Dorforiginal als Botschafter

Spannend, aber sehr zeitaufwendig. Claudio Eckmann aus Ehrendingen machte bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» mit und zeigt sein Dorf der ganzen Schweiz.

Gespannt hören die Gäste den Ausführungen von Claudio Eckmann zu (Bild: av)

von
Adrian Vonlanthen

05. Dezember 2018
11:05

Es ist ein lauer Oktobermorgen. Seit die Nacht dem Tag gewichen ist, versucht die Sonne die dichte, graue Wolkendecke zu durchbrechen. Ein Mann in den Dreissigern hat seine Kamera geschultert. Hoch über Ehrendingen zeigt die Linse auf einen Feldweg. Hinter ihm steht ein weiterer Mitarbeiter der Filmcrew, der mit Kopfhörer und mobilem Mischpult Einstellungen für den idealen Ton vornimmt. Daneben drängen sich an diesem Morgen weitere Personen auf dem Feldweg, während ihnen gegenüber die fünf Protagonisten langsam in Richtung Kamera bewegen. Die Filmcrew dreht für die neue SRF-TV-Serie «Mini Schwiiz, dini Schwiiz».

Unter den Protagonisten ist Claudio Eckmann. Der selbständige Maurer, der nebenbei als freier Mitarbeiter für «e-journal» tätig ist, lebt seit 37 Jahren in Ehrendingen und fungierte bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» als Botschafter für das Dorf. Nach einem Telefoncasting folgte ein Videocasting, bevor der 66-Jährige für die Serie ausgewählt wurde. Eine gute Wahl, denn Claudio Eckmann ist ein echtes Dorforiginal. Der ehemalige Gemeinderat war bereits vielfach im Dorf aktiv, zum Beispiel 30 Jahre lang in der Feuerwehr. An manchem Dorffest war er engagiert, war zwölf Jahre lang Mitherausgeber einer Dorfzeitung und in verschiedenen Kommissionen tätig. Aktuell beteiligt er sich als Mitglied der Kulturkommission aktiv am Dorfleben. Seine Wohngemeinde derart gut zu kennen, war im Zusammenhang mit dem TV-Projekt aber nicht nur Segen allein. «Wir haben sehr viele und sehr verschiedenartige, attraktive Sehenswürdigkeiten. Dementsprechend schwierig war es, eine Auswahl der Orte zu treffen, die ich mit meinen Gästen besuchen wollte», erzählt der Ehrendinger. Die neue SRF-Serie lehnt an das beliebte Fernsehformat «Mini Beiz, dini Beiz» an, in dem die Protagonisten ihre Lieblingsrestaurants vorstellen. Jeder gibt nach dem Besuch eine Bewertung ab, am Schluss wird das beste Restaurant auserkoren. Bei der neuen Variante werden nicht Restaurants, sondern Dörfer und Städte benotet. Die Teilnehmenden stellen ihren Wohnort vor, in dem sie die Gäste an verschiedene Orte führen, ihre Heimat vorstellen und aktiv erleben lassen.

 

Von der Sage bis zum Musik­festival

In Ehrendingen führte Claudio Eckmann seine Gäste zum Heidewiibliloch und erzählte vor Ort die traditionelle Ehrendinger Sage und ging auf die Natur und Geologie ein. Im Restaurant zur Heimat, das mit seinen 14 Gault-Millau-Punkten über die Dorfgrenze hinaus Bekanntheit erlangte, bereiteten die Teilnehmer eine Vorspeise zu, bevor sie Bekanntschaft machten mit dem Organisationskomitee des lokalen Musikfestivals «Festival des Arcs». Der Ehrendinger Botschafter hat seine Auswahl der Stationen sehr bewusst ausgewählt. «Ich wollte Traditionelles, aber auch Aktuelles zeigen. Gleichzeitig war mir wichtig, nicht alles vorwegzunehmen. Die Leute sollen animiert werden, das Dorf selbst zu besuchen», erklärt der Ehrendinger Botschafter.

Das Urteil der Fernsehzuschauer steht noch aus. Dasjenige seiner Gäste fiel zumindest schon mal positiv aus. «Ehrendingen ist sehr gut angekommen», freut sich Claudio Eckmann. Positiv bleibt dem Ehrendinger auch die Chemie unter den Protagonisten in Erinnerung. Sie hätten sich auf Anhieb alle sehr gut verstanden. So gut, dass sich die Gruppe im Januar erneut trifft. Im Restaurant zur Heimat in Ehrendingen. Dem Siegerort? Mitte Mai 2019 wird das Geheimnis gelüftet. Dann flimmert die Serienfolge von Ehrendingen über die Schweizer TV-Bildschirme.

Für Claudio Eckmann waren die Dreharbeiten zur neuen SRF-Serie eine Premiere. Entsprechend gross war die Anspannung. Als langjähriges Mitglied der Kulturkommission ist er sich zwar gewohnt, vor versammeltem Publikum eine Rede zu halten. Sich bei den Dreharbeiten aber bewusst zu sein, dass dies bald über 200'000 Menschen zu sehen bekommen, war etwas anderes. «Vor allem beim eigenen Auftritt war ich schon sehr nervös», erinnert sich der Ehrendinger und fügt an: «Da war schon Druck da, zu wissen, dass ich nun Ehrendingen als Botschafter in der ganzen Schweiz vertrete.»

 

Unter Hochspannung

Trotz den schönen Momenten, die von «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» in Erinnerung bleiben werden, bereitete das Projekt Claudio Eckmann viel Aufwand. Diesen habe er unterschätzt. Nicht nur die Vorbereitung, um ein attraktives Programm für die Besichtigung zusammenzustellen, sondern insbesondere die fünftägigen Dreharbeiten verlangten einiges ab. «Ich war eine Woche unter Hochspannung», beschreibt der Ehrendinger die Drehzeit. «Man musste auch voll dabei sein, wenn man nicht vor der Kamera sprach, weil man seine Bewertung zum Schluss ja auch begründen musste.» Trotz Anspannung und Aufwand würde Claudio Eckmann wieder bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» mitmachen. Nicht zuletzt weil es ihn auch stolz gemacht habe, «sein» Dorf präsentieren zu dürfen.

 

Mini Schwiiz, dini Schwiiz

Ab dem 7. Januar läuft die neue TV-Serie jeweils um 18.15 Uhr auf SRF 1. Die Staffel in der Region Aargau, in der neben Ehrendingen auch in Beinwil am See, Aarau, Laufenburg und Hottwil gedreht wurde, soll vom 13. bis 17. Mai ausgestrahlt werden. Die Folge von Ehrendingen ist am Dienstag, 14. Mai, geplant.

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