Die weite Reise einer türkischen Gurke

Monika Seith aus Bözberg bekam sie einst von ihrer Mutter. Heute sind die Samen der Gurke «Antalya» bei Bio-Zollinger erhältlich.

15. Juli 2020
09:00

Monika Seith wohnt im Dorfteil Oberbözberg, inmitten von weiten Wiesen und Feldern und einer wunderbaren Aussicht auf das Aaretal. Rund um das alte Bauernhaus blüht und grünt es in allen Farben und Formen. Man findet alte Gemüsesorten wie die Etagenzwiebel sowie eine grosse Vielfalt an Wildpflanzen. So verwundert es nicht, dass Monika Seith ausgebildete Gärtnerin ist, die sich auf Wildpflanzen spezialisiert hat. «Ich habe diese Leidenschaft für die Natur von meiner Mutter Erika geerbt», erzählt Monika Seith. 

 

Ursprung auf dem Kompost

Die Gärtnerin ist in der Rheinebene aufgewachsen, einer flachen Landschaft. In den Aargau mit seinen Hügeln und Flüssen hat sie sich sofort verliebt. Mutter Erika, heute 82-jährig, war eine der Pionierinnen im Bio-Gärtnern. Das sei damals nichts Selbstverständliches gewesen, erzählt Monika Seith. Im Gegenteil, damals ging es eher darum, wer den grössten Kohlkopf im Garten hat, erzählt sie schmunzelnd. Die Mutter legte unter anderem Komposthügel an, auf denen Tomaten und Gurken wuchsen. Und da Erika Seith viel Kompost für ihre drei Gärten benötigte, gab ihr eine Nachbarin immer ihr Grüngut.

Plötzlich keimte es im Kompost. Der aufmerksamen Gärtnerin entging nicht, dass es sich um Gurkensetzlinge handeln musste. Sie pikierte die kleinen Pflänzchen und setzte sie in ihren Garten. Schnell fand sie heraus, dass die Samen von der Nachbarin stammten, die ihr das Grüngut gab. Diese war im Sommer in der Türkei in den Ferien gewesen und nahm aus ihrer Heimat Gurken mit. Der Küchenabfall landete bei Erika Seith und erwachte zu neuem Leben. Die Gurken gediehen prächtig, und Seith erntete auch die Samen. Diese verschenkte sie an Nachbarn und gab auch welche an ihre Tochter ab. So kam die türkische Gurke nach Bözberg.

 

Zollinger verkauft die Samen

Vor vier Jahren schickte Monika Seith der Bio-Samengärtnerei Zollinger ein paar Samen, weil diese auf der Suche nach alten Gurkensorten war, um ihr Sortiment zu erweitern. Sie hörte lange nichts mehr. Und als sie nachfragte, sagte man ihr, dass die Gurke bei einem Test hervorragend abgeschnitten habe. Mittlerweile wurde sie auch von ProSpecieRara geprüft. Experten umschrieben ihr Aroma mit «heuig, fruchtig, würzig und dezent holzig». Zollinger meldete die Gurke bei der Nationalen Datenbank für erhaltenswerte Sorten an. 

Monika Seith freute sich über den Bescheid, erschrak aber, weil man der Pflanze den Namen «Bözberger Dorfgurke» gab. Dabei habe sie damals doch im Brief geschrieben, dass sie die Samen von ihrer Mutter hatte und diese aus der Türkei stammen. «Der Name ist schön und gut, aber er stimmt nicht», so die Gärtnerin. Die Wahrheit sei ihr wichtig, deshalb habe sie Zollinger darum gebeten, den Namen zu ändern. Heute ist die Gurke unter dem Namen Antalya, synonym für Sorte Bözberger Dorfgurke, im Register der Nationalen Sortendatentenbank verzeichnet. Seit einem Jahr kann man die Samen bei Zollinger bestellen. Und so freut sich die Mutter von Monika Seith, dass ihre selbst gezogenen Pflänzchen den Weg in die Schweizer Gärten gefunden haben.  

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