Ein Dorf ist traurig und dankbar

Mandach nahm Abschied vom früheren Genossenschaftsverwalter, Gemeindeammann und Bezirksrichter Hansueli Vogt.

Hansueli Vogt (Bild: zVg)

von
Hans-Peter Widmer

15. August 2019
09:00

Am Hohen Tor in Danzig steht: «Sehr weislich geschieht alles, was für das Gemeinwohl geschieht.» Hansueli Vogt las den Spruch nie selber – aber er hat ihn gelebt. Durch sein Wesen und Wirken war er ein Vorbild für Gemeinsinn, Umgänglichkeit und Zuverlässigkeit. Zwar begrenzte das Schicksal sein Tätigkeitsfeld, nicht aber seinen wachen, offenen Geist. Die Umstände hinderten ihn, zum weitgereisten Weltbürger zu werden, umso stärker fühlte er sich jedoch seiner unmittelbaren Umwelt verbunden. Davon profitierte vor allem die Gemeinde Mandach. 

Als 14-Jähriger verlor Hansueli Vogt den gelähmten Vater. Statt eines Studiums oder einer Berufslehre, die dem intelligenten Bezirksschüler offengestanden wären, half er daheim der Mutter, den Landwirtschaftsbetrieb weiterzuführen. So blieb er dem Dorf erhalten, umso mehr, als er die einheimische Ruth Keller heiratete. Zudem übertrug man ihm bereits in jungen Jahren Ämter wie das Feuerwehrkommando, weil er galt als gewissenhaft galt. 1966 wurde er zum Verwalter der Landwirtschaftlichen Genossenschaft gewählt. In Mandach war das neben dem Pfarramt die angesehenste Funktion. Hansueli Vogt versah sie 30 Jahre lang ohne ein einziges Jahresdefizit. Als Kellermeister in der höchstgelegenen aargauischen Rebgemeinde förderte er auch die einheimische Weinqualität.

1969 hielt der Kanton ein halbes Dutzend kleine Landgemeinden wie Mandach dazu an, ihre Gemeinderäte von drei auf fünf Mitglieder zu erhöhen. Weil die bisherigen Amtsinhaber demissionierten, brauchte es im Juradorf eine komplett neue Behörde. Auf Anhieb wurde Hansueli Vogt zum neuen Ammann gewählt. Er übte das Amt zwölf Jahre lang umsichtig und weitblickend aus. Deshalb übertrug man ihm auch Aufgaben ausserhalb des Dorfes, zum Beispiel als Mitglied der Kreisschulpflege Leuggern und ab 1981 für 16 Jahre als Brugger Bezirksrichter. 

Schicksalsschläge blieben Hans­ueli Vogt nicht erspart. Neben dem frühen Verlust seines Vaters trafen ihn der Freitod von Sohn Peter, einem der vier Kinder, sowie der rasche Hinschied der an Leukämie erkrankten Gattin und einer Enkelin. Er klagte nie, doch es wurde stiller um ihn. Angehörige und Dorfbewohner unterstützten ihn, damit er daheim bleiben konnte, bis die Verdämmerung die Selbstbestimmung verdrängte. Vier Tage vor dem 85. Geburtstag wurde er erlöst. An der Abdankung im voll­besetzten Mandacher Kirchlein gab Pfarrerin Noëmi Breda der Trauer und der Dankbarkeit der Dorfgemeinschaft gegenüber dem Verstorbenen Ausdruck, der Zusammengehörigkeit und Mitmenschlichkeit vorlebte.

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