Ein komplett neues Pfarrerteam

In der reformierten Kirchgemeinde Windisch werden oder sind bereits die Stellen der vier bisherigen Pfarrpersonen vakant.

Kirchturm der reformierten Kirche Windisch: «Auszug aus Ägypten» (Bild: sha)

von
Hans-Peter Widmer

02. Oktober 2019
09:00

Es zeichnet sich ein Wechsel ab, wie ihn die reformierte Kirchgemeinde Windisch noch nie erlebte: Alle vier bisherigen Pfarrpersonen, die sich in 280 Stellenprozente teilten, verlassen ihre Posten oder sind zum Teil bereits ausgetreten. So wurde Pfarrer Edlef Bandixen soeben in den Ruhestand verabschiedet, während Pfarrerin Patricia Weigl neue Aufgaben in der Ausbildung übernahm. Ihr Gatte Pfarrer Peter Weigl zieht nächsten Sommer ins Emmental. Auch Pfarrerin Brigitta Frey hat sich zu einer Stellenänderung entschlossen, wie die Präsidentin der Kirchenpflege, Barbara Stüssi-Lauterburg, an einem Informationsabend bestätigte. 

 

Reduktion des Stellenplans

Aus der Versammlungsrunde wurde nach Gründen für diesen «Auszug aus Ägypten» gefragt. Wie der subtilen Antwort der Präsidentin zu entnehmen war, scheinen es in erster Linie nachvollziehbare Lebensumstände zu sein: eine Pensionierung und ein Wunsch, sich in der Lebensmitte nochmals beruflich zu verändern; dazu glaubte man leise Dissonanzen nicht ganz ausschliessen zu können. Item. Die Kirchenpflege ist sich der herausfordernden Nachfolgeregelung bewusst, aber sie sieht im Wechsel auch Chancen für Anpassungen. 

So will sie der Kirchgemeindeversammlung am 17. November eine Reduktion von aktuell insgesamt 350 auf 300 Stellenprozente für die Pfarrämter und Sozialdiakonie vorschlagen. Zudem prüft sie eine Neuaufteilung der Arbeitspensen. Der Stellenabbau wird mit ökonomischen Erwägungen begründet. Die Mitgliederzahl der Kirchgemeinde, die sich über die Ortschaften Windisch, Habsburg, Hausen und Mülligen erstreckt, ist in den letzten Jahren von rund 3600 auf 3200 gesunken, und der finanzielle Handlungsspielraum ist enger geworden. 

 

Neue Pensenverteilung

Während der notwendige Stellenabbau ziemlich unbestritten schien, wie die engagierte Diskussion in Gruppen am Informationsabend ergab, waren die Meinungen über den Umfang und die Aufteilung der Arbeitspensen noch nicht gefestigt. Anstelle der heutigen Regelung mit vier Pfarrpersonen (280 Prozent) und einem Sozialdiakon (70 Prozent) stellte die Kirchenpflege zwei Modelle vor: erstens, drei Pfarrstellen mit einem Pensum von insgesamt 230 Prozent, plus eine Sozialdiakoniestelle mit 70 Prozent; zweitens, zwei Pfarrstellen mit einem Pensum von insgesamt 180 Prozent, plus zwei Diakoniestellen mit 120 Prozent. 

Im Vordergrund stand die Frage, was der Struktur und den Bedürfnissen der Kirchgemeinde besser entspreche und welche Akzente sie setzen wolle, zum Beispiel in der Seelsorge oder in der Jugend- und Freiwilligenarbeit. Unter anderem wurde argumentiert, die Beschränkung auf zwei Pfarrstellen mit neu 180 anstatt wie bisher 280 Stellenprozenten wäre zu einschneidend für die zentralen kirchlichen Dienste. Demgegenüber müssten aber nur noch zwei statt drei Pfarrwohnungen zur Verfügung gestellt werden, was eine zusätzliche finanzielle Entlastung brächte.  

 

Wie viel Flexibilität?

Die kommende Kirchgemeindeversammlung, die lebhaft zu werden verspricht, muss den neuen Stellenplan genehmigen. Dass er eine Stellenreduktion bringen wird, ja, bringen muss, ist so gut wie sicher. Aber über die Pensenaufteilung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ob die Anregung, sich nur auf insgesamt 300 Stellenprozente festzulegen und die Detailaufteilung zwischen Pfarrstellen und Sozialdiakonie den Umständen anheimzustellen, auch in budget­relevanter Hinsicht «wasserdicht» wäre, ist eher zu bezweifeln. 

 

Team komplett bis August 2020?

Spannend dürften nach den von der Kirchgemeindeversammlung gefassten Beschlüssen dann auch die Stellenausschreibungen werden. Lassen sich für die in beiden Modellen vorgesehenen Teilpensen die gewünschten Bewerberinnen und Bewerber finden? Jedenfalls wurde der Kirchenpflege von fachkundiger Seite zu Geduld im Bewerbungsverfahren geraten. Trotzdem äusserte Barbara Stüssi-Lauterburg die Hoffnung, bis im August 2020 wieder ein komplettes Team beisammen zu haben. Die reformierte Kirchgemeinde Windisch, so fügte sie bei, sei an sich attraktiv.

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