Dorf AG soll den Dorfladen retten

Um den Neubau mit Dorfladen im Zentrum umsetzen zu können, gehen die Gemeinde und die Genossenschaft Dorfladen Freienwil neue Wege.

Trix Feuerstein (Genossenschaft), Gaudenz Schärer (Gemeinderat), Cornelia Schmid (Genossenschaft) und Immobilien­ökonom Adrian Rehmann vor der Scheune, die dem Neubau mit Dorfladen weichen soll. (Bild: is)

18. Februar 2021
10:35

Der Dorfladen wird seit 2004 von Pächterin Doris Steimer in einem Container-Provisorium betrieben, das der Gemeinde gehört. Wegen veralteter Geräte und schlechter Isolierung steigen die Betriebskosten seither kontinuierlich und sind unverhältnismässig hoch. Um einen Neubau mit Wohnungen zu ermöglichen und damit das Weiterbestehen des Dorfladens zu sichern, haben sich die Gemeinde Freienwil und die Genossenschaft Dorfladen Freienwil für einen unkonventionellen Weg entschieden: Sie gründen zusammen mit weiteren «dorfnahen Personen» eine Aktiengesellschaft (AG). Dies geben der Gemeinderat und die Genossenschaft auf einem Flyer bekannt, der heute Donnerstag in alle Haushaltungen verteilt wird. Der Name der gemeinnützigen AG ist noch nicht bestimmt, im Konzept heisst sie «Dorf AG Freienwil».

Zur Vorgeschichte: Ursprünglich sollte der neue Dorfladen bereits 2017 eingeweiht werden. Eine Projektstudie hatte das Ehrendinger Architekturbüro Thomsen und Ludwig 2015 ­erstellt. Dieses sah neben dem Dorf­laden mit Cafeteria und Postagentur mehrere kleine Wohneinheiten vor. Das Gebäude ist via Dorfstrasse erschlossen. Weil der Neubau jedoch Teil des Gestaltungsplans Mitte ist, gegen den knapp dreissig Einwendungen eingegangen waren, verzögerte sich das Projekt. Nach zwei Mitwirkungsverfahren erteilte der Kanton im September 2019 grünes Licht für den Gestaltungsplan. 

Damit bestand für die Genossenschaft zwar Rechtssicherheit – trotzdem ist es ihr seither nicht gelungen, die Finanzierung von 2,7 bis 2,8 Millionen Franken zu sichern. «Der Vorstand hat sich deshalb im Sommer 2020 auf der Suche nach Finanzierungspartnern an die Gemeinde gewandt», erklärt Gemeinderat Gaudenz Schärer, der auch Projektleiter der «Dorf AG» ist. 

 

Drei Modelle geprüft

Für den Gemeinderat stehe ausser Frage, dass der Dorfladen erhalten werden muss, so Schärer. Klar sei jedoch auch, dass dies nur mit Einbettung in den regionalen Kontext erfolgreich sei. Auf der Suche nach einer möglichen Lösung mit entsprechender Organisationsform prüfte man drei Varianten. Verworfen wurde diejenige mit der Gemeinde als Bauherrin und Eigentümerin, da dies zu neuen Gemeindeaufgaben führen und die Entscheidungsprozesse verlangsamen würde. Auch Variante zwei mit der Gemeinde als Bauherrin, Eigentümerin des Erdgeschosses und dem Verkauf der oberen Stockwerkeinheiten erwies sich als nicht ideal. Zudem darf sich die Verschuldung der Gemeinde nicht erhöhen. 

Das nun vorliegende Konzept wurde von externen Fachleuten, darunter Immobilienökonom Adrian Rehmann, entwickelt und vom Rechtsdienst der Gemeindeabteilung des Kantons geprüft. Die Dorf AG ist so konstruiert, dass die Gemeinde mit einer Beteiligung von voraussichtlich einem Drittel am Aktienkapital die Mehrheit der Stimmen innehat. Dies sei sinnvoll, da die Kreditfähigkeit der Gemeinde für eine günstige Finanzierung sorge. «Zudem kann so sichergestellt werden, dass das übergeordnete Interesse der Bevölkerung an einem Dorfladen überwiegt und keinen Privatinteressen untergeordnet wird», erklärt Schärer. Zwei Drittel des Kapitals stammen von der Genossenschaft und «dorfnahen» Aktionären, die damit eine sichere und sinnvolle Anlagemöglichkeit mit angemessener Rendite erhalten. 

Die Verschuldung der Gemeinde nimmt damit nicht zu: AG-Anteile sind als Beteiligung im Finanzvermögen der Gemeinde ausweisbar. Wichtig ist den AG-Beteiligten auch die breite Abstützung: «Es muss ein Dorfprojekt sein.» 

Im Jahr 2024 soll der Dorfladen Freienwil in den Neubau ziehen. (Bild: Archiv | is)

 

Günstigere Bau- und Betriebskosten

Zudem kann die AG günstiger bauen als eine Gemeinde, da sie nicht denselben Ausschreibungsvorschriften unterliegt. «Niedrigere Kosten bedeuten in der Regel auch faire Mietzinsen», so Schärer. Für die Verwaltung und Vermietung ist ebenfalls die AG zuständig. Den Aktionärinnen und Aktionären wird eine massvolle Verzinsung ihrer Investition geboten. Die weiteren Überschüsse verbleiben in der Gesellschaft. Schärer: «Damit könnten Reserven aufgebaut werden für periodische Instandsetzungen oder Erneuerungen, aber auch für weitere wichtige Infrastrukturprojekte im Dorf.» 

Das Konzept hat der Gemeinderat im Dezember dem Vorstand der Genossenschaft Dorfladen präsentiert. Diese reagierte erleichtert: «Wir sind der Gemeinde sehr dankbar, dass sie sich so für den Dorfladen einsetzt», erklären Cornelia Schmid und Mira Hartmann vom Vorstand der Genossenschaft: «Das ist die Chance, das Projekt nach so vielen Jahren endlich zu realisieren.» Die Beteiligung der Gemeinde muss von der Bevölkerung genehmigt werden. In den kommenden Wochen will die Projektgruppe die Feinplanung angehen und eine Vorlage für die Sommer-Gemeindeversammlung im Juni vorbereiten. Auf der Website freienwil.ch werden laufend Informationen publiziert. Parallel werden Aktionäre gesucht. 

Die Genossenschaft wird ihren Mitgliedern an der GV im März oder April beantragen, die Beteiligung an der gemeinnützigen AG zu beschliessen. «Wenn alle Ja zur Dorf AG sagen, können wir die Gründung durchführen», so Schärer. Und wenn der Zeitplan eingehalten werden kann, soll die Eröffnung des neuen Dorfladens 2024 stattfinden.

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