Die Stadt im 3-D-Format

Zoom in, zoom out: Ein digitales 3-D-Stadtmodell von Baden eröffnet für diverse Anspruchsgruppen komplett neue Anwendungsbereiche.

3-D-Blick entlang der Bruggerstrasse über den Kappelerhof bis hin zur Siggenthalerbrücke
3-D-Blick entlang der Bruggerstrasse über den Kappelerhof bis hin zur Siggenthalerbrücke (Visualisierung: zVg)

von
Isabel Steiner Peterhans

31. Mai 2018
09:00

Praktisch ist es ja schon. Wenn man sich bereits etwas in Ferienstimmung bringen möchte, zoomt man sich auf einige Meter genau mitttels Google Earth Tool kurzerhand an seine Lieblingsdestination und kann sich, virtuell zumindest, einstimmen. Ein 3-D-Stadtmodell für Baden der geoProRegio AG soll die Möglichkeiten von Google Earth noch toppen.

Marcel Kühni und Lukas Merz mit ihrer Vermessungsdrohne
Marcel Kühni und Lukas Merz mit ihrer Vermessungsdrohne (Bild: isp)

 

Sogar Fassadendetails ersichtlich

Mit dem seit 2014 entwickelten Programm besteht die Möglichkeit, sich bis zu einer Distanz von 30 cm an ein entsprechendes Objekt ranzuklicken. «Das vorliegende Stadtmodell ist ein Meilenstein bezüglich Genauigkeit, Qualität und Verwendbarkeit von urbanen 3-D-Daten. In einer nie dagewesenen Abbildungsgenauigkeit und Darstellungsqualität werden Landschaften und Gebäude bis hin zu Fassadendetails sichtbar und bildtechnisch höchstaufgelöst gemacht», versprechen die Entwickler.

Vorderhand können Planer, Architekten sowie Behörden die Daten, in Absprache mit den Entwicklern, nutzen. Privatpersonen sollen vorerst, gemäss Auskunft von Burkhard Kilcher der Regionalwerke AG Baden, noch keinen Zugriff auf das 3-D-Stadtmodell haben. Die Bedienung sei nicht ganz trivial und die Kapazitäten für den Support fehlten. Es ist aber durchaus denkbar, dass im Laufe der Zeit die hochaufgelösten Daten in Zukunft auch von zu Hause aus betrachtet werden können.

2014 wurde eine Machbarkeitsstudie mit ETH Juniors als Partner durchgeführt, welche das Potenzial, den Nutzen sowie die Umsetzbarkeit eines 3D-Stadtmodells für die Stadt Baden eruiert hat. Aufgrund der positiven Ergebnisse und des Potenzials eines solchen Modells wurde im Anschluss daran der Entscheid gefällt, ein 3-D-Stadtmodell zu entwickeln. Dieses wurde auf eine Initiative der geoProRegio AG hin entwickelt, die auch die Kosten dazu getragen hatte. Die Projektleiter Lukas Merz und Marcel Kühni sind die kreativen Köpfe des 3-D-Modells und haben das Tool in einem umfangreichen Prozess entwickelt. Mittels Einsatz von Vermessungsdrohnen kann das Modell punktuell nochmals erheblich in der Genauigkeit und in der Auflösung verbessert werden. Denn Google Earth als Basis zu nehmen, das wollten die Geoinformatikfachspezialisten schlichtweg nicht. «Die Planungsphase bis zur Realisierung hat ungefähr drei Jahre gedauert, wovon die Entwicklung und Umsetzung des Webclients und die Bereitstellung der Grundlagedaten ungefähr 1½ Jahre in Anspruch genommen haben», bestätigt Merz.

 

Visualisierungen im Quartier

Der breite Einsatz des Badener 3-D-Stadtmodells ist nach der Evaluation des Prototyps via geoProRegio AG geplant. Gemäss Information seitens der Projektleiter bringt das Modell für verschiedene Nutzergruppen einen Mehrwert. Die Stadt kann damit ihre Raumplanungsbestrebungen unterstützen sowie die Kommunikation mit der Bevölkerung hinsichtlich neuer Bauvorhaben transparenter gestalten. Für Architekten ergeben sich ebenso neue Möglichkeiten. Gebäudeentwürfe können direkt im Quartier visualisiert werden und hinsichtlich Raumwirkung realitätsnah analysiert werden. Nebst diesen zwei Hauptanwendergruppen können aber auch Tourismusanbieter wie Museen sowie Marketingagenturen oder Ingenieurbüros davon profitieren, nebst einer Visualisierung können auch Berechnungen, Analysen sowie Virtual-Reality-Aspekte umgesetzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten der neuen Technologie sind vielfältig und könnten womöglich noch bei vielen weitere Parteien auf Interesse stossen.

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