Ein geselliger Chrampfer

Toni Burger kennt jeden im Dorf Freienwil, und jeder kennt ihn. An Auffahrt ist er als Gastgeber vom Buurezmorge jeweils voll in seinem Element.

Gastgeber mit Leib und Seele: Toni Burger, Präsident des Feuerwehrvereins Freienwil
Gastgeber mit Leib und Seele: Toni Burger, Präsident des Feuerwehrvereins Freienwil (Bild: zVg/Sabrina Pugliatti)

von
Ilona Scherer

19. Mai 2018
09:00

«Es gibt Leute im Dorf, die haben zwei Nachbarn und reden mit keinem von beiden. Ich habe 100 Nachbarn und verstehe mich mit allen gut.» Mit diesem flotten Spruch beschreibt sich Toni Burger, genannt «Spenglers Toni», gleich selbst. Der Landwirt ist ein Ortsbürger, ein Alteingesessener – aber die vielen Zugezogenen der letzten Jahre empfing der 62-Jährige mit offenen Armen. Seine Nachbarn aus den Reihenhäuschen gegenüber hatte er schon während der Bauzeit zum Buurezmorge eingeladen, die 19 Franken Eintritt – geschenkt. Schliesslich ist ihm bewusst, dass der Betrieb auf seinem Hof viel Toleranz von seiner Umgebung verlangt: «Aber ich versuche schon, die Silofräse nicht gerade am Sonntagmorgen laufen zu lassen.»  

 

64 Kühe und zwei Pferde

Seit 2007 führt der Feuerwehrverein auf dem Hof von Toni Burger und seiner Frau Astrid (58) an Auffahrt einen Brunch durch. Die Gäste kommen von weit herum. Auch bei schlechtem Wetter, wie dieses Jahr. Für Burger ist das kein Problem, denn als Landwirt schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Viel Sonne bedeutet zwar Betrieb bis in die Morgenstunden, aber Regen tut dem Boden gut. Toni Burger ist der grösste Bauer im Dorf. Total 64 Holsteiner, davon 38 Milchkühe, stehen im grosszügigen Stall. Jeden zweiten Tag holt Emmi rund 2000 Liter Milch auf seinem Hof ab. Die Holsteiner sind Burgers ganzer Stolz, er ist Präsident des Holstein-Zuchtverbands Surbtal und Vizepräsident des kantonalen Verbands. Auch zwei Pferde leben bei Spenglers: «Schon der Vater hat von 1960 bis 66 Freiberger gezüchtet.» 

Zudem bewirtschaftet Toni Burger 37 Hektar Land. Er baut Mais, Weizen, Gerste, Erbsen und Raps an. Einen Teil des Getreides liefert er der Knecht Mühle AG in Leibstadt. Gerste und Erbsen werden als Futter für seine Tiere verwertet. Der Rest ist Gras und Ökofläche. Auch Lohnarbeit für andere Bauern und die Gemeinde erledigt der ausgebildete Landwirt regelmässig. Das erste Lehrjahr absolvierte er zu Hause, das zweite in Islisberg, dazu kamen zwei Jahre Winterschule. 

 

Die Familie hilft mit

Als der Vater 1979 nach langer Krankheit stirbt, ist Toni Burger erst 23 Jahre alt. Sechs Jahre später übernimmt er den Hof allein. 1999 erhöht er den Milchvieh-Bestand von 14 auf 38. Mit 45 Jahren holt er die Betriebsmeisterschule nach. Seine jüngeren Brüder führen eigene Betriebe: Franz «Sugus» Burger hat eine Schreinerei in Endingen, Fridolin betreibt in Freienwil eine Schnapsbrennerei. Das «Burgerträumli» steht am Buure­zmorge auf der Karte. Auch Burgers Frau Astrid hilft an Auffahrt tatkräftig mit, ebenso die älteste Tochter Nadja (27) und die Jüngste, Marina (21). Nadja ist Springreiterin, arbeitet auf einem Reiterhof und absolviert berufsbegleitend die Ausbildung zur Landwirtin – sie wird den Hof einst übernehmen. Marina arbeitet in einer Krippe. Die mittlere, Tanja (25), kam mit schweren Behinderungen zur Welt und lebt in einem Heim. «Sie ist dort bestens aufgehoben», ist Toni Burger überzeugt. Regelmässig ist Tanja in Freienwil zu Besuch.

 

«Chnüttel» musste kürzertreten

Die Gesundheit zwang auch ihn, kürzerzutreten. Vor sechs Jahren erhielt er ein «neues Knie», vor anderthalb Jahren musste das rechte Fussgelenk versteift werden. Er habe halt nie Feierabend gekannt, weiss man im Dorf. Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname «Chnüttel». Mittlerweile ist er nur noch an zwei Anlässen «Tätschmeister»: beim Buurezmorge und beim Oktoberfest im Dorfschöpfli, das er mit seiner Astrid sowie Dora und Franz Suter durchführt.

Auch in den Vereinen reduzierte Toni Burger sein Engagement. Heute ist er «nur» noch Präsident der Milchgenossenschaft und des Feuerwehrvereins, Revisor im Schützenverein und Mitglied der Finanzkommission der Ortsbürger. Die neu gewonnene Freizeit investiert Burger in Pferde, und er unterstützt die Reiterkarriere seiner Tochter Nadja. Nur für Politik hatte er nie Zeit – oder er wollte sie sich nicht nehmen. Sein Wort hat im Dorf dennoch Gewicht. 

Als an Auffahrt um sieben Uhr morgens die ersten Helfer fürs Buu­rezmorge eintreffen, ist der Stall bereits gemacht, sind die Kühe gemolken. Und Toni Burger kann sich auf die Rolle des Gastgebers konzentrieren, die er sichtlich geniesst. «Am nächsten Tag kenne ich wieder viele neue Leute», sagt er und schmunzelt.

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