Ein geselliges Dorf im Dorf

Kirchdorf ist weitherum für seine «Sichlete» bekannt. Im Hintergrund sorgt die Vereinigung Kirchdorf das ganze Jahr für eine gute Dorfkultur.

Der Vorstand von links: Daniel Werder, Nadine Meier-Schuler, Roger Baumgartner, Tania Loosli, Roger Rüede (Präsident), Coni Baumgartner, Martina Haltinner, Stefan Semela. Es fehlt Reto Pieren (Bild: Archiv | Fotowerder)

21. Mai 2020
08:30

Die Vereinigung Kirchdorf wurde am 21. Oktober 1977 im Anschluss an die 2. Sichlete gegründet, weil man am Gewinn aus dem Fest die ganze Kirchdorfer Bevölkerung teilhaben lassen wollte. Der früher als Erntedankfest durchgeführte Anlass ist seit 1969 unter dem Namen «Sichlete» bekannt und lockt alle fünf Jahre jeweils mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher in das malerische Dorf. 

Heute gehen Ziel und Zweck der Vereinigung jedoch weit über die Finanzen hinaus: «Kirchdorf will ein lebendiges, aktives und schönes Dorf bleiben», sagt Präsident Roger Rüede. Um das zu erreichen, organisiert der Vorstand Anlässe, pflegt den Kontakt zur Dorfbevölkerung und arbeitet mit öffentlichen und privaten Verbänden und Vereinigungen der Gemeinde zusammen. «Wir versuchen auch hin und wieder, etwas zur Verschönerung des Dorfes beizutragen», sagt Rüede. 

So organisieren die neun Vorstandsmitglieder rund zehn Veranstaltungen pro Jahr, vom Markttreiben oder Dorf-OL über den Räbe­liechtli-Umzug bis zum Samichlaus-Einzug und zu gemeinsamen Ausflügen. Zur Weihnachtszeit werden von den Kirchdorferinnen und Kirchdorfern 24 Adventsfenster liebevoll kreiert. Auch die munteren Silvester- und Neujahrsanlässe erfreuen sich gros­ser Beliebtheit. Die Rückmeldungen aus der Dorfbevölkerung seien stets positiv, sagt Roger Rüede: «Aber auch An­regungen, Lob, Kritik und Ideen dürfen und sollen eingebracht werden.» Über die Aktivitäten wird auf der Webseite und mit Flyern informiert, welche die Vorstandsmitglieder persönlich in die Briefkästen verteilen – ganz nach alter Schule. Zusätzlich kann auf www.vereinigungkirchdorf.ch ein Newsletter abonniert werden.

 

Ortsbild von nationaler Bedeutung

Kirchdorf gehört politisch zwar zu Obersiggenthal, ist aber ein Dorf im Dorf – und die Kirche steht mittendrin. Der malerische Dorfplatz mit Brunnen und das Familien-Landgasthaus zum Hirschen prägen den Dorfkern, der notabene auch in der «Liste der Ortsbilder von nationaler Bedeutung» aufgeführt ist. Es ist eine kleine Oase mitten im Aargau, mit Ur-Kirchdorfern in ihren Bauernhäusern sowie Zugezogenen in neueren Überbauungen. 

Zurzeit zählt Kirchdorf 1558 Einwohnerinnen und Einwohner – alle sind automatisch Vereinsmitglied. Jahresbeiträge werden derzeit nicht erhoben. Der Verein finanziert sich aus einem Teil des Sichlete-Reingewinns. Die jährlichen Generalversammlungen sind stets gut besucht, «die Protokolle füllen Bände mit allen aufgeführten Geschichten, Aktivitäten und Ereignissen», erzählt Präsident Rüede. An der GV 2019 wurde dem Vorstand der Auftrag erteilt, erneut eine Verkehrskommission ins Leben zu rufen mit dem Zweck, die Verkehrsthemen von Kirchdorf mit der Verkehrskommission der Gemeinde Obersiggenthal zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Auch das regionale Gesamtverkehrskonzept «Oase» ist regelmäs­sig ein Thema.

 

Sichlete um ein Jahr verschoben

Besonders zum Tragen kommt der spezielle Spirit im Dorf jeweils bei den Vorbereitungen zum «Sichlete»-Fest. Da hilft die gesamte Bevölkerung mit, entweder beim Auf-/Abbau, in den Beizen oder im Hintergrund.

Ende August hätte die Sichlete wieder Tausende Festbesucher angezogen. Die Vorbereitungen waren voll im Gange, als die Corona-Krise kam. Schweren Herzens musste das OK den Entscheid fällen, das Fest um ein Jahr auf das Wochenende vom 27. bis 29. August 2021 zu verschieben. Das Virus hat das Jahresprogramm der Vereinigung Kirchdorf über den Haufen geworfen. Roger Rüede sagt betrübt: «Auch die GV musste verschoben werden. Abgesagt wurden zudem der Kochanlass und der gemütliche Familien-Postenlauf durchs Dorf.» 

Ob das beliebte Ferienabschlussfest am Samstag, 8. August, stattfinden kann, hängt von den weiteren Entscheiden des Bundesrats ab. Die Kirchdorferinnen und Kirchdorfer warten geduldig auf den Startschuss, wieder in ihr normales und geselliges Leben zurückkehren zu können.

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