, gesund, frisch und Topqualität». Fünf bis sechs Gerichte werden auf der Karte stehen, «aber solche, die wir selber gerne essen. Sie sollen sich als Klassiker etablieren, für die man extra in den ‹Grossen Alexander› kommt», so der Spitzenkoch.

Abends steht eher puristisches Fine Dining auf dem Programm. Vier- bis sechsgängige Menüs in ungezwungerer Atmosphäre, «aber nur mit besten Produkten aus der Region. Denn Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig.» Das Gemüse stammt von Mini-Farming in Schleinikon, der Fisch von der Fischzucht Bremgarten, das Natura­beef von Bernhard Kohler in Hottwil.


Nordisch leicht, aber mit französischer Intensität

Für Bar-Gäste gibt es abends zudem eine Snackkarte mit Kleinigkeiten. Die Küche im «Grossen Alexander» ist inspiriert vom hohen Norden, «aber mit der Intensität der französischen Küche», so Schneider. Der 25-Jährige hat schon viel Erfahrung gesammelt: Vier Jahre lang arbeitete er in der mit fünfzehn Gault-Millau-Punkten dekorierten «Krone» in Regensberg mit Küchenchef Ale Mordasini. Gemeinsam machten die beiden zwischendurch einen Abstecher in die Steinhalle in Bern. Als Jungkoch im «The Chedi Andermatt» (1 Michelin-Stern) konnte Schneider Mansur Memarian über die Schulter schauen, der jetzt in Dubai kocht. Schneider gilt in der Branche als grosses ­Talent: Von 2016 bis 2020 war er Mitglied der Schweizer Koch-Nationalmannschaft, die 2018 WM-Vierte wurde. Im vergangenen Oktober gewann er den renommierten Swiss Culinary Cup des Schweizer Kochverbands.

Ramona Gehrig, Niklas Schneider und Samuel Hauser an der Bar, die derzeit noch auf Vordermann gebracht wird.

 

Die Idee, mit Samuel Hauser zusammenzuspannen und etwas Eigenes zu machen, entstand im Fumoir im «Löwen» in Dielsdorf. Beide stammen aus Niederweningen (ZH) und trafen sich regelmässig sonntags im einstigen Lehrbetrieb von Niklas Schneider. Die beiden ergänzen sich perfekt: Samuel Hauser ist ebenfalls gelernter Koch, hat zudem die Hotelfachschule absolviert und sich betriebswirtschaftlich weitergebildet. Mit zwei Geschäftspartnern hat er 2013 die Gastro- und Cateringfirma Blum-Hauser AG in Niederweningen gegründet, die das Restaurant Frieden in Niederhasli führt. Im Sommer 2020 eröffnete Blum-Hauser eine vorübergehende Pop-up-Beiz im «Weissen Wind», Freienwil, im September übernahm sie den Beck Bürgi in Lengnau, der seit diesem Frühling auch am Sonntagvormittag geöffnet hat.

In Baden nutzen die beiden Gastronomen nun auch Synergien mit Hausers zweiter Firma. So wird das Brot natürlich von Beck Bürgi stammen, «und bei Banketten oder Caterings können wir auch auf das Personal von Blum-Hauser zurückgreifen». Das Restaurant verfügt über zwanzig bis dreissig Sitzplätze im Gastraum sowie sieben an der Bar. Bei schönem Wetter kann auch draussen um das Eck herum gestuhlt werden. 


Vom bestehenden gastronomischen Angebot abheben

Auf den «Grossen Alexander» stiess das Duo per Zufall. Bei der Besichtigung mit Vermieter Jürg Schoop im März habe es sofort gepasst. «Wir kamen hier rein und sagten: Das ist es!» Am 13. April unterzeichneten sie den Mietvertrag. «Herr Schoop kam uns mit fairen Konditionen entgegen», freuen sich die neuen Pächter.

Mit der Eröffnung des «Grossen Alexanders» wagt das Duo aus dem Zürcher Unterland nun den Schritt nach Baden. «Die Stadt hat Charme und Persönlichkeit», findet Samuel Hauser. Beide sind überzeugt, dass sie sich im gastronomischen Angebot Badens mit ihrem Konzept abheben: «Hier gibt es sowas noch nicht. Zudem ist die Lage unseres Restaurants sehr malerisch – und wir sehen noch Potenzial, sobald das Bottabad eröffnet wird.» 

bigalex.ch

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Kommentare (1)

  • Bernhard Volkart
    Bernhard Volkart
    am 21.05.2021
    Alles Gute zum Start!
    Liebe Grüsse, Beni & Gabrielle

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