Ein Leben im öffentlichen Dienst

In den letzten Stunden des alten Jahres ist in Riniken Dr. phil. Martin Vögtli im Alter von 81 Jahren gestorben.

Martin Vögtli, ein Quereinsteiger zur richtigen Zeit (Bild: zVg)

von
Hans-Peter Widmer

09. Januar 2019
09:00

Martin Vögtli hinterlässt seine Gattin Ruth sowie zwei Töchter und zwei Söhne mit ihren Familien. Jahrzehntelang stand er im Dienst öffentlicher Institutionen. Er war von 1965 bis 1988 Geschichts- und Deutschprofessor an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Brugg-Windisch, der heutigen Fachhochschule, und von 1988 bis 2000 Chef der kantonalen Abteilung für Zivile Verteidigung. Von 1970 bis 1985 wirkte er als Gemeindeammann von Riniken und von 1972 bis 1980 als Präsident der CVP des Kantons Aargau – neben zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Funktionen. Im Militär kommandierte der gebürtige Solothurner das solothurnische Luftschutzbataillon 18 und später das Territorial Regiment (Ter Kr) 23.

 

Vieles zustande gebracht

Martin Vögtli war ein Schnelldenker mit rascher Auffassungsgabe, aber kein Mensch der lauten Worte, sondern ein Mann der Tat. In einem Interview beim Abschied aus dem Staatsdienst sagte er, er habe gern organisiert und geführt und stets versucht, menschlich, aber klar zu sein, und er glaube, dass er mit den Leuten gut zurecht gekommen sei. In seiner überlegten Art brachte er nachhaltige Werke zustande. So wurden in seiner Amtszeit als Gemeindeammann – in der sich die Bevölkerung Rinikens um einen Drittel vergrösserte – das ökumenische Dorfzentrum und die neue Schulanlage Lee gebaut. Für seine Verdienste verlieh ihm die Gemeinde 2003 das Ehrenbürgerrecht.

Als gewandter neuer Kantonalparteipräsident, der volkstümliche Bodenhaftung und akademische Eloquenz verkörperte, verbuchte Martin Vögtli nach der Namenänderung der Katholisch-konservativen Volkspartei in Christlichdemokratische Volkspartei sowie der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 Erfolge, wie sie der CVP seither nie mehr beschieden waren. Im Grossen Rat stellten die Christlichdemokraten 1973 mit 54 Sitzen die grösste Fraktion, und bei den nationalen Wahlen 1979 steigerten sie ihren Stimmenanteil von 20 auf 22,5 Prozent, was ihnen neben dem Ständeratsmandat neu vier Nationalratssitze eintrug. 

 

Oberster Zivilschützer

Der damalige CVP-Regierungsrat und Militärdirektor Peter Wertli gewann den Quereinsteiger und Nichtjuristen Dr. phil. Martin Vögtli 1988 für die Leitung der Abteilung Zivile Verteidigung. Es war keine leichte Aufgabe. Der auf Gemeindeebene in den örtlichen ZSO mit unterschiedlicher Effizienz organisierte Zivilschutz hatte ein Motivations- und Imageproblem: Er wurde als lästige Verlängerung oder Ersatz der Militärdienstpflicht angesehen. Die Einsatzdoktrin war auf die Betreuung der Bevölkerung im Kriegsfall und das Überleben in (atom)bombensicheren unterirdischen Anlagen ausgerichtet.  

Mit dem Fall der Berliner Mauer, der Auflösung des Warschauer Pakts und dem Ende des Kalten Kriegs stand ein Strategiewechsel an. Der neue Zivilschutzchef war damit konfrontiert. Unter Martin Vögtlis Leitung wurde ein neues Bevölkerungsschutzkonzept entwickelt, der Zivilschutz gestrafft, die örtlichen Schutzorganisationen sowie die überdotierte Zahl von 35'000 Schutzdienstpflichtigen stark reduziert und die Ausbildung verbessert. Neu richtete sich der Zivilschutz hauptsächlich auf die Bewältigung ziviler Notlagen und Naturkatastrophen aus.

 

Moderner Katastrophenschutz

Wie wichtig der Wandel war, bestätigten bald mehrere Schadenereignisse, zum Beispiel das Zugsunglück in Stein mit explosionsgefährdeten Benzin-Tankwagen und zahlreiche Hochwasser von katastrophalem Ausmass, eingeschlossen eine Überschwemmung wegen einer technischen Panne beim Kraftwerk Rüchlig in Aarau, sowie ein bedrohlicher Bergsturz bei Küttigen. Martin Vögtli machte Behörden und Bevölkerung immer wieder auf den Umstand aufmerksam, dass der Aargau mit seinen grossen Flüssen, den wichtigen Schienen- und Strassenverbindungen, den Standorten etlicher Chemieunternehmen und mehrerer Kernkraftwerke sowie den An- und Abflugkorridoren des Flughafens Zürich eine nicht ganz risikofreie Gegend ist. 

Als er sein Amt antrat, existierte noch keine effiziente gesamtkantonale Katastrophenorganisation. Er leitete ab 1990 den Kantonalen Führungsstab (KFS), der neu in der Lage war, spätestens 45 Minuten nach dem Aufgebot an jedem Standort im Kanton Massnahmen zur Bewältigung von Katastrophen zu treffen – und seither zu einem sehr effizienten Organ weiterentwickelt wurde. Mit 63 Jahren trat Martin Vögtli Ende Oktober 2000 in den Ruhestand – denn sein Chefposten wurde überflüssig, weil die Abteilung für Zivile Verteidigung und die kantonale Militärverwaltung zur heutigen Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz zusammengelegt wurden.

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