«Diese Sportart eignet sich für alle!»

Angefangen hat Ruth Humbel mit dem Orientierungslaufen in ganz jungen Jahren. Schon bald gehörte sie zur nationalen und internationalen Elite.

Ruth Humbel Näf ist Mitglied der OL-Gruppe Cordoba Baden-Brugg-Zurzach, die den bevorstehenden Aargauer 3-Tage-OL organisiert (Bild: pb)

von
Peter Belart

08. August 2019
09:00

Sportliche Erfolge

Die Primarlehrerin und Juristin Ruth Humbel war langjährige Spitzenläuferin im Orientierungslauf und von 1975 bis 1987 Mitglied im Schweizer Nationalkader. Sie nahm an sieben Weltmeisterschaften teil und gewann dabei dreimal Bronze mit der Staffel. Fünf Mal war sie Schweizer Meisterin im Einzel-Orientierungslauf. 2010 gewann sie die OL-Weltmeisterschaft im Sprint und in der Langdistanz der Senioren (Kategorie W 50).

Aargauer 3-Tage-OL – Riniken und Brugg, 16. bis 18. August

Am Freitag, 16. August, fällt der Startschuss zum 35. Aargauer 3-Tage-OL. Von Freitag bis Sonntag bestreiten 600 Orientierungsläuferinnen und -läufer Wettkämpfe in der Region Brugg. Es messen sich Breiten- und Familiensportler aus der ganzen Schweiz. Der Aargauer 3-Tage-OL wird zum fünften Mal von der OL-Gruppe Cordoba organisiert.
Ein Fokus liegt darin, einem interessierten Publikum die vielseitige Sportart schmackhaft zu machen. Dazu führt am Samstag der Aargauer OL-Verband parallel zu den Wettkämpfen den «Family O Day» durch. Zu diesem sind alle Interessierten – jung, alt, gross, klein – eingeladen, familien- und stufengerecht OL-Luft zu schnuppern. Für kurzentschlossene Erwachsene, Familien, Gruppen und Kinder besteht an allen drei Tagen eine Startmöglichkeit auf einfachen Strecken. Interessierte melden sich bei der Informationsstelle in der Riniker Schulanlage. Hier befindet sich das Wettkampfzentrum mit einer Festbeiz und einem improvisierten Zeltplatz. Am Sonntag, 18. August, kann man sich direkt beim City-OL auch für die Kategorie «Offen Kurz» in der Schulanlage Freudenstein anmelden; man muss nicht extra ins WKZ nach Riniken.
Der Aargauer 3-Tage-OL bietet für jedermann die perfekte Gelegenheit, die Sommerferien mit einem sportlichen Abenteuer ausklingen zu lassen.

Weitere Informationen: www.3days.ch

Frau Humbel, wie und wann kamen Sie zum OL-Sport?

Das war 1971. «Schuld» daran war mein Onkel Beda Humbel. Er wusste, dass ich als Läuferin eine gute Ausdauer hatte, und da ermunterte er mich, zusammen mit meinem Bruder, doch mal an einem OL teilzunehmen.

 
War es für Sie von allem Anfang an ein Genuss?

Nicht nur! Anfänglich bereitete mir zwar das Laufen im Wald grosse Freude, aber das Kartenlesen beherrschte ich noch keineswegs. Da blieb Frust nicht aus, wenn ich die Posten einfach nicht finden konnte. Die positiven Emotionen überwogen aber immer: bis anhin unbekannte Gegenden kennenlernen, die Natur erleben, das geografische Verständnis vertiefen.

 

Welche positiven Eigenschaften brachten Sie für diesen Sport mit?

Läuferisch bin ich wohl ziemlich gut; Ausdauersport liegt mir definitiv. Aber die Vorstellung, in einem Stadion viele Runden zu absolvieren, übte keinerlei Reiz auf mich aus. Das Laufen im Gelände, das einen zusätzlich mental und geistig fordert, lag mir immer viel näher. Dazu kommt mein Ehrgeiz: Ich wollte unbedingt lernen, die Karten besser zu verstehen, und nach Niederlagen rappelte ich mich immer wieder auf und versuchte, daraus zu lernen. Ehrgeiz braucht es einfach. Schliesslich kommt der OL als Einzelsportart meinem Naturell entgegen und auch meinen Trainingsmöglichkeiten. Mein beruflicher und familiärer Alltag verhindert ein regelmässiges Training, das für Mannschaftssportarten unumgänglich ist.

