«Die Rennen sind unsere Ferien»

Janine und Andy Matsch aus Villnachern nehmen für ihr Hobby Einschränkungen in Kauf. Das Erlebnis in der Natur entschädigt für vieles.

Janine Matsch unterwegs an der Trans Thueringia
Janine Matsch unterwegs an der Trans Thueringia (Bild: zVg | Maria Setale)

von
Claudia Marek

12. Februar 2020
09:00

«Wir gehen zusammen auf die Jagd»: So deuten die Schlittenhunde das gemeinsame Training in der Natur, erzählt Andy Matsch. Elf Hunde der Rasse Siberian Husky besitzen Janine und Andy Matsch. Echte Vollblutschlittenhunde, die neben ihrem Jagdtrieb über einen ausgeprägten Arbeitseifer verfügen. Sie sind motiviert, zu laufen und grosse Leistungen zu erbringen. «Motivation und Freude sind ihr Motor», erzählt Andy Matsch. Denn zwingen könne man einen Husky nicht. Dafür sei der liebenswürdige Hund zu eigenwillig. Jedes Jahr nehmen Janine und Andy Matsch an mehreren Hundeschlittenrennen teil, und dies mit gros-sem Erfolg. Ein Podestplatz ist ihnen meist sicher. Eines der anspruchsvollsten Rennen findet in Tschechien statt, erzählen die beiden Musher, wie man die Hundeschlittenführer nennt. Diese Strecken können bis 300 Kilometer durch die Wildnis führen, und das Rennen dauert mehrere Tage. Es beinhaltet auch eine Übernachtung im Biwak bei eisiger Kälte. «Die längste von vier Etappen betrug 100 Kilometer und umfasste 2800 Höhenmeter», erzählt Andy Matsch. Ein Kraftakt für Hunde und Schlittenführer. «Wir arbeiten zusammen», betont Andy Matsch. Nur gute Teamarbeit führe zum Erfolg. Bei einem Sieg gibt es aber kein Preisgeld. «Meist erhalten wir gerade einen Sack Futter», erzählt Janine Matsch lachend.

«Motivation und Freude sind ihr Motor»: die begeisterten Musher Janine und Andy Matsch über ihre Siberian Huskys
«Motivation und Freude sind ihr Motor»: die begeisterten Musher Janine und Andy Matsch über ihre Siberian Huskys (Bild: zVg)

 

Vom Nachbarn gelernt

Sie und ihr Mann betreiben das aufwendige Hobby seit 13 Jahren und haben viele Erfahrungen gesammelt. Die treibende Kraft für das gemeinsame Projekt war Janine Matsch. Sie war gerade 13 Jahre alt, als sie die Liebe zu den Schlittenhunden entdeckte. Sie ist in Mönthal aufgewachsen, und da ihre Eltern keinen Hund wollten, ging sie so oft wie möglich zu einem Nachbarn, der Schlittenhunde besass. Erst putzte sie nur die Zwinger oder striegelte die Hunde. Später durfte sie den Nachbarn zum Training begleiten, und schliesslich fuhr sie selber Rennen. «Von meinem Nachbarn habe ich alles über die Hunde gelernt», erzählt die Musherin.

Mit 18 Jahren lernte sie Andy Matsch kennen. Und hatte Glück: Der junge Mann fing ebenfalls Feuer für das intensive Hobby. Als das junge Paar zusammenzog, kamen schon bald Benkku und Paluk ins Haus, zwei süsse kleine Rüden. Heute sind die beiden 13 Jahre alt und gehören noch immer zum Rudel. An Rennen nehmen sie aber nicht mehr teil. Das Paar zog nach Oberflachs in ein Zweifamilienhaus mit Umschwung. Alle zwei Jahre kamen junge Rüden dazu. Im Winter waren die Musher praktisch jedes Wochenende in den Bergen am Trainieren. So verwundert es nicht, dass Andy Matsch seiner Freundin, nach einer anstrengenden Tour, auf einem Gletscher einen Heiratsantrag machte.

 

Von Oberflachs nach Villnachern

Im letzten Sommer ist die Familie nach Villnachern gezogen. Sie haben ein passendes Eigenheim gefunden, das nah am Waldrand steht. Hier kann Andy Matsch praktisch vor der Haustüre mit den Hunden trainieren. Dafür spannt er die Huskys vor den Quad, bei dem der Motor ausgebaut wurde. Drei- bis viermal die Woche trainiert der Musher mit den Hunden. Für Schneetouren fahren sie in die Berge, denn das kostbare Weiss ist im Unterland Mangelware geworden. Selbst die Schweizermeisterschaft musste wegen Schneemangels abgesagt werden.

Janine Matsch hat im Moment etwas zurückgesteckt, wegen der drei kleinen Kinder. «Jetzt müssen wir alles sehr gut organisieren und koordinieren», erzählt die 37-Jährige. Andy Matsch ist voll berufstätig, Janine Matsch arbeitet Teilzeit. Ohne die Unterstützung der Grosseltern wäre es schwierig, alles zu bewältigen, berichten sie. Sie nehmen bewusst Einschränkungen in Kauf. Beispielsweise verzichten sie auf Sommerferien. «Unsere Rennen sind unsere Ferien», sagt Janine Matsch. Glücklicherweise lieben es die Kinder, im Bus zu schlafen, in der Natur zu sein, Bäche zu stauen und Feuer zu machen. Aber alles geht nicht mehr. «Seit ich Kinder habe, bin ich vorsichtiger geworden», so Janine Matsch. Die herausfordernden hochalpinen Touren überlässt sie jetzt ihrem Ehemann.

 

Unterwegs in stiller Landschaft

«Man muss es erlebt haben», antwortet Andy Matsch auf die Frage, was der Reiz dieses Hobbys sei. Das Gesamtpaket mache es aus: die Beziehung zu den Tieren, das Gemeinschaftserlebnis, die Natur. «Es gibt nichts Schöneres, als in einer einzigartigen Landschaft unterwegs zu sein», schwärmt der Musher. «Die Stille wird dann nur durchbrochen vom Schleifen der Kufen und vom schnellen Atmen der Hunde.»

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