«Die mit Abstand beste Bundesfeier»

Die meisten Gemeinden verzichten auf ein offizielles 1.-August-Fest. Und wie feiern prominente Persönlichkeiten den Nationalfeiertag?

Dieser Nationalfeiertag rockt
Dieser Nationalfeiertag rockt (Bild: as, inspiriert von der Facebook-Gruppe CH rocks Original, restliche Bilder: zVg und Archiv)

von
Gina Kern, Carolin Throne und Ilona Scherer

29. Juli 2020
12:00

Während Brugg/Windisch, die traditionell zusammen im Amphitheater feiern, den Anlass schon ziemlich früh absagten, musste der Schützenverein Birrhard erst spät doch noch kapitulieren. Nur in vier Gemeinden in der Region Brugg wird wohl definitiv gefeiert: in Bözen (Heuig), Elfingen (mit einem Auftritt der Trachtengruppe), Rüfenach (Waldhaus) und Brunegg (Schulareal). In Riniken wollte man die Feier zwar durchziehen, doch schliesslich musste die Cateringfirma passen, nachdem die Massnahmen erneut verschärft wurden.

Meistens sind Vereine für die Durchführung zuständig. Durch die Absagen entgehen ihnen fest budgetierte Einnahmen. Auch in Bözberg, wo der Turnverein jeweils die Festbeiz führt und so seine Vereinskasse dadurch aufbessert. Esther und Thomas Schäublin vom «Güggeli-Sternen» Bözberg haben sich deshalb eine spezielle Aktion ausgedacht: Am 31. Juli und 1. August schlagen ihre Preise um fünf Franken auf. Die zusätzlichen Einnahmen gehen voll in die Kasse des STV, «und wir werden den Betrag dann noch grosszügig aufrunden», verspricht Thomas Schäublin. Eine wahrlich solidarische Geste in einer nicht ganz einfachen Zeit.

Archivbild der Bundesfeier 2016 von Brugg/Windisch mit 1.-August-Feuer im Amphitheater

 

Die letzten 14 Jahre hat der Badener Wortkünstler am 1. August jeweils zu «Poet*innen zur Lage der Nation» im Museum Langmatt eingeladen. Auch dieser Event fiel «Corona» zum Opfer. Simon Libsig nimmt es sportlich: «Ich nehme die Pause an und zünde daheim einen Hoffnungsfunken sprühenden Vulkan mit meiner Frau und meinen Kindern, auf unserer Quartierstrasse – für alle», so der Badener.

Die Stadt verzichtet wie so viele Gemeinden dieses Jahr auf die Durchführung einer offiziellen Bundesfeier. Sie wird jedoch von 10 bis 12 Uhr auf dem Schlossbergplatz der Bevölkerung eine Freude bereiten. Nach dem Motto «S’het solang s’het» offeriert sie eine Wurst (Vegi oder Fleisch) pro Person, welche dann zu Hause grilliert werden kann. Ausserdem werden Lampions sowie ein Flyer mit dem Schweizerpsalm verteilt. Eine Festrede von Stadtammann Markus Schneider ist ab dem 1. August auf baden.ch/bundesfeier abrufbar. Auch die Gemeinde Wettingen musste ihre Bundesfeier absagen. Die Ansprache von Grossratspräsidentin Edith Saner wird in Form einer virtuellen Grussbotschaft ebenfalls im Internet aufgeschaltet. Trotzdem lässt es sich die Birmenstorferin nicht nehmen, ihren Gastgebern einen kleinen Besuch abzustatten: Sie wird Gemeindeammann Roland Kuster am 1. August auf dem Rathausplatz ein persönliches Geschenk überreichen.

Schön wär’s: «Poeten zur Lage der Nation», hier am 1. August 2019 im Garten des Museums Langmatt

 