 

Gab es zu Beginn auch Schwächen?

Wie erwähnt, musste ich mir das Kartenlesen zuerst einmal aneignen. Mein Selbstbewusstsein litt jeweils erheblich, wenn ich die Posten nicht finden konnte.

 

Worin besteht für Sie der Hauptreiz des Orientierungslaufens?

Da ist die Lust am Laufen, kombiniert mit der Orientierung in ganz unterschiedlichen Geländetypen: in den Wäldern des Mittellandes, im Gebirge, im Jura. Da ist ganz generell die Freude an der Natur, am Naturerlebnis. Und da ist der soziale Aspekt: Der Orientierungslauf ist ein Mehr-Generationen-Sport. Das gemeinsame Erleben, der Austausch mit andern Läuferinnen und Läufern, die unverkrampfte Begegnung mit gleichgesinnten Menschen.

 

Was hat Ihnen persönlich der OL-Sport gegeben?

Lebensqualität in mancherlei Hinsicht. Umgang mit Niederlagen, Fehler reflektieren, weitermachen. Ausdauer im doppelten Sinn des Wortes: körperlich und mental. Ich habe vieles gelernt, das ich auch auf mein politisches Engagement übertragen kann. So zum Beispiel die Erkenntnis, dass der kürzeste Weg nicht immer der schnellste, der zielführendste ist.

  

«Sport ist eine Lebensschule»: mehr als eine Floskel?

Ja, es ist einfach so! Man lernt im Sport, sich zu konzentrieren. Man lernt, beharrlich dran zu bleiben. Man lernt Disziplin, auch Unterordnung, zum Beispiel unter ein Trainingsprogramm. Man lernt, Prioritäten zu setzen, seine Kräfte zu bündeln. Und das alles im Wissen, dass man auch scheitern kann.

 

Aber nur einer kann gewinnen. Die andern sind enttäuscht. Die Freude und der Stolz des Siegers bauen auf den Frust der Verlierer. Was sagen Sie dazu?

Wer Sport betreibt, weiss, worauf er sich da einlässt. Man sucht ja nicht nur den Vergleich zu der Konkurrenz, sondern in erster Linie zu sich selbst, zu der eigenen Leistung. Auch als Verlierer kann man stolz auf eine erbrachte Leistung sein und Freude am Naturerlebnis empfinden. Irgendwann taucht aber wohl in jeder Sportlerin und in jedem Sportler der Wunsch auf, sich mit andern zu messen.

 

Manche Sportarten haben Nachwuchsprobleme. Trifft das auch auf den Orientierungslauf zu?

Nein, glücklicherweise nicht. Gründe dafür sind die Spitzenresultate unserer Top-Läuferinnen und -Läufer. Das weckt Interesse und motiviert die Jugendlichen. Dazu kommen die jahrelangen Bemühungen der OL-Clubs, etwa im Bereich Schulsport.

 
Warum sollen sich Jugendliche dem OL-Sport zuwenden und nicht dem Modellbau oder dem Klavierspiel?

(lacht) Das Eine schliesst ja das Andere nicht aus. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass sich Jugendliche in ihrer Freizeit bewegen und nicht nur zu Hause herumsitzen. Das Schöne am OL ist neben dem Naturerlebnis auch der Umstand, dass man – besonders als Anfänger – nicht im «Schaufenster» steht, sondern sich den Aufgaben ganz allein stellt, sozusagen im Verborgenen. In der heutigen Zeit hat auch der gesellschaftliche Aspekt eine wichtige Bedeutung. Und natürlich die Stärkung der Gesundheit.

 
Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

Freude an der Bewegung in der Natur. Das ist alles. Wer ein Paar Turnschuhe und einen Kompass besitzt, ist bereits gerüstet für den OL. Dieser Sport eignet sich für Alte ebenso wie für Junge, für Menschen mit den unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen.

 
Vom 16.–18. August findet in Riniken und Brugg der Aargauer 3-Tage-OL statt. Sind Sie dabei?

Ja klar. Als Mitglied des organisierenden Vereins werde ich aber am Wettkampf nicht teilnehmen. Ich fungiere jedoch als Gästebetreuerin. Und wenn irgendwo Hilfe benötigt wird, bin ich auch «da».

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