Ein Echo der besonderen Art

Michael von der Heide hat sein Jubiläums-Album «Echo» veröffentlicht. Mit brandneuen und bekannten Songs verwöhnte er das Publikum.

Intime Atmosphäre: Michael von der Heide auf dem Rand der Schaukastenbühne im «Weissen Wind». (Bild: cd)

von
Dahl, Caroline

30. September 2021
08:20

Leichtfüssig sprang Michael von der Heide auf die kleine, aber feine Bühne, fast wie in ein Gemälde hinein. Denn die Bühne im historischen Saal des «Weissen Windes» in Freienwil sieht aus wie ein überdimensionaler Bilderrahmen. Dort gab der Chansonnier am 24. September ein wahrhaft malerisches Konzert vor ausverkauften Rängen. Mit seinem kürzlich erschienenen Jubiläums-Album «Echo» feiert der Liedermacher fünfzig Jahre Lebens- und dreissig Jahre Bühnenerfahrung. Er verzauberte zusammen mit seiner Band das Publikum vom ersten Song an: «In dieser Stadt» von Hildegard Knef. Im Verlaufe des Abends wurden den Konzertbesuchern Leckerbissen aus einem umfangreichen Repertoire aufgetischt: Lieder aus zwölf Alben, darunter bekannte, teils neu bearbeitete Stücke und natürlich brandneue Songs.


Ganz in seinem Element
Michael von der Heide wurde seinem Ruf als begnadeter Sänger und Entertainer vollends gerecht. Immer wieder bezog er die Zuhörer mit ein, wenn er seine schmissigen oder nachdenklichen Lieder sang und gar zum Mitpfeifen animierte. Dazwischen waren witzige Anekdoten eingestreut, die der weltgewandte Künstler aus seinem Leben zum Besten gab, und pfiffige Sprüche sorgten für Amüsement, wenn er spontan mit dem Publikum interagierte. «Wir sehen euch», sagte er einmal ins Halbdunkel des Saals, und das war wohl auch im übertragenen Sinn gemeint. Michael von der Heide spielte auf der Klaviatur der Gefühle, von Moll bis Dur, von ernst bis lustig und von romantisch bis komödiantisch. Gerahmt von der Bühne und flankiert von seiner vierköpfigen Band, die unüberhörbar gut aufeinander eingespielt ist, war der Troubadour ganz in seinem Element, und je länger das Konzert dauerte, umso mehr sprühte er vor Energie.


Ein neuer Stern
Seine Lieder singt von der Heide – dem es als einer der wenigen deutschsprachigen Schweizer Sänger gelang, den Röstigraben zu überbrücken – auf Deutsch, Französisch und «Schwiizerdütsch». Bereits sein erstes Album, «Michael von der Heide», das er 1996 vorlegte, verkaufte sich 15 000 Mal. Eine Westschweizer Zeitung titelte damals begeistert «une nouvelle étoile est née». Der vielseitig begabte Künstler steht auch regelmässig auf der Theaterbühne und vor der Filmkamera. Der Chansonnier und Komponist arbeitete unter anderem mit Autoren wie Corin Curschellas und Milena Moser zusammen, sang im Duett mit Kuno Lauener, dem Frontmann von Züri West, und an der Seite von Nina Hagen. Carla Bruni, Sina, DJ Antoine, Vera Kaa; er kennt sie alle und erzählte am Konzert auch kleine Episoden aus seiner Arbeit und aus der Welt der Stars.


«Leise»
Seiner Herkunft ist er immer treu geblieben. Er sei eben der «Michael aus Amden», betonte er mehrmals, wenn er nicht gerade berührende Lyrics und das beachtliche Spektrum seiner Singstimme präsentierte, das von Falsett über das Timbre seiner sonoren Bruststimme bis in die Vollklänge der tieferen Lagen reicht. Nach drei Wechseln des Bühnen-Outfits und zwei Zugaben, eine davon in Form eines Medleys, klang der Abend mit «Schönster Abigstärn» in einem A-capella-Solo aus. Michael von der Heide ist ein Meister der Töne, und in leisen Tönen zeigt sich sein Talent besonders deutlich. Für die Bühne des «Weissen Windes»gilt das Konzert bereits als der Höhepunkt ihres Kulturjahres – zu Recht. 

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