Ein Presslufthammer macht Lärm

Beim Kanton häufen sich die Baulärmklagen. In den Gemeinden präsentiert sich die Situation differen-zierter.

Nicht alle nehmen Baustellen und deren Lärm so locker (hin), wie auf diesem Plakat vor einigen Jahren in Würenlingen vorgeschlagen . (BKR)

21. Oktober 2021
09:30

Nichts ärgert uns mehr als ein neuer und bisher unbekannter Lärm. Ein Paradebespiel ist der nächtlich tropfende Wasserhahn. Seit Corona arbeiten mehr Menschen im Home-Office – was punkto Lärm zu neuen Problemen führt. So gehen beim Kanton seit Monaten mehr Beschwerden wegen Baulärms ein. Dies, obwohl es nicht mehr Baustellen gibt. Beim zuständigen Amt erklärt man sich dieses Phänomen damit, dass der Anspruch der Leute auf Ruhe daheim grösser ist, als im Grossraumbüro.


Differenzierteres Bild
Hört man sich bei den Gemeinden in der Region um, ist das Bild differenzierter. Auf der Bauverwaltung Obersiggenthal verzeichnet man keine Zunahme der Beschwerden. Bei Bau, Planung und Umwelt (BPU) Regio Surb, welche für Baubewilligungen und -kontrollen in den Gemeinden Ehrendingen und Schneisingen zuständig ist, verweist man auf die Gemeinden. Jenny Jaun ist Ehrendinger Gemeindeschreiberin. Ihr ist aufgefallen, dass die Abteilung Tiefbau, im Zusammenhang mit Strassensanierungen, mehr Klagen über Baustellenlärm bekommt. «Wir versuchen – so gut es geht – Rücksicht zu nehmen», sagt