Ein Herz für Tansania

Mit der Kinderkleiderbörse Turgi wurde das Hilfswerk Karibuni unterstützt. Jetzt schliesst der Laden. Aber Gabriela Perlini hat neue Pläne.

Das Team: Gabriela Perlini (rechts), Angi Mösch und Corinne Schuler (Bild: cl)

von
Claudia Marek

10. September 2019
19:20

Gabriela Perlini wohnt mit ihrer Familie in einem hübschen Haus mit Garten in Turgi. Die Kinderkleiderbörse Karibuni befindet sich in der ehemaligen Garage des Hauses. Vor sieben Jahren, ihr Sohn war eineinhalb Jahre alt, fragte sich Gabriela Perlini, was sie mit den fast neuen Babykleidung ihres Sohnes machen könne, aus der er so schnell herausgewachsen ist. Einerseits wollte sie im Sinne der Nachhaltigkeit handeln, aber auch einen Ort schaffen, wo sich Menschen begegnen können. 

Die Idee, eine Börse zu eröffnen, wurde in den Ferien gleich umgesetzt. Zusammen mit ihrem Mann David räumte sie die Garage, legte einen Holzboden, stellte Schränke auf, strich die Wände neu und spannte farbige Leintücher unter die Decke. Das Resultat ist ein herziges, kleines Lädeli. Das Sortiment wuchs stetig wie auch der Kundenstamm, und die Kisten in Gabriela Perlinis Büro begannen sich zu stapeln.

 

Hilfswerk Karibuni Tansania

Die anfänglich private Börse ist seit 2016 Teil des Vereins Karibuni Tansania. Der gesamte Erlös fliesst in das Hilfswerk «Elimu kwa maisha» nach Tansania. Das Kinderkleiderbörse-Team arbeitet ehrenamtlich. 

Gabriela Perlini und ein paar Freunde unterstützen seit 15 Jahren mittellose Kinder in Tansania, um ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen. Von Anfang an wurden sie dabei von Tamara Simfukwe, einer Montessori-Kindergartenlehrerin vor Ort, tatkräftig unterstützt. Bei Gabriela und Tamara wuchs der Wunsch, einen Ort für Menschen mit Behinderung zu schaffen. In Afrika leben Menschen mit einer Behinderung bei ihrer Familie. Es gibt für sie nur wenige Möglichkeiten, eine Ausbildung zu absolvieren. 2015 gründete Gabriela Perlini zusammen mit Anita Iten und Nadja Schneeberger den Verein Karibuni Tansania. Tamara Simfukwe kaufte in Lugoba, das ist etwa 80 Kilomenter von Dar es Salaam, zwei Hektaren Land. Dort wurde das Center aufgebaut. Mittlerweile stehen dort ein Haupt- und zwei Klientenhäuser sowie ein Wachposten und ein Hühnerhaus. Und eine Werkstatt wird soeben fertiggestellt. Zu Tansania hat Gabriela Perlini eine langjährige Beziehung. «Ich habe einen Teil meines Herzens an Tansania verloren», sagt sie.

 

Ein Mädchen gibt Ausschlag 

Gabriela Perlini lebte mehrere Jahre in Afrika. Fünf Monate lang arbeitete sie als Volontärin im «Childrens home Msimbazi», einem Kinderheim, das von Schweizer Nonnen geführt wird, und lernte die Kindergarten-Lehrerin Tamara Simfukwe kennen, die dort als Ausbildnerin tätig war. Und in diesem Heim lernte sie auch Jacqueline kennen, ein zweijähriges Mädchen, mit einer Behinderung. «Sie sass auf dem Boden und schaute mich mit grossen Augen an», erzählt Gabriela Perlini. «Ich habe mich gleich in dieses Mädchen verliebt.» Jacquelines Mutter starb bei der Geburt. Mit zwei Jahren musste Jacqueline, wie es dort üblich ist, wieder zurück in die Familie. Das ist nicht für alle Kinder ein Glück. Vielen Familien geht es finanziell schlecht, und sie können die Kinder nicht richtig versorgen. Nicht selten ist in der Zwischenzeit eine Stiefmutter eingezogen, die ein eigenes Kind hat und nicht unbedingt ein weiteres möchte. Jacqueline hatte kein Glück. Sie starb mit vier Jahren an Malaria. Damals entstand bei Gabriela Perlini der Wunsch, Familien zu unterstützen.

 

Flohmarkt und kleiner Laden  

Die Kinderkleiderbörse war eine wichtige Einnahmequelle für das Hilfswerk. Trotzdem hat sich Gabriela Perlini entschieden, die Tore der Börse zu schliessen. «Aufwand und Ertrag stimmten einfach nicht mehr überein», begründet sie ihre Entscheidung. Der Platz wurde zu eng. Sie erhielten mehr Kleider, als sie verkauften, und es wurde immer mehr Arbeit. Doch Gabriela Perlini hat neue Pläne, um das Hilfswerk zu unterstützen. Am 21. September findet neu ein öffentlicher Flohmarkt an der Langhausstrasse statt, der durch den Verein organisiert wird. «Dort betreiben wir eine Festwirtschaft», berichtet Perlini. Der Flohmarkt soll zweimal jährlich stattfinden. Ausserdem ist ein Karibuni-Shop geplant, in dem viele schöne und nützliche Artikel aus Tansania verkauft werden. Und das quirlige Energiebündel hat noch weitere Ideen, beispielsweise Reisen nach Tansania zu organisieren. Karibuni Afrika – Willkommen Afrika kann man da nur sagen.

Schlussverkauf: Mittwoch, 18. September, bis Samstag, 21. September
Gartenstrasse 3, Turgi

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