Diese Firma hilft, Leben zu retten

Die Firma Samuel Werder AG Feinwerktechnik in Veltheim hat aus der Corona-Not eine Tugend gemacht und baut neu Teile für Beatmungsgeräte.

Feinwerktechnik aus Veltheim: Diese Maschinen laufen derzeit rund um die Uhr, sechs Tage die Woche, um Teile für Beatmungsgeräte herzustellen (Bild: zVg)

15. April 2020
11:00

Die derzeitige Corona-Krise stellt auch die Traditionsfirma aus dem Schenkenbergertal vor Herausforderungen, die sie seit bald einem halben Jahrhundert nicht mehr erlebt hat. Die Samuel Werder AG Feinwerktechnik in Veltheim stellt Präzisionsteile für Industrie und Medizin her. Diese Kombination machte sie prädestiniert dafür, ihr Know-how in der aktuellen Notsituation mit Nutzen für viele Beteiligte einzusetzen. 

Selbst Firmengründer Samuel Werder verstand die Welt nicht mehr. Und mit seinen 88 Jahren will das etwas heissen. «So etwas habe ich noch nie erlebt», lässt er sich auf der firmeneigenen Website zitieren. Der Patron ist überzeugt: «Sogar die Ölpreis-Krise in den 1970er-Jahren ist mit den Herausforderungen in der Corona-Krise nicht zu vergleichen!»

 

Lauter ungeklärte Fragen 

Als der Bundesrat am 16. März den schweizweiten Lockdown verordnete, sass die Geschäftsleitung der Samuel Werder AG im Grossraumbüro, schaute sich die Pressekonferenz auf einem Monitor an und war angesichts der tiefgreifenden Massnahmen wie paralysiert. «Wie weiter? Was hat das alles für Auswirkungen auf die Mitarbeitenden, auf die Firma, die Schweiz und die gesamte Weltwirtschaft? Die Köpfe rauchten vor lauter ungeklärten Fragen», lässt die Firma verlauten. Dann galt es, tief durchzuatmen, alle Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden zu ergreifen und die Produktion aufrechtzuerhalten. Die Auftragsbücher waren schliesslich bis zu Beginn der Corona-Krise gut gefüllt, obwohl der Bestellungseingang unmittelbar nachliess. 

 

Ventilkörper für Beatmungsgeräte

Am 31. März ging dann ein Anruf eines Kunden ein, so Raphael Vögtli, Kaufmännischer Geschäftsleiter der Samuel Werder AG. Der Kunde benötigte dringend Ventilkörper für Beatmungsgeräte. Am liebsten bereits gestern geliefert, so der Kundenwunsch. Pläne der herzustellenden Teile wurden gemailt, und der Vertrieb erarbeitete sofort ein Angebot. Die Zusage erfolgte 24 Stunden nach Eingang der Anfrage. Umgehend wurden die notwendigen Werkzeuge beim Lieferanten des Vertrauens bestellt und im Eiltempo zugestellt. Nach einer Video-konferenz mit dem Kunden und dessen endgültiger Startfreigabe  lief die Produktion an – gerade mal drei Tage nach dem Telefonanruf.

Später kamen laufend neue Anforderungen an die Teile hinzu, die in kürzester Frist umgesetzt werden. Bis Ostern lieferte die Samuel Werder AG die erste Serie der Präzisionsteile aus. Danach werden die Mitarbeitenden einige Wochen lang mit drei Maschinen hunderte von Teilen produzieren – rund um die Uhr, sechs Tage die Woche. 

 

Systemrelevanter Betrieb

Die Samuel Werder AG hat verschiedene Kunden, die im Medizinalbereich tätig sind. Deren Aufträge, die eigentlich auf einen späteren Zeitpunkt geplant waren, mussten aufgrund des dringenden Bedarfs vorgezogen werden. So werden nun parallel zum Ventilkörper für Beatmungsgeräte Klemmelemente für Spitalbetten, diverse Dreh- und Frästeile für ein Gerät, das die Lungenfunktion testet, Distanzhülsen für Beatmungsgeräte und Frästeile für ein Diagnosesystem für das Atemwegsmanagement produziert.

Aufgrund der Bedeutung der Firma stellte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) der Firma Samuel Werder AG am 7. April die «Bestätigung der Versorgungsrelevanz» aus. Bei der Samuel Werder AG handelt es sich also um einen zur Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen systemrelevanten Betrieb. Samuel Werder hatte vor bald fünfzig Jahren mit seiner Firma die Ölpreis-Krise gemeistert. Wie sich die Corona-Krise auf die Weltwirtschaft und die Gesellschaft insgesamt auswirken wird, weiss noch niemand. Die Firma scheint aber auch heute noch mit ihrem Erfolgsrezept gut zu fahren. Dieses lautet: präzis hergestellte Produkte, hohe Lieferbereitschaft sowie Flexibilität und Einsatzwille der Mitarbeitenden. An diesem Credo hält man fest – auch weiterhin.

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