Die 1.-August-Feier in Untersiggenthal mutet dieses Jahr nicht nur wegen Corona ein wenig historisch an. «Es ist wohl das letzte Mal, dass so ein Fest bei der Zentrumswiese stattfinden kann», sagt Roland Frunz vom Ranger Hockeyclub Untersiggenthal. Die Unihockeyaner sind von der Gemeinde mit der Durchführung der Bundesfeier beauftragt worden. Auf der Website wird der Anlass ganz unbescheiden als «die mit Abstand beste Bundesfeier» angekündigt – was auch als Wortspiel in Corona-Zeiten gemeint ist. Ab 19 Uhr trifft man sich auf dem Kiesplatz Mardeläckerstrasse zum gemütlichen Beisammensein, um 21.30 Uhr wird das 1.-August-Feuer auf der angrenzenden Zentrumswiese entzündet, wo auch Festbänke stehen. «Wir haben keine Ahnung, wie viele Leute kommen», so RHCU-Präsident Christoph Umbricht, der mit 100 bis 150 Gästen rechnet. Gut möglich jedoch, dass auch Publikum aus anderen Gemeinden anreist. Denn im Siggenthal und im Wasserschloss wurden alle offiziellen Feierlichkeiten abgesagt. Nur im Surb- und Höhtal wird ­gefestet: In Endingen gibt die Musikgesellschaft um 10.30 Uhr ein Platzkonzert bei der Bezirksschule. Die Gemeinde Ehrendingen spendiert von 16 bis 18 Uhr auf dem Schulhausplatz Dorf (bei den Kastanien) der Bevölkerung eine Wurst und ein Getränk. Freienwil feiert ab 19.30 Uhr im Schützenhaus mit Höhenfeuer.

In Untersiggenthal lohnt sich der Extra-Einsatz des RHCU gleich in mehrfacher Hinsicht: «Wir erhalten von der Gemeinde eine Entschädigung und dürfen den Reinerlös aus der Festwirtschaft behalten. Und vielleicht können wir ja sogar noch neue Spieler rekrutieren», hoffen die Organisatoren. Eine Win-win-Situation für alle!

