«Die Welt ist klein und trifft sich in New York»

Audio | Die Musikerin Andromeda Anarchia (36) aus Untersiggenthal suchte den richtigen Nährboden für ihre Musik. In New York wurde sie fündig.

Andromeda Anarchia aus Untersiggenthal arbeitet in New York an verschiedenen musikalischen Projekten (Bilder: zVg | Derek Soto)

08. April 2020
09:00

Seit bald einem Jahr lebt die Sängerin, Songwriterin, Komponistin und Produzentin Andromeda Anarchia aus Untersiggenthal in New York City. Sie konnte aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen und Empfehlungen als Musikerin ein «Künstlervisum» für drei Jahre beantragen, welches sie 2019, nach einem Jahr Vorbereitung, erhalten hat. «Hier in New York habe ich die Möglichkeit, an neuen musikalischen Herausforderungen zu wachsen. Nirgends ist die Offenheit gegenüber verschiedensten Musikstilen und die Experimentierfreude so gross wie hier», erzählt die Musikerin via Skype. «Die Stadt ist ein Anziehungspunkt für internationale und hoch motivierte Musikschaffende.» Um in der Metropole weiterzukommen, müsse man allerdings flexibel sein. «Nichts ist vorhersehbar. New York hält für jeden Überraschungen bereit.» 

Musikalisch bewegt sich Andromeda Anarchia hauptsächlich in den eher frauenuntypischen Genres Metal-Jazz, Avantgarde Extreme Metal und Progressive Rock/Metal. «Gerade in diesen Musikstilen ist die Frauenquote sehr gering», meint die 36-Jährige. «Im Hotspot New York trifft man allerdings noch eher auf Musikerinnen, die sich ebenfalls für avantgardistische und experimentelle Musik interessieren als an anderen Orten. Es ist mir ein Anliegen mit meiner Tätigkeit, den ungewöhnlichen Mix aus teils sehr unterschiedlichen Musikstilen auszubauen und mich mit anderen gleichgesinnten Musikerinnen und Musikern auszutauschen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.» 

 

Erfüllung eines Traums

Mit ihrem eigenen Projekt «Darkmatters», welches beim französischen Label alter-nativ erschienen ist, wurde Andromeda Anarchia 2019 für die 17. Independent Music Awards nominiert. «Das freut mich sehr. Besonders weil die Debut-EP von ‹Darkmatters› die erste Aufnahme ist, die ich als Sängerin und Songwriterin selbstständig produziert habe», betont die Musikerin. Auch als Gastsängerin konnte sie bereits erfolgreich an diversen musikalischen Projekten mitwirken. 

2018 war sie Gastsängerin auf dem Album «Vile Luxury» der New Yorker Avantgarde-Black-Metal-Band Imperial Triumphant. Im Februar 2020 erschien das Album «Axiom» des New Yorker Metal-Jazz Trios Kilter. Auf den Tracks «Out of Kilter» und «Mover’s Acid» ist Andromeda Anarchia als Gastsängerin zu hören. «Es ist für mich eine grosse Ehre, mit diesen versierten Musikern aus der Avantgarde- und Metal-Jazz-Szene zusammenarbeiten zu können», erzählt die Sängerin. Namentlich sind das Laurent David (E-Bass), Ed Rosenberg III (Bass-Saxophon) und Kenny Grohowski (Schlagzeug). Als weiterer Gastmusiker ist Gitarrist Per Nilsson der international bekannten Metal-Band Meshuggah auf dem Album vertreten. «Für mich ging mit dieser Kooperation ein Traum in Erfüllung, weil die involvierten Musiker und ihre Bands seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingen gehören», freut sich Andromeda Anarchia. Zudem wurde das Album vom mehrfach mit dem Grammy ausgezeichneten Toningenieur Marc Urselli gemischt und co-produziert, der in Aarau geboren ist und in New York lebt. «Die Welt ist klein und trifft sich in New York», lacht die Musikerin.

Des Weiteren singt Andromeda Anarchia die Backing-Vocals auf dem neuen Track «Starlight» des französischen Jazzmusikers Thomas de Pourquery für dessen Pop-Projekt «Von Pourquery».

Für dieses Jahr sind noch weitere Album-Releases (insbesondere im Kontext «Extreme Metal») geplant, bei denen sich Andromeda Anarchia beteiligt. Für den 31. Juli ist das neue Album von Imperial Triumphant mit dem Titel «Alphaville» angekündigt, bei dem neben der Untersiggenthalerin unter anderem auch der Schlagzeuger von Meshuggah, Tomas Haake, mitwirkt. Gemischt wurde das Album von Colin Marston und produziert von Trey Spruance, Gitarrist von der Band Mr. Bungle. Aber auch auf dem neuen, für 2020 angekündigten Album des amerikanischen «Experimental Hip-Hop»-Künstlers Motionfix wird Andromeda Anarchia als Gastsängerin vertreten sein. «Mir gefällt es, die Genregrenzen zu sprengen und Neues auszuprobieren», sagt die Sängerin. 

 

Noch nie so ruhig wie jetzt

Auf die Frage, wie sie die Corona-Krise in New York erlebe, meint An­­dromeda Anarchia: «Die Strassen sind leer. Diese Stadt war wohl noch nie so ruhig wie jetzt gerade. Das ist schon komisch.» Auf ihre Tätigkeit habe die aktuelle Lage allerdings nur bedingt Einfluss. «Auch ohne Konzerte gibt es viel zu tun. Neben administrativen Aufgaben kümmere ich mich um andere Hintergrundaufgaben für meine Projekte und nehme mir Zeit, um neue Musik und Songtexte zu schreiben, Ideen auszuprobieren und an Details zu feilen.» Zudem lässt die engagierte Musikerin auch andere an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben. Sie gibt Gesangsunterricht per Livestream.

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