Die Stimmung ist im Keller

Drei Tage, drei Keller, drei Acts: Das Konzept der erstmals durchgeführten Kellertage von Flavio Killer und Micha Plüss überzeugte.

Irene Briner und Ilona Kocsis bei ihrem Auftritt im Ortsmuseum. (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

22. September 2021
18:44

Vom 16. bis 18. September fanden die «Kellertage Untersiggenthal» zum ersten Mal statt. An drei Abenden gingen in drei Gewölbekellern je drei künstlerische Vorstellungen über die Bühne. Der Event wurde vom OK-Duo Flavio Killer (42) und Micha Plüss (52) in Zusammenarbeit mit dem Ortsmuseum Untersiggenthal auf die Beine gestellt. Jeweils drei OK-Mitglieder übernahmen die Rolle der Reiseführer und lotsten die drei Zuschauergruppen von je dreissig Personen von einer unterirdischen Kulturstätte zur nächsten.

Dazwischen gab es gemütliche Pausen unter der Remise des Ortsmuseums. Dort wurden die Gäste mit Focaccia aus der benachbarten Backschüür14 und Wein von Pirmin Umbricht verwöhnt. Einer der drei Keller gehört zum Ortsmuseum, die anderen beiden, Keller Plüss und Keller Cumetti, sind in Privatbesitz und wurden, hübsch geschmückt, für die Auftritte zur Verfügung gestellt.

Die Darreichungsform, in drei Portionen Kultur serviert zu bekommen, begeisterte das Publikum spürbar. So komme man auch in Kontakt mit Kunstformen, Kunstschaffenden oder Musikrichtungen, die einem sonst verborgen blieben oder die nicht unbedingt die persönliche erste Wahl seien, überlegte sich das kreative OK und stellte ein Programm zusammen, bei dem jeder Gast etwas nach seinem Geschmack finden sollte. «Wir erheben nicht den Anspruch, dass allen alles gefällt», erklärte Flavio Killer. «Wir wollen, dass die Leute einen abwechslungsreichen Abend erleben, den sie geniessen und von dem sie noch lange erzählen.»


Ein bunter Strauss Kunst

Die Organisatoren wollten dem Publikum die Möglichkeit bieten, sich verwöhnen und überraschen zu lassen und womöglich sogar neue Vorlieben zu entdecken – «ähnlich wie Geschmacksnerven, die sich erst ausbilden können, wenn sie gebraucht werden», erklärte der umtriebige Macher, der noch viele Ideen hat – «manchmal zu viele!»

Auf den Bühnen der diesjährigen Kellertage standen unter anderem Wortspieler Simon Libsig, Schriftsteller Urs Augstburger mit Hörspielsprecherin Barbara Terpoorten, Kabarettist Valerio Moser oder die Gebenstorfer Stand-up-Comedian Isabel Meili.

Natürlich fehlten auch musikalische Perlen nicht in den Schätzen, die man von diesen drei kleinen Reisen in seinen Erinnerungen mitnahm: Die «Tonic Strings» Toni Donadio und Nic Niedermann brachten auf ihren Saiten Blues, Latin und Gypsy Jazz ins Gewölbe des Kellers Cumetti, während das Publikum nebenan im Ortsmuseum andächtig den Geschichten und Flötenklängen lauschte, die Irene Briner und Ilona Kocsis inszenierten.

Beim Auftauchen aus der Unterwelt erwartete die Kunstschaffenden  und Kunstreisenden ein klarer Nachthimmel, an dem ein fast voller Mond wanderte. Spätsommerliche Gartenstimmung, Lichter in den Obstbäumen, Gläserklirren und Livemusik von Micha Plüss und Reto Füssler liessen den vielseitigen Abend ausklingen.

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