Die Suche nach der Welt in Pink

Die Fotografin und Künstlerin Nici Jost stellt im Kunstraum Baden unter dem Titel «Land of Peach Blossom» aus. Kunst in Pink, passt das?

Nici Jost hat im Badener Kunstraum eine chinesische Marktatmosphäre geschaffen. (Bild; zVg | Nina Chen)

21. April 2021
16:51

Ja, es passt. Und es nimmt den Besucher sofort ein. Denn Nici Jost lebt pink. Die 36-jährige Jost ist sich bewusst, welche Reaktionen die Farbe Pink auslöst. «Die Vorurteile und die Ambivalenz, die manche Leute gegenüber Pink- und Rosatönen empfinden, macht die Sache erst so richtig spannend.»

Als 15-Jährige sei sie in eine Rebellenphase geraten und habe Pink für sich entdeckt. Wenn man die Welt mit einem pinken Filter belege, so eröffnen sich ganz neue Horizonte. Die Masterarbeit an der Kunsthochschule in Basel nannte sie Pink-Colour-System. Sie versuchte, Pinke-Töne systematisch zu kategorisieren. In ihrem künstlerlischen Universum nimmt Pink eine Sonderstellung ein. Dieser farblich gerichtete Fokus bleibt auch für das neuste Projekt im Badener Kunstraum bestehen. Dort hat Nici Jost, die übrigens in Kanada geboren ist, eine chinesische Marktatmosphäre geschaffen. Der Raum ist voll mit Waren und Bildern. Doch wie ist Jost auf diese Idee gestossen?


Rosa Filter in Shanghai

Nici Jost lebte 2018 für ein halbes Jahr in Shanghai. Sie erhielt ein Stipendium im Swatch Art Peace Hotel, wo sie mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt lebte. «Ich wollte in China herausfinden, welche Rolle Pink dort spielt», so Jost. «Das Land ist riesig. Es ist laut. Es ist drückend heiss. Mein rosa Filter half mir, mich in Shanghai zurechtzufinden.» Für ihre Arbeit sammelte Jost alles was pink oder rosa war. Sie merkte, dass es in China auch noch weitere Farbdefinitionen von Pink gibt. Sie definierte zwei neue Farben: Das Silent-Pink und das Peach-Pink. «Das Peach-Pink geht aus den Pfirsichblüten hervor. Die Chinesen haben andere Farbpaletten als wir Europäer. Peach ist bei uns eher die Farbe der Frucht.» Jost fand heraus – und stellt dies in ihrer Ausstellung auch beeindruckend dar – dass in China sehr viel Pink verwendet wird. Während in der Schweiz vorwiegend Süssigkeiten in Pink verpackt werden, werden in China auch Milch, Reis, Salzgebäck oder gar Zigaretten pink verpackt. Der Titel ihrer Ausstellung «Land of Peach Blossom» ist eine Redewendung, angelehnt an die Farbe Peach-Pink.

Jost, die ihr Geld als Fotografin verdient, schoss beeindruckende Bilder auf Tiermärkten. Katzen hinter rosa Gittern, pinke Fische in Plastiktüten. «Ich versuchte, im Moment nicht allzu viel zu hinterfragen. Ich stellte einfach fest und dokumentierte», sagt Jost.


Nachdenken über Politik

Doch Jost will mit ihrer Ausstellung nicht an der Oberfläche hängen bleiben. Die Installation bringt auf den zweiten Blick auch Denkwürdiges zutage. Jost zeigt auf, wie Menschen in China umgesiedelt werden. «Ihre Häuser werden abgerissen, sie werden mit Hochhäusern ersetzt. Auf diesen Baustellen habe ich nach pinken Gegenständen gesucht.» Jost zeigt ein eindrückliches Bild von einem rosa Stöckelschuh. Welche Geschichte hier wohl dahintersteckt?

Die Ausstellung im Badener Kunstraum lässt den Besucher nachdenken. Vielleicht über Politik, vielleicht über sein eigenes Konsumverhalten, sicher aber über die Farbe Pink und welchen Einfluss sie auf ihn selbst ausübt. Jost hat übrigens eine einleuchtende Erklärung dafür: «Pink ist das Element, das die Menschen verbindet. Denn von innen sehen wir alle gleich aus. Im Mutterleib ist es pink. Unsere Zunge ist pink.»

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