Die versammelte Graue Eminenz

Knapp fünfzig Alt Gemeindeammänner begegneten sich nach coronabedingtem Unterbruch wieder beim Jahrestreffen.

Die ehemaligen Gemeindeammänner bei der Begrüssung im Schlosshof Kasteln. (Bild: hpw)

08. September 2021
16:18

99 ehemalige Gemeindeammänner aus dem Bezirk Brugg leben noch. Die Zeitspanne, in der sie ihr Amt versahen, erstreckt sich über mehr als fünfzig Jahre, von 1966 bis 2019. Damals, in den 1960er Jahren, zählte der Bezirk Brugg noch 32 Gemeinden – am meisten im Aargau. Heute sind es nach mehreren Fusionen nur noch 21 Gemeinden. Und ab nächstem Jahr wird ihre Zahl auf 18 sinken, wenn sich Bözen, Effingen und Elfingen zu Böztal vereinigen und in den Bezirk Laufenburg wechseln.


Spannende Einblicke in Kasteln

Der Älteste in der Alt Ammänner-Gilde ist der 95-jährige Heinrich Kohler aus Linn, das mittlerweile keine selbständige Gemeinde mehr ist, sondern ein Ortsteil von Bözberg. Kohler war von 1976 bis 1982 Ammann. Am frühesten im Amt standen Karl Gisler, Ammann in Stilli von 1966 bis 1977, und Robert Weber, Lauffohr, von 1966 bis 1969. Auch diese Gemeinden existieren nicht mehr. Jüngste Alt Ammänner sind Angela Lunginovic aus dem ebenfalls fusionierten Schinznach Bad und Giovanni Carau, Elfingen; beide gaben das Amt Ende 2019 ab.

Früher begegneten sich die Ammänner häufig in ihrer offiziellen Funktion; heute treffen sie sich in freundschaftlicher Verbundenheit einmal jährlich in der Alt-Ammänner-Vereinigung. Sie gelten inzwischen als graue Eminenzen: als nach wie vor respektierte Persönlichkeiten, die aber nach aussen nicht oder kaum mehr in Erscheinung treten. Die Tradition ihrer Zusammenkünfte setzten sie nach Corona-bedingtem Unterbruch 2020 am letzten Freitag auf Schloss Kasteln fort. Für die Organisation waren die ehemaligen Ammänner aus den vor sieben Jahren fusionierten Gemeinden Oberflachs und Schinznach-Dorf besorgt.

Ältere Gemeindeoberhäupter erinnerten sich aus ihrer Tätigkeit noch an Kasteln als Erziehungsheim für schwierige Jugendliche. Jetzt begegneten sie an dem schön gelegenen Treffpunkt mitten im Schenkenbergertal einer sozial-pädagogischen Institution ohne Anstaltsgeruch. Das Schulheim gehört zur Etuna-Stiftung, die an acht aargauischen Standorten sozial-pädagogische Einrichtungen und Ambulatorien betreibt. Es werden auffällige bis höchstauffällige Buben und Mädchen von sieben bis 16 Jahren stationär und teilstationär betreut. Ein Rundgang durch Schule, Heim und den biologisch geführten Gutshof bestätigte, dass sich in Kasteln viel verändert hat.

Beim Zvieri im neuen Hofgebäude brachte die Musikschule Schinznach ein Ständchen dar, und der noch amtierende Ammann Urs Leuthard stellte den Tagungsort vor. Danach b rachten Obfrau Brigitte Schnyder, Hausen, und Sekretär Urs Widmer, Habsburg, zügig einige Regularien und Dach. Geehrt wurden Geburtstagsjubilare, die 85-jährigen Tagungsältesten Hannes Keller, Bözberg, und Walter Baumann, Remigen, sowie die fünf verstorbenen Kollegen Vico Silvestri, Elfingen, Karl Bühlmann, Hottwil, Walter Jordi, Effingen, Theo Wernli, Thalheim und Emil Dätwiler, Bözberg. Dank guter Kasse wurde der Jahresbeitrag ausgesetzt und Veltheim zum nächsten Treffen bestimmt.

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