Organisator RHC Untersiggenthal: (v.l.) Christoph Umbricht, Raphael Baumann, Roland Frunz, Bernhard Stüssi
Organisator RHC Untersiggenthal: (v.l.) Christoph Umbricht, Raphael Baumann, Roland Frunz, Bernhard Stüssi
  • Michel Birri, TV- und Radiomoderator: «Kein 1. August ohne Käse! Egal wie heiss: Bei uns gibt es immer Raclette oder Fondue. Dieses Jahr ist Raclette dran. Bei über 30 Grad schmilzt der Käse fast von selbst. Ich feiere jedes Jahr bei meinem Mami im Fricktal. Dieses Jahr in kleinerem Kreis.»
    Michel Birri, TV- und Radiomoderator: «Kein 1. August ohne Käse! Egal wie heiss: Bei uns gibt es immer Raclette oder Fondue. Dieses Jahr ist Raclette dran. Bei über 30 Grad schmilzt der Käse fast von selbst. Ich feiere jedes Jahr bei meinem Mami im Fricktal. Dieses Jahr in kleinerem Kreis.»
  • Jorina Stamm, Band Ellas: «Da wir am 6. August unser erstes Konzert seit Beginn des Lockdowns spielen, haben wir am 1. August Bandprobe, sitzen anschliessend mit unserem Manager zusammen und genies­sen den Abend. Womöglich schauen wir eine 1.-August-Rede von Pedro Lenz an.»
    Jorina Stamm, Band Ellas: «Da wir am 6. August unser erstes Konzert seit Beginn des Lockdowns spielen, haben wir am 1. August Bandprobe, sitzen anschliessend mit unserem Manager zusammen und genies­sen den Abend. Womöglich schauen wir eine 1.-August-Rede von Pedro Lenz an.»
  • Ciril Grossklaus, Judoka: «Für den 1. August habe ich keine feste Tradition, da ich dann meist für den Sport unterwegs bin. Dieses Jahr habe ich gehofft, dass ich anlässlich der Olympischen Spiele in Tokio sein würde. Mein Kampftag wäre am 29. Juli gewesen. Vielleicht im nächsten Jahr.»
    Ciril Grossklaus, Judoka: «Für den 1. August habe ich keine feste Tradition, da ich dann meist für den Sport unterwegs bin. Dieses Jahr habe ich gehofft, dass ich anlässlich der Olympischen Spiele in Tokio sein würde. Mein Kampftag wäre am 29. Juli gewesen. Vielleicht im nächsten Jahr.»
  • Claudio Cassano, Galerist: «Der 1. August bedeutet für mich, mit Freunden einen guten Abend zu verbringen. Dieses Jahr feiern meine Frau und ich bei Freunden in Höngg. Es wird gegrillt. In den letzten zehn Jahren waren wir jedoch immer in Saas Fee, wo wir lange eine Galerie hatten.»
    Claudio Cassano, Galerist: «Der 1. August bedeutet für mich, mit Freunden einen guten Abend zu verbringen. Dieses Jahr feiern meine Frau und ich bei Freunden in Höngg. Es wird gegrillt. In den letzten zehn Jahren waren wir jedoch immer in Saas Fee, wo wir lange eine Galerie hatten.»
  • Silvan Dillier, Radprofi: «In den letzten Jahren war ich am 1. August nie daheim, sondern habe den Bundesfeiertag im Ausland begangen und nicht gross gefeiert. Wenn alles klappt, bin ich auch dieses Jahr nicht in Schneisingen, sondern bei «Stradi bianche», einem Radrennen in Siena.»
    Silvan Dillier, Radprofi: «In den letzten Jahren war ich am 1. August nie daheim, sondern habe den Bundesfeiertag im Ausland begangen und nicht gross gefeiert. Wenn alles klappt, bin ich auch dieses Jahr nicht in Schneisingen, sondern bei «Stradi bianche», einem Radrennen in Siena.»
  • Anita Buri, Event-Moderatorin: «Dieses Jahr veranstalte ich eine private Grillparty für meine besten Freundinnen, die mich teils schon seit der Kindheit begleiten, und meine Familie. Mein «Schwiizergrill» wird eingeweiht, eine grosse Outdoor­küche, die aussieht wie ein Schweizerkreuz. Das passt perfekt zum Fest.»
    Anita Buri, Event-Moderatorin: «Dieses Jahr veranstalte ich eine private Grillparty für meine besten Freundinnen, die mich teils schon seit der Kindheit begleiten, und meine Familie. Mein «Schwiizergrill» wird eingeweiht, eine grosse Outdoor­küche, die aussieht wie ein Schweizerkreuz. Das passt perfekt zum Fest.»
  • Menf Rhyner, Bühne Heimat, Ehren­dingen: «Ich feierte diesen Tag nie mit überbordenden patriotischen Gefühlen. Ich hole mir vermutlich das 1.-August-Über­lebenspaket der Stadt Baden, zünde den Cervelat an und esse den Lampion – und bedauere die Absage der «Poeten zur Lage der Nation» in der Langmatt.»
    Menf Rhyner, Bühne Heimat, Ehren­dingen: «Ich feierte diesen Tag nie mit überbordenden patriotischen Gefühlen. Ich hole mir vermutlich das 1.-August-Über­lebenspaket der Stadt Baden, zünde den Cervelat an und esse den Lampion – und bedauere die Absage der «Poeten zur Lage der Nation» in der Langmatt.»
  • Romina Ettisberger, Gastro-Unternehmerin: «Letztes Jahr war ich am 1. August im 7. Monat schwanger und habe, wie jedes Jahr, gearbeitet und um 22 Uhr das Feuerwerk geschaut. Weil in Baden Feuerwerk und Feier abgesagt wurden, haben wir uns entschlossen, als Familie im kleinen Rahmen bei Freunden zu feiern.»
    Romina Ettisberger, Gastro-Unternehmerin: «Letztes Jahr war ich am 1. August im 7. Monat schwanger und habe, wie jedes Jahr, gearbeitet und um 22 Uhr das Feuerwerk geschaut. Weil in Baden Feuerwerk und Feier abgesagt wurden, haben wir uns entschlossen, als Familie im kleinen Rahmen bei Freunden zu feiern.»
  • Dano Dreyer, Geschäftsführer Löschwasserbecken: «Am 1. August komme ich normalerweise erst in den frühen Morgenstunden ins Bett, da wir im LWB am 31. Juli einen grossen Sommer­event feiern. Nun habe ich am Nationalfeiertag mehr Zeit mit meinem Hund Merlin. Für die Tiere ist es ein schwieriger Tag.»
    Dano Dreyer, Geschäftsführer Löschwasserbecken: «Am 1. August komme ich normalerweise erst in den frühen Morgenstunden ins Bett, da wir im LWB am 31. Juli einen grossen Sommer­event feiern. Nun habe ich am Nationalfeiertag mehr Zeit mit meinem Hund Merlin. Für die Tiere ist es ein schwieriger Tag.»
  • Simon Libsig, Slam Poet: «Die letzten 14 Jahre habe ich am 1. August jeweils zu ‹Poet*innen zur Lage der Nation› eingeladen. Corona verlangt nun nach einer Pause. Ich nehme sie an und zünde daheim einen Hoffnungsfunkensprühenden Vulkan mit meiner Frau und meinen Kindern auf unserer Quartierstrasse. Für alle.»
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