Ein Dorf war in Trauer

Am 8. Januar jährte sich zum 25. Mal ein Helikopterunglück auf den Malediven, das eine junge Familie aus Villigen auslöschte.

Villigen (Bild: Archiv)

von
Hans-Peter Widmer

10. Januar 2019
09:00

Ein grosses Familiengrab auf dem Friedhof Rein erinnert an ein tragisches Ereignis vor 25 Jahren, das damals die Gemeinde Villigen und darüber hinaus viele Menschen aus dem Umfeld der Verstorbenen erschütterte. Am 8. Januar 1994 stürzte bei einer Ferieninsel in den Malediven ein Helikopter ab, wobei acht Erwachsene und ein Kind starben. Unter ihnen befanden sich sechs Familienmitglieder aus zwei aargauischen Gemüsebaubetrieben: der 30-jährige Roger Schwarz aus Villigen und seine Gattin Franziska, die seit vier Jahren miteinander verheiratet waren, mit ihrem anderthalbjährigen Sohn Dominic, die Schwiegereltern Kurt und Annemarie Rützler-Stutz aus Stetten sowie Rogers 29-jährige Schwester Jeannette Schwarz, die im Ferienparadies als Tauchlehrerin tätig war. Auf einem gemeinsamen Flug stürzte der Heli während heftiger Turbulenzen aus rund hundert Metern Höhe ins Meer. Den Absturz überlebten nur die beiden bulgarischen Piloten, die aus dem Cockpit springen konnten. Beim verunglückten Grosshelikopter handelte es sich um einen alten russischen Typ Mi-8. Zusammen mit den sechs Schweizern starben auch zwei Italiener und ein einheimischer Flugbegleiter. Das Wrack riss sie mit in die Tiefe, wo dieses rund 80 Meter unter dem Meeresspiegel liegen blieb. 

  

Grosse Anteilnahme in der Heimat 

Die Unglücksnachricht war ein Schock für Angehörige und Freunde, namentlich für das Elternpaar Max und Rosmarie Schwarz sowie für die Mitarbeitenden und Geschäftspartner der Max Schwarz AG, aber auch für die Gemeinde Villigen. Das ganze Dorf war in Trauer. Eintausend Menschen nahmen am 22. Januar 1994, einem Samstagvormittag, an der ökumenischen Abdankung teil. Die Kirche Rein war übervoll, die Feier wurde auch in die Turnhalle Rüfenach übertragen. Dass eine junge Familie auf so tragische Weise ausgelöscht wurde, dass Angehörige fassungslos in die Gräber ihrer Liebsten blicken mussten und sich anstelle der hoffnungsvollen nächsten Generation eine Lücke auftat, berührte auch die gros­se Trauergemeinde.

Worte des Gedenkens, abgestützt auf Hoffnungen des Glaubens, und musikalische Darbietungen prägten den Gottesdienst. Der vor Kurzem pensionierte Pfarrer Urs Klingler zitierte damals aus dem 39. Psalm Davids: «Zeige mir, wie kurz mein Leben ist». Die Musikgesellschaft Villigen spielte Choralstücke, und die Sopranistin Elisabeth Jaccod sang Volks­musiklieder und Gospelsongs. 

Die Zeit heilte langsam die Wunden. Anstelle seines verstorbenen Bruders Roger übernahm später Max Schwarz jun. die Leitung des Familien­unternehmens. 

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