Ein Leben für das Wohl von Tieren

Die engagierte Tierschützerin Anita Bugmann hat via Crowdfunding Geld für ihre neue Meerschweinchen-Auffangstation gesammelt.

Anita Bugmann in ihrer neuen, durch Crowdfunding finanzierten Meerschweinchen-Auffangstation. (Bild: ub)

13. Oktober 2021
17:08

Anita Bugmann servierte den Gästen zu ihrem 40. Geburtstag eine vegane Nusstorte. Mit Birnel als Süssungsmittel statt Honig. Das grösste Geschenk hat sich die engagierte Tierschützerin aber schon vor ihrem Wiegenfest erfüllt. Im April 2021 begann sie via Crowdfunding Geld für eine Meerschweinchen-Auffangstation zu sammeln. Im weitläufigen Gehege vor ihrem Haus in Ehrendingen tummeln sich mittlerweile zwei Gruppen von elf und neun Tieren, die aus der ganzen Schweiz stammen. «Leider wird die Haltung von Meerschweinchen als Haustiere oft unterschätzt», sagt die gebürtige Badenerin. «Sie leben in Grossgruppen, und es ist nicht artgerecht, sie in engen Käfigen zu halten. Die Pflege der Ställe ist zudem aufwändig; sie müssen mindestens dreimal die Woche gemistet werden.»

Bugmann will vereinsamten Tieren einen schönen Lebensabend ermöglichen. Im Garten hat sie deshalb auch ein riesiges Gehege für ausgediente Legehennen aufgebaut, die das Interview mit sanftem Glucksen und leisem Gackern untermalen. «Die Hennen waren darauf gezüchtet, Höchstleistungen beim Eierlegen zu erbringen. Nach einem Jahr sind ihre Körper ausgezehrt. Bei mir können sie sich erholen.» Die gebürtige Badenerin hat ihr Leben schon früh den Tieren verschrieben. Nach der Schule machte sie eine Lehre zur Tiermedizinischen Praxisassistentin.


Ein-Frau-Unternehmen seit 2007
Nach einem Abstecher in den KV-Bereich etablierte sie sich als Hundeführerin im Sicherheitsdienst. Doch eine unfallbedingte Rückenverletzung verunmöglichte ihr, die physisch herausfordernde Arbeit weiterzuführen. Den Tieren blieb sie trotzdem treu. 2007 gründete sie ihr Ein-Frau-Unternehmen «Tatzenpfote – Tierbetreuung für alle Felle» und bietet in ihrem Haus vier Ferienplätze für Katzen und sechs für Hunde an. Unter- und Erdgeschoss sind mit vielen Kletter- und Versteckmöglichkeiten sowie Zwischenwänden, erhöhten Liegeflächen und Absperrgittern vollständig auf die vierbeinigen Gäste ausgerichtet. Bugmann hat selber zwei Hunde aus prekären Situationen vom Tierschutz übernommen. Amigo, einen Galgo Español. Die Rasse kommt in ihrer spanischen Heimat vor allem bei der Kaninchenjagd zum Einsatz und wird nachher oft einfach «entsorgt».

Die kleine Jacky ist ihres Zeichens ein Yorkshireterrier-Mix aus dem Tierschutz. Sie brauchte wegen schwerer Erkrankung ihrer Besitzerin einen neuen Platz. Ansonsten ist Anita Bugmann dagegen, dass man Strassenhunde aus dem Ausland allzu leichtfertig in die Schweiz «verpflanzt». «Besser wäre es, sie dort zu lassen und zu kastrieren. Denn Hunde sind mit dem Leben eines ‹normalen Haushundes› oft einfach überfordert. Aufklärungsarbeit vor Ort ist dafür umso wichtiger», findet sie.


Mutter und Partner stärken ihr den Rücken
Bevor Bugmann ein Ferientier aufnimmt, kommen vor allem die Hunde zur Probe vorbei. «Ich muss die Gewissheit haben, dass sich jeder Vierbeiner in meiner Umgebung wohlfühlt», sagt sie überzeugt. Im Wohn- und Katzenzimmer sind sogar Webcams installiert, damit sie immer den Überblick hat, ob alles in Ordnung ist. Im Obergeschoss hat Anita Bugmann ihren Privatbereich. Diesen teilt sie mit ihrer Katze Tilly und Partner Robert, der Teamleiter in einem Unternehmen für Feinblechtechnik ist. «Wir sind beide beruflich sehr engagiert. Und das in völlig unterschiedlichen Bereichen. Aber wir stärken uns gegenseitig den Rücken», sagt Bugmann glücklich. Eine grosse Stütze sei auch ihre Mutter, die praktisch täglich vorbeikommt und anpackt.


Trostspenden beim Abschied
Die stämmige und energische Frau mit den rosa gefärbten Haaren ist eine Kämpferin, die das Leben immer wieder vor grosse Hürden stellte. Als sie elf Jahre alt war, starb ihr Bruder an Krebs. Mit zwanzig verlor sie ihren Vater. Sie leidet unter chronischen Nerven- und Sehnenscheidenentzündungen an beiden Händen. Trotzdem gibt sie niemals auf und macht immer weiter. «Ich will den Tieren eine Stimme geben und den respektvollen Umgang mit ihnen fördern. Das treibt mich an», sagt sie.

Weil sie schon früh mit dem Thema «Verlust» umgehen musste, gründete sie auf Facebook die geschlossene Gruppe «Regenbogenbrücke», dank der sich Halterinnen und Halter von ihren geliebten Tieren verabschieden und gegenseitig Trost spenden können. Mittlerweile haben sich schon über 3000 Follower angeschlossen. Und sie ist Einsatzleiterin beim Tierrettungsdienst im zürcherischen Winkel. Das kommt erst ganz am Schluss des Gesprächs zutage. Sie könnte sicher noch viele Geschichten aus ihrem abwechslungsreichen Leben erzählen. Auf ihren Fingern sind unter anderem ein Anker und eine Pfote tätowiert: «Das eine bedeutet Stabilität und Treue, das andere meine starke Verbindung zu den Tieren.»

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