«Ein herausforderndes Jahr»

Die Weinlese geht dem Ende entgegen. Die Qualität des Weinjahrgangs ist sehr gut, mit der Quantität sind die Winzer aus der Region weniger zufrieden.

Weinlese am Siggenberg - Primin Umbricht kontrolliert jede Traube . (Bilder: cl)

von
Claudia Marek

08. Oktober 2019
18:00

Es ist ein sonnig warmer Herbsttag. Am Südhang des Siggenbergs mit grandioser Aussicht über das Wasserschloss lesen Familie Umbricht aus Untersiggenthal und die vielen Helfer die letzten Blauburgunder-Trauben. Die Merlot- und Malbec-Trauben werden etwas später geerntet. Die frühen Sorten wie der Riesling-Sylvaner sind bereits im Fass. «Mit einem durchschnittlichen Wert von 80 Öchslegrad sind wir mit unserem Weisswein sehr zufrieden», sagt Pirmin Umbricht. Der Blauburgunder erreiche einen Zuckergehalt von 90 bis 92 Grad Öchsle. Mit der Qualität unserer Weine sind wir sehr zufrieden, sagt Pirmin Umbricht. Nur mit der Quantität haperts in diesem Jahr ein wenig. «Wir haben viel Ausfall», erzählt Pirmin Umbricht. 

 

Wir bezahlen Lehrgeld

Pirmin Umbricht und seine Helfer kontrollieren beim Pflücken jede einzelne Traube und schneiden die schlechten Beeren heraus. Schädlinge wie die Essigfliege oder Traubenwickler, sowie der Mehltau, ein Pilzbefall, machten ihnen zu schaffen. Seit zwei Jahren wenden die Brüder Pirmin und Fredy Umbricht in ihrem Rebberg als Schädlingsbekämpfung die sogenannte Verwirrungstechnik an. Die Winzer haben Fallen mit Lockstoffen aufgehängt, welche die Insektenmännchen so durcheinanderbringen, dass sie keine Weibchen mehr finden. Der Erfolg hält sich in Grenzen. «Vielleicht haben wir zu wenig von den Fallen aufgehängt oder auch teilweise am falschen Ort», meint Pirmin Umbricht. 

Der Winzer ist aber nach wie vor überzeugt, dass es sich lohnt für ein gutes Produkt keine Insektizide zu benutzen und setzt weiterhin auf ökologischen Weinbau. Aber auch die Massnahmen für den Pflanzenschutz liefen nicht optimal. «In diesem Jahr haben wir Drohnen eingesetzt», erzählt Umbricht. Da sie keine eigene Drohne besitzen, liessen sie einen Fachmann kommen. Doch kaum hatte dieser den Pflanzenschutz gesprüht, fing es an zu regnen. «Die neuen Techniken sind gut, aber man muss sie auch richtig anwenden», sagt Pirmin Umbricht selbstkritisch. «Wir haben unser Lehrgeld bezahlt. Nächstes Jahr machen wir es besser», resumiert er. 

 

Die Qualität stimmt

Im schönen, milden Schenkenbergtal, in Schinznach-Dorf und Thalheim befinden sich die Weinberge von Claudio und Kathrin Hartmann. Auch bei ihnen ist die Ernte in vollem Gange. Die späteren Sorten bleiben noch etwas hängen. «Sie können noch etwas Sonne vertragen», sagt Kathrin Hartmann schmunzelnd. «Das schöne Herbstwetter hat uns in den letzten Jahren sehr verwöhnt», erzählt Hartmann. In diesem Jahr sieht es etwas anders aus. «Das ganze Jahr war eine Herausforderung», blickt Hartmann zurück. Die Wetterverhältnisse wirken sich auf die Quantität aus. «Die Quantität ist mittelmässig», sagt Hartmann. Frost, Hagel und Mehltau, so die diesjährigen Gegenspieler. Die Kirschessigfliege sei kein grosses Problem gewesen. «Der Mehltau war schlimmer», sagt Kathrin Hartmann. Das feucht-warme Klime habe diese Pilzkrankheit begünstigt. 

Kathrin und Claudio Hartmann haben bereits seit 2011 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. «Ich bin froh, dass wir bereits viele Erfahrungen als Bio-Bauern gemacht haben, und weiss, dass wir die Herausforderungen in den Griff bekommen», sagt Kathrin Hartmann. Trotz der Einbussen können sich die Winzer auf einen guten Jahrgang freuen. «Die Qualität ist gut gut bis sehr gut», so Kathrin Hartmann.

 

Gute Aussichten 

Meinrad Steimer, Weinbauer und Kellermeister aus Wettingen, ist mit seinem Jahrgang sehr zufrieden. «Die Aussichten sind gut», sagt Steimer.  Speziell sei in diesem Jahr das feucht-warme Wetter im September gewesen. Dieses habe ihm einen späten Mehltau beschert. Der Befall durch Kirschessigfliegen sei unterschiedlich ausgefallen. Jede Traube werde bei der Ernte sorgfältig kontrolliert und befallene Beeren aussortiert. Verlust gab es auch durch einen Sonnenbrand, bei dem die Trauben verdorren. Doch der Schaden halte sich in Grenzen, betont Steimer. «Qualität und Quantität stimmen», sagt er.

Die drei Winzer sind überzeugt, dass der letztjährige Jahrgang herausragend war. «Das letzte Jahr war einfach gigantisch», berichtet Kathrin Hartmann. Das sehen die beiden genau so – ein Jahrgang, der nicht so schnell zu toppen ist. 

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