Ein Fluchtort vor den Erwachsenen

Unter dem Label «Small Room» treffen sich in der Region junge Menschen, um ihre Leidenschaft auszuleben: Kultur, Nightlife und Musik.

Sie sind Small Room: Steven Meier, Manuel Rausch, Elias Grüter und Mitgründer Manuel Muff (nicht mehr im Vorstand). (Bild: zVg | Blerta Azizi)

von
Eliah Brunner

12. Januar 2022
13:15

«Mit unseren Events wollen wir Leute zusammenbringen. Bei uns sollen sich Freunde, Freunde von Freunden und Unbekannte treffen und kennenlernen», erklärt Manuel Rausch. Der 25-Jährige bildet gemeinsam mit Elias Grüter (26) und Steven Meier (25) den Vorstand des Vereins Small Room in Wettingen, der eigentlich einfach ein grosser, durchmischter Freundeskreis ist. «Durch unsere kleinen Locations bleibt die Besucheranzahl einigermassen übersichtlich, und man kommt schnell mit neuen Leuten ins Gespräch. Es scheint manchmal wie eine überrannte Homeparty, nur dass sie nicht bei jemandem zu Hause stattfindet. Dadurch ist die Stimmung sehr ungezwungen und freudig.»


Ein Raum ganz für die Jugend
Der Small Room ist, wie es der Name sagt, ein kleiner Freizeitraum, in dem sich die Freunde seit Jahren treffen. Steven Meier und Manuel Rausch haben vor über fünf Jahren damit angefangen, ihr «Rüümli» zu gestalten, das sich irgendwo «im Underground» in Wettingen befinde. Rausch sagt: «Wir hatten das Verlangen, etwas Eigenes zu besitzen, wo uns kein ‹Erwachsener› vorschreibt, was wir machen müssen. Ein Fluchtort vor unseren Mamis und Papis.» In diesem
«Rüümli» haben die Freunde dann begonnen, Partys zu organisieren. Mit der Zeit haben sich immer mehr Leute dafür interessiert – und so entstand die Idee, die Partys auch extern zu organisieren, an Orten, an welchen mehr Gäste Platz haben. Zusammen mit Elias Grüter und Manuel Muff organisierten sie die erste Small-Room-Party 1.0 im Februar 2020 in der Zäni Bar in Baden. Grüter sagt: «Es machte richtig Spass, und es meldeten sich immer mehr Helfer. Also haben wir uns im Sommer 2020 entschieden, den Verein Small Room zu gründen.»

Der Verein besteht aus 23 Mitgliedern und dem dreiköpfigen Vorstand. «Mitglieder unseres Vereins sind hauptsächlich Freunde, mit denen wir schon in unserer Jugend viel um die Häuser gezogen sind, aber es sind auch neue Bekanntschaften dabei», sagt Grüter. Die meisten sind zwischen 25 und 30 Jahre alt.


Fünf Partys pro Jahr
Roman Fischer ist 26 Jahre alt und seit gut einem halben Jahr Mitglied: «Die Leute hier sind alles meine Freunde. Ich habe an zwei oder drei Partys mit ihnen gefeiert und dann beschlossen, dass ich ein Teil davon sein möchte. Mir gefällt der Grundgedanke, dass wir keine riesigen Kommerzpartys organisieren.»

Pro Jahr sind jeweils ungefähr fünf Partys geplant. Das sind nicht viele, und somit bleibt Platz für spontane Feste. «Wir haben 23 Mitglieder, da hat nicht jeder den gleichen Musik­geschmack. Die Partys teilen wir nach Interessen auf, jeder kann die Partys organisieren, die er will», erklärt Rausch. Auf eine bestimmte Zielgruppe hat es der Verein nicht abgesehen: «Hauptsache ist, dass jeder dabei sein kann, und das haben wir bisher geschafft», freut sich Grüter.

Die Partys sind nicht umsatzorientiert. «Wir wollen unseren Vibe nach aussen tragen. Wichtig ist nur eine gute Stimmung», sagt Meier. Der Eintritt ist meist gratis mit Kollekte, wenn es doch kostet, nur sehr wenig. Die Leute sollen möglichst günstig und zu einem fairen Preis Spass haben. Das Ziel ist, die Ausgaben mit den Getränkeverkäufen und der Kollekte decken zu können. Grüter sagt: «Wenn wir mit einer Party Gewinn machen, dann legen wir den beiseite, damit wir eine Reserve haben. Alle Einnahmen fliessen direkt in den Verein.»


Planung ist aktuell schwierig
Der Verein organisiert aber nicht nur Partys, er lädt seit Ende 2019 auch regelmässig DJs nach Wettingen ein, die im Small Room sogenannte Setblocks aufnehmen dürfen. «Diese Setblocks werden alle zwei Wochen im Zürcher Radiosender GDS.FM gespielt. Anschliessend laden wir sie zum Nachhören auf Soundcloud», erzählt Meier. «Damit wollen wir die Schweizer DJ-Kultur fördern.» In den letzten zwei Jahren waren in Wettingen rund fünfzig DJs aus der ganzen Schweiz zu Gast.

Wer Partys organisiert, hat es momentan schwer: «Das Schwierigste ist die Ungewissheit. Wir können schlecht planen, weil wir nicht wissen, ob nochmals ein Lockdown kommt, oder ob es plötzlich wieder Personenbeschränkungen gibt», sagt Grüter. Während des Lockdowns im Frühling 2020 haben sie Livestreams mit DJs organisiert, zum Beispiel aus einem Kinosaal im Trafo Baden. Meier meint: «Mit diesen Events konnten wir die Stimmung zu den Leuten ins Wohnzimmer bringen.» Im Grossen und Ganzen ist der Verein mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen – auch dank seinem Motto «Small but nice!».

Ein weiteres Projekt entstand im Herbst 2021: das Vinoteca Pop-Up am Badener Cordulaplatz. Der Small Room dekorierte das Lokal und organisierte die Musik, die Bodega Bar lieferte die Getränke. «Schwung und Leben in die Stadt Baden zu bringen, ist eines unserer Vereinsziele», sagt Rausch.

Im Gespräch spürt man, dass die drei Vorstandsmitglieder für diesen Verein brennen: «2022 wollen wir unvergessliche Partys schmeissen. Wir hoffen, dass wir unsere Events wie geplant durchführen können, trotz Pandemie. Unser Team ist motiviert, wir haben ein super Gefühl und freuen uns sehr auf das kommende Jahr», sind sich die drei einig.

Für das neue Jahr sind bereits zwei Events geplant: Am 29. Januar steigt die Small-Room-Party 6.0 in der Zäni-Cocktailbar in Baden, der «Homebase» des Vereins. Am 12. Februar folgt Glüeh-Vibes, eine Party, an der es selbst gemachten Glühwein gibt. Weitere Infos zu dieser Party werden demnächst unter www.smallroom.ch veröffentlicht.

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