Die Schönheit des Drecks

Stefan Muntwyler, Maler und Farbforscher, präsentierte in Windisch den Aargauer Aquarellkasten mit 16 Farben, den er in Zusammenarbeit mit André Lambert, Geologe, realisiert hatte.

Ausstellung des Aquarellkastens
Ausstellung des Aquarellkastens (Bilder: cl)

15. März 2017
21:00

Die geologische Vielfalt unseres Kantons spiegelt sich in einem kleinen Aquarellkasten wider. Die Farbpalette geht von Grautönen, hellem Gelb, Grün, Braun, Rot, bis zu einem zarten Rosa und Violett. Fast drei Jahre Arbeit stecken hinter dem Projekt. Eine Arbeit, die sehr viel Freude machte, wie Lambert und Muntwyler versichern. Das ungleiche, aber sich sehr ergänzende Duo, mit Sichtweisen aus Kunst und Wissenschaft, hat Schätze im Aargau neu entdeckt. Uralte Schönheiten, teilweise Millionen Jahre alt; Steine und Erde in verschieden Farbtönen, das Rohmaterial für die Farben des Aquarellkastens. Mineralien, Erde und Pflanzen sind die grosse Leidenschaft von Stefan Muntwyler. Mit seinem Freund ist er im Sommer 2014 durch den Aargau gezogen, auf der Suche nach neuen Farbpigmenten. Aber eigentlich hat alles vor über 30 Jahren angefangen.


«Ich sah nur noch rot»

Stefan Muntwyler war auf einer Malerreise in die apulische Stadt Otranto. Eine Wanderung führte ihn an eine rot leuchtende Wand. Er hatte in einem ehemaligen Tagbau für Bauxit die Erdfarben von Otranto entdeckt. «Ich sah nur noch rot», schwärmt er. Am nächsten Tag zog er mit Essbesteck los und «erntete» verschiedene Erdtöne. «Es war, nach meiner Kindheit, die erste Begegnung mit der Schönheit des Drecks», erzählt er. Seit dieser Zeit holt immer wieder Rohmaterial aus dieser Grube. 

Im Herbst 2008 realisierte er den ersten Aquarellkasten mit acht Farberden der Grube in enger Zusammenarbeit mit Thomas Rickert von Kremer Pigmente. Vier Jahre später den Zuger Aquarellkasten und jetzt das Herzstück: die Farben des Aargaus.

  • Stefan Muntwyler (links) und André Lambert ordnen die Farben zu. Das Braun ist ein Eisenerz aus Herznach
    Stefan Muntwyler (links) und André Lambert ordnen die Farben zu. Das Braun ist ein Eisenerz aus Herznach
  • André Lambert erklärt, wie sie die Seekreide aus dem Hallwilersee gezogen haben, anhand eines Joghurts und eines Röhrchens
    André Lambert erklärt, wie sie die Seekreide aus dem Hallwilersee gezogen haben, anhand eines Joghurts und eines Röhrchens

Farben mit Hintergrund

«Es war eine inspirierende Zusammenarbeit mit Stefan Muntwyler», erzählt André Lambert. Es sei spannend gewesen, die Pigmente in einen geologischen Kontext zu setzen. Zu dem Aquarellkasten haben die beiden Freunde eine Publikation gestaltet, eine Art Steckbrief zu jeder Farbe, mit einem Foto, einer Kurzbeschreibung des Steins aus geologischer Sicht und einer Einschätzung aus künstlerischer Perspektive. Zwölf der 16 Farben sind mineralischen Ursprungs, diese werden ergänzt durch das Aargauer Wappenblau (Kobaltblau, synthetisch mineralisches Pigment) und durch drei organische Farben: Elfiger Schwarz aus verköhlerten Zwetschgensteinen und Wettiger Schüttgelb aus Kreuzdornbeeren und Aargauer Rüebliorange aus synthetisch organischem Pigment.


Seekreide aus dem Hallwilersee

Die Gewinnung der Seekreide aus dem Hallwilersee mit einer Sediment-Sonde der ETH aus 30 Meter Tiefe sei aufregend gewesen, erzählt André Lambert. Die Kreide sei der jüngste Stein aus ihrem Sortiment. Zwischen dem Gneis aus Laufenburg und der Seekreide im Hallwilersee liegen 300 Millionen Jahre. Die Kreide entsteht noch immer aus Kalkalgen, die den Kalk aus dem Seewasser ziehen. Aus dieser Kreide ist eine zartgrüne Farbe entstanden. Aus Steinen und Erde Farben herzustellen, hat eine lange Tradition. Sie waren seit Menschengedenken Grundmaterial für die Malerei. Stefan Muntwyler und André Lambert haben die geologische Vielfalt und Schönheit unserer Region in einem Farbkasten sichtbar gemacht. 

Der Aquarellkasten ist zu beziehen über Stefan Muntwyler: esem@bluewin.chwww.stefanmuntwyler-pigmente.ch, die offizielle Vernissage des Aargauer Aquarellkastens findet im Mai statt.

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