«Die Woche vor Halloween ist verrückt»

Der Ehrendinger Eichhof ist einer von drei Surbtaler Landwirtschaftsbetrieben, die sich am 15. September am Tag der offenen Hoftüren präsentieren. Die Vorbereitungen laufen schon seit Wochen.

Gestatten, Familie Grosswiler vom Eichhof in Ehrendingen: (von links) Josef senior, Heidi, Beatrice und Josef junior. (Bild: is)

von
Ilona Scherer

10. September 2019
08:20

Vo Buur zu Buur

Drei Landwirtschafts­betriebe aus dem Surbtal öffnen am Sonntag, 15. September, im Rahmen von «Vo Buur zu Buur» ihre Hoftüren und präsentieren ihre faszinierende Arbeitswelt mit Tieren, Pflanzen und Technik. Neben dem Eichhof (Ehrendingen) sind zwei Endinger Betriebe im Einsatz: der Loohof von Familie Hauenstein und der Früchtehof Keller. Die Höfe werden mit einem kostenfreien Postauto-Shuttlebus verbunden. Der Anlass dauert jeweils von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.vobuurzubuur.ag

Im Treppenhaus riecht es nach frischem Brot. Der Feuerofen in der Küche im ersten Stock läuft seit Stunden auf Hochtouren. «36 Bauernbrote habe ich schon gebacken, 72 mache ich insgesamt», sagt Heidi Grosswiler. Mit 86 Jahren ist die «Senior-Chefin» des Ehrendinger Eichhofs noch voll im Einsatz: Sie ist auch für die Herstellung von 40 Butterzöpfen zuständig. Die Backwaren kommen in den Tiefkühler – zu den 30 Torten, die Schwiegertochter Beatrice Grosswiler schon für das Dessertbuffet am 15. September eingefroren hat. Die Vorbereitungen auf den «Tag der offenen Hoftüren» laufen auf Hochtouren. 

Ab 9 Uhr ist das Brunchbuffet eröffnet, und die Grosswilers wollen für den zu erwartenden Ansturm gerüstet sein. Kommen 500 – oder eher 1500? «Das weiss man halt nie so genau, es hängt vom Wetter ab», erklärt Bauer Josef Grosswiler, der den Hof mit seiner Frau Beatrice in vierter Generation führt. Um Enttäuschungen am leeren Buffet zu vermeiden, steht im Flyer «first come, first serve».

 

Besucherrekord: 30 000 Leute! 

Ein rund 30-köpfiges Helferteam wird die Familie am grossen Tag unterstützen. Der Eichhof, der idyllisch auf einer Anhöhe zwischen Ehrendingen und Lengnau liegt, verfügt über viel Erfahrung mit Grossanlässen: Regelmässig finden hier Hof-Events statt – vom Geburtstagsfest bis zum Gruppen­event mit mehreren Hundert Personen. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2000: «Am Traktorfest hatten wir über die drei Tage total 30 000 Menschen auf dem Hof», erzählt Josef Grosswiler. Trotzdem zögerte er kurz, als die Anfrage vom Aargauer Bauernverband kam: «Ich gab zu bedenken, dass wir kein hochmoderner Betrieb seien. Und bekam zur Antwort, dass man eben genau so einen Hof suche.» Schliesslich macht die Familie auch mit, weil der Event eine Art Öffentlichkeitsarbeit sei: «Die Menschen sehen, wie ein Bauernhof funktioniert und was alles dahintersteckt.» 

Vor allem viel Arbeit. Der Eichhof betreibt Milchwirtschaft und Ackerbau. Im Stall stehen 28 Kühe und immer wieder Jungvieh. Auf rund 30 Hektaren Land werden Weizen, Gerste und Mais angebaut. Und Ende August, wenn alles andere geerntet ist, beginnt die Kürbiszeit – ein weiteres Standbein des Eichhofs. Die Nachfrage sei in den letzten Jahren enorm gestiegen, so Grosswiler. «Die Woche vor Halloween Ende Oktober ist die verrückteste des Jahres, da machen wir einen Drittel des Umsatzes!»

  • Familie Grosswiler auf ihrem Kürbis-Plätz mit einem fast 100 Kilo schweren Dills Atlantic Giant.(Bilder: is)

Rund 100 Sorten werden angebaut, zur Hälfte Speise- und Zierkürbisse. Um den 10. April wird in Torftöpfchen angesät. Einen Monat später werden die Setzlinge im Abstand von zwei auf zwei Meter in den 70 Aren grossen Kürbis-«Blätz» gesetzt. Ende August beginnt die Ernte, rund 50 Tonnen pro Saison. An zwei Verkaufsständen am Strassenrand im Dorf unten verkauft die Familie ihre bunten Gewächse in Selbstbedienung. Sind alle «Käufer» ehrlich? «Nicht alle», sagt Beatrice  Grosswiler. Den Dieben wünscht sie «Bauchweh beim Verzehr». 

Am Tag der offenen Hoftüren werden die Besucherinnen und Besucher natürlich in den Genuss einer hausgemachten Kürbissuppe kommen. Rund 100 Portionen friert sie in den kommenden Tagen in Beuteln ein. Das Rezept? «Das ist jedes Jahr ein anderes», schmunzelt Beatrice Grosswiler, «mal mit Curry, mal mit Gemüse – das entscheide ich erst noch.» Zudem gibt es am Bettag Wildbratwürste aus einheimischer Produktion sowie Raclette. 

Ab 10 Uhr beginnen die Aktivitäten mit Führungen durch Stall und Feld. Auf dem Kinderspielplatz stehen ein Dutzend Spiel-Traktoren sowie 200 Ballen Stroh bereit. Die Unterehrendinger Jäger warten mit Informationen über einheimisches Wild auf, und für die musikalische Unterhaltung sorgen die Jagdhornbläser Lengnauer Füchse und die Örgelifründe Lägeregruess. Der Ehrendinger Tierarzt Thorsten Hinze wird anhand eines Kuh-Modells die Folgen von Littering und an einer «echten» trächtigen Kuh Ultraschall demonstrieren. Traktor-Fans kommen in der Ausstellung auf ihre Kosten, wo nicht nur der älteste John Deere (1928), sondern auch das modernste Modell aus dem Mannheimer Werk zu bewundern ist. «Mit GPS und allen Finessen», so Bauer Grosswiler: «Die Entwicklung in 91 Jahren ist enorm.» Ohne modernste Technik ist auch ein traditioneller Hof heutzutage nicht mehr konkurrenzfähig.

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