Dorfjugend sucht eine neue Bleibe

Die Gemeinde Neuenhof zog den Kreditantrag für einen Neubau des Jugendraums im Dorfzentrum im Vorfeld zurück – was aber durchaus positiv sein kann. 

Provisorium: Die Villa Ermitage (l.), zu welcher der Jugendraum gehört, soll demnächst verkauft werden (Bild: is)

von
Ilona Scherer

28. November 2019
09:00

Die Realisierung eines Jugendraums im Zentrum von Neuenhof ist ein ­Legislaturziel des Gemeinderats für 2018/2019. Denn der bisherige Raum bei der Villa Ermitage in der Siedlung Webermühle ist nur ein Provisorium. Die Gemeinde möchte die Liegenschaft in absehbarer Zeit verkaufen. Zudem ist der Standort ungünstig: Die Webermühle liegt ausserhalb des ­Dorfes. «Der Jugendraum wird fast nur von einigen Jungs besucht», beobachten die Jugendarbeiter Nathalie Jaworski und David Wullschleger: «Mädchen meiden in der Dunkelheit den Weg von der Bushaltestelle zum Gebäude.» Zudem sind die Räumlichkeiten zu klein für den Jugendtreff. Mehr als zehn Jugendliche kommen selten an die Jugendtreffs am Mittwochnachmittag (15 bis 18 Uhr) oder Freitagabend (19 bis 23 Uhr). 

 

Auf dem Kinder­garten-Areal

Eine Lösung war eigentlich schon parat. Auf dem Areal des ehemaligen Kindergartens Hard nahe des Schul­areals sollte ein neuer Jugendraum im flexiblen Modulbau-System erbaut werden. Der Pavillonbau aus den 60er-Jahren ist wegen Schadstoff­belastung schon länger geschlossen. An der Einwohnergemeindeversammlung vom Montagabend wollte der Gemeinderat einen Kredit über eine Million Franken für den Rückbau des ­Kindergartens sowie der Schulhäuser Pavillon 1+2 unterbreiten (Traktandum 4). Gleichzeitig wäre ein Kredit über 457'000 Franken für den Bau eines neuen Jugendraums auf diesem Areal beantragt worden (Traktandum 5). Doch wenige Tage vorher zog der Gemeinderat beide Traktanden zurück. Die Begründung: «Nach Rücksprache mit der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission kommt der Gemeinderat zum Schluss, dass die beiden Geschäfte einer erneuten Überprüfung unterzogen werden und nicht zur Beschlussfassung unterbreitet werden sollen», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung vom 19. November. Er möchte aber klar betonen, dass dieses Legislaturziel nach wie vor als wichtig erachtet werde. 

Konkret bedeutet das, dass weitere Optionen geprüft werden sollen. Für die Jugendarbeiter ist die Absetzung der Traktanden deshalb kein Rückschlag: «Wenn nun eine bestehende Räumlichkeit gefunden wird, können wir vielleicht sogar schon früher umziehen», hoffen Nathalie Jaworski und David Wullschleger. Der Gemeinderat will das weitere Vorgehen in den nächsten Wochen beschliessen.

 

Sparen dank der Jugendarbeit 

Neuenhof hat überdurchschnittlich viele Jugendliche, und die Jungen haben ihren Wunsch nach einem neuen Raum auch mit einer Unterschriftenaktion deutlich gemacht. «Es sind engagierte Jugendliche, die etwas machen wollen», loben die Jugendarbeiter: «Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn man ihnen die Chance dazu gibt.» Und sie beruhigen mögliche Anwohner des neuen Standorts: «Die Sportnacht, die im Winter regelmässig stattfindet, ist mit 75 Jugendlichen stets gut besucht, und wir hatten noch nie Probleme.» Zudem betonen sie, dass die Nachtruhe strikt eingehalten werde. Die Regeln im Jugendtreff sind klar: «Gegenseitiger Respekt, keine Gewalt, kein Alkohol, und Rauchen ist nur draussen gestattet.» Die Jugendarbeit Neuenhof ist vor allem präventiv im Einsatz mit dem Ziel, dass Jugendliche auf dem richtigen Weg bleiben und als Erwachsene nicht in die Sozialhilfe abrutschen. Nathalie Jaworski und David Wullschleger sind überzeugt: «Die Gemeinde kann dank uns sogar Sozialkosten sparen.» Es lohnt sich also, in einen Jugendraum zu investieren.

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