Dürrenmatt und die explodierenden Sterne

Supernovae haben eine immense Kraft. Was Friedrich Dürrenmatt daran fasziniert hat, steht im Zentrum einer Debatte im Schloss Kasteln.

Bild von Friedrich Dürrenmatt: Turmbau IV, vor dem Sturz
Bild von Friedrich Dürrenmatt: Turmbau IV, vor dem Sturz (Bild: zVg)

von
Annegret Ruoff

02. Mai 2018
09:30

Dürrenmatt und die Supernovae

Der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt hat sich zeitlebens für astronomische Bilder interessiert. Anhand der Beziehungen zwischen dem Werk und den Entdeckungen des Astronomen Fritz Zwicky fragen der Literaturwissenschaftler Ruedi Käser und der Astronom Hans Martin Schmid nach der Geschichte und der Bedeutung kosmologischer Bildvorstellungen in Wissenschaft, Kunst und Medien.


Freitag, 4. Mai, 20 Uhr
Schloss Kasteln, Oberflachs
www.grundschinznach.ch 

Astrophysiker Hans Martin Schmid wohnt in Schinznach-Dorf, Literaturwissenschaftler Ruedi Käser in Thalheim. Am kommenden Samstag debat­­tieren die beiden Experten im Schloss Kasteln über die Supernovae und das Werk von Friedrich Dürrenmatt. Die Sternexplosionen haben sowohl das literarische als auch das malerische Werk des bekannten Schweizer Schriftstellers geprägt. 

 

Schöpferische Dimension

Hans Martin Schmid ist ein bekennender Leser von Dürrenmatts Werk. «Ich liebe besonders die Essays und Reden des Schriftstellers», sagt er. «Und ich bin immer wieder begeistert von seinen originellen Gedanken und seinen oft pointierten Vorstellungen.» Als Kenner von Dürrenmatts Werk möchte er sich jedoch nicht verstanden wissen. 

Was hingegen das Phänomen der Supernovae angeht, ist Hans Martin Schmid ein bewanderter Experte. Begegnet ist er den explodierenden Sternen zum ersten Mal während seines Physikstudiums im Fach Astrophysik. «Supernovae gehören zu den hellsten Quellen im Universum. Sie können deshalb auch noch in einer unvorstellbaren Entfernung von Milliarden Lichtjahren beobachtet werden», begeistert sich Hans Martin Schmid. Die  Kraft der Supernovae hat es dem Astrophysiker angetan. Auch wenn diese  diese für uns nicht bedrohlich sei, hätte sie doch eine zerstörerische Dimension, die reichen würde, um die Erde auszulöschen. «Als explodierende Sterne können Supernovae eine riesige Umgebung in einen Feuerball verwandeln», erklärt Hans Martin Schmid. Diese Kraft stehe nur speziellen Sternen zu. Die Sonne beispielsweise sei dazu nicht fähig. «Sie wird nie expolodieren können.» 

Trotz dieses Gewaltpotenzials betont Hans Martin Schmid auch das schöpferische Element der Supernovae. «Bei deren Explosion werden durch Kernfusionsreaktionen praktisch alle schweren Stoffe erzeugt, aus denen unsere Erde und wir bestehen», erklärt er. Ohne sie kämen praktisch nur die leichten Gase Wasserstoff und Helium im Universum vor. «Damit aber gäbe es keine Gesteinsplatten und kein Leben», so der Astrophysiker aus Schinznach-Dorf. 

 

Kosmische Dimension

Die Astronomie fasziniert auch Ruedi Käser. Er ist jedoch erst durch die Beschäftigung mit dem Werk von Friedrich Dürrenmatt darauf gestossen, auf dem Umweg über dessen literarische Gleichnisse. Mit den Supernovae kam Käser als Gymnasiast in Kontakt. Damals sah er im Berner Ateliertheater das Drama «Porträt eines Planeten». «Seither ist mir immer bewusst, dass es diese kosmische Dimension der Evolution gibt, die alles Irdische überspannt und relativiert», so der Literaturwissenschaftler. 

Friedrich Dürrenmatt habe an der Astronomie wohl die «andere Dimension» interessiert, so vermutet Ruedi Käser. Damit meine er «die schier unendlich grossen Distanzen, Zeiten und Energien». Kosmische Evolution setze einen ganz anderen Massstab als den menschlich-alltäglichen, betont der Experte. Es gehe dabei um ein Denken in mehreren Bezugssystemen. «Was in einem bestimmten Bezugsrahmen eine Katastrophe zu sein scheint, kann in einem anderen Bezugssystem einen Neubeginn darstellen.»

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