Die Netzwerkerin fürs Tierwohl

Schon als Kind hatte Brigitte Post einen speziellen Draht zu Tieren. Mit fünfzig orientierte sich die Bruggerin neu. Und gründete eine Stiftung.

«Tiere sind bereit, sich immer wieder neu auf den Menschen einzulassen»: Brigitte Post mit Abha und Hope. (Bild: aru)

06. April 2022
13:52

Vor zehn Jahren fällte Brigitte Post den Entscheid, sich fortan für den Schutz der Tiere einzusetzen. «Andere kaufen sich mit fünzig ein teures Auto oder legen sich eine Geliebte zu», schmunzelt sie. «Ich wollte handeln.» Also tat sie sich mit der Tierschützerin Magda Muhmenthaler zusammen, die in Schottikon eine Auffangstation betreibt. «Sie hat ein extremes Gespür für die Tiere und fährt gleichzeitig eine klare Linie», sagt Post und erklärt: «Vermittelt werden zum Beispiel nur kastrierte Tiere und nur dann, wenn sie wirklich zu den neuen Besitzerinnen und Besitzern passen.»


Eingriffe werden dokumentiert
Die Kastration ist zum Kern der Stiftung Tierbotschafter geworden, die dem Prinzip der Holding Capacity, dem Fassungsvermögen, verpflichtet ist: Die Anzahl Streunertiere an einem Ort ist abhängig von Futter, Wasser und Platz. Sobald man Tiere entfernt – zum Beispiel durch Massentötungen, Vermittlung oder Wegsperren –, entspannt sich die Lage – aber nur kurzfristig. Da es plötzlich mehr zu fressen und grössere Reviere gibt, ist die Folge ein Welpenboom. Und da Reviere frei werden, wandern neue Tiere ein, das Ganze beginnt von vorne. Das Konzept «Trap – neuter – return», also einfangen, kastrieren und zurück ins Revier bringen sei das Einzige, was nachhaltig funktioniere, erklärt Brigitte Post. Dies belegen diverse Studien und nicht zuletzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Um Kastrations- und weitere Tierschutzprojekte auf der ganzen Welt zu unterstützen, engagiert sich Post «mindestens zwei Tage die Woche» ehrenamtlich für die Stiftung Tierbotschafter. Zu tun gibt es mehr als genug, denn Glaubwürdigkeit und Transparenz sind der Kommunikationsfachfrau, die in Brugg eine eigene Firma betreibt, ein grosses Anliegen. Ob Hund oder Katze: Jede Kastration wird mit einem Bild und einer Nummer dokumentiert, die Beiträge der Gönnerinnen und Gönner werden projektbezogen abgerechnet. «Wir unterstützen hauptsächlich einzelne Tierschützer vor Ort», erklärt die 60-Jährige. Diese müssten aber bereits über einen Leistungsausweis verfügen – und sich an die Leitlinien der Stiftung halten. «Da bin ich konsequent», betont Brigitte Post beim Gespräch in ihrem Büro. Zu ihren Füssen schlummern die beiden Hunde Abha und Hope.
 

Brigitte Post mit dem Hund der Nachbarn im Schächental, 1972 (Bild: zVg)


Die Erfolge trotzen dem Frust
Projekte managen, Spenden generieren, netzwerken und informieren: Dies sind die Hauptaufgaben der engagierten Tierschützerin. Das wichtigste Kommunikationsmittel sei dabei der Newsletter. Er wird monatlich verschickt – «und zwar ohne Schockbilder», wie die Stiftungsrätin betont. «Klar ist Tierschutz nicht immer nur schön», erklärt sie. «Aber es ist nicht unser Ziel, auf die Tränendrüse zu drücken und Mitleid zu erheischen.» Vielmehr strebe sie eine objektive Berichterstattung an – «mit dem Ziel, Erfolge aufzuzeigen und Perspektiven zu eröffnen». Als Fachfrau wisse sie natürlich, dass man mit persönlichem Bezug, zum Beispiel in Form von Patenschaften, noch mehr Spenderinnen und Spender gewinnen könne. «Doch die Ressourcen dafür fehlen uns.» Die schlanke Struktur habe indes auch Vorteile, fügt Brigitte Post an. «Wir können schnell reagieren.» Wie dieser Tage im Fall der Ukraine. «Viele Tiere wurden von den Flüchtlingen zurückgelassen, den Tierheimen vor Ort geht das Futter aus», weiss die Brugger Tierbotschafterin. Also habe sie mittels ihres Netzwerks Projekte vor Ort ausfindig gemacht und mit Beiträgen unterstützt.

Jährlich kommen rund 100'000 Franken an Spendengeldern zusammen. «Diese fliessen vollumfänglich in die Projekte», so die Tierschützerin. Achtzig Prozent davon machen die Kastrationen von Hunden und Katzen aus. Eine solche kostet zwischen 10 und 100 Franken, je nach Land. «Natürlich ist unsere Hilfe nur ein Tropfen auf den heissen Stein», gibt Brigitte Post zu. «Aber wenn wir am Schluss ein paar Tieren helfen konnten, ist das schon viel.» Sie habe in all den Jahren gelernt, sich nicht am Frust zu orientieren, sondern ihren Fokus auf die Erfolge auszurichten.

 

Da warens plötzlich drei: Abha (Rumänien), Picky (Dominikanische Republik) und Polly (Bulgarien). Die Hunden stammen aus dem Tierschutz. Abha lebt heute noch bei Brigitte Post. Die anderen beiden sind inzwischen gestorben. (Bild: zVg)


Ein erster Hund aus dem Heim
Einen speziellen Draht zu Tieren hatte Brigitte Post schon als Kind. In Schlieren aufgewachsen, verbrachte die Familie viel Zeit im abgelegenen Ferienhaus im Schächental. «Dort schleppte ich jedes Kätzli an», erinnert sie sich. Später liessen ihr die Kaderjobs keinen Raum für ein eigenes Tier. Doch als sie sich 1999 selbständig machte, holte sie ihren ersten Hund aus dem Heim. «Leika war ein belgischer Schäfer und eine richtige Wildsau», lacht sie. Heute leben Brigitte Post und ihre Partnerin mit Abha und Hope zusammen.

Sie sei immer wieder erstaunt, wie treu und offen die Hunde aus dem Tierschutz seien, sagt Post. «In Anbetracht dessen, was Abha erlebt hat, ist es ein Wunder, dass sie sich überhaupt noch auf Menschen eingelassen hat.» Heute ist die Hündin, die aus einer Tötungsstation in Rumänien stammt, die Sanftmut par excellence – mit einer Ausnahme. «Kommt ein Mann mit einer Stange oder einer Leiter, hat sie Angst.» Sie hätten aber gelernt, mit der Situation umzugehen, erklärt Brigitte Post – und als hätte sie zugehört, steht Abha auf und stupst ihre Herrin zart mit der Nase an.

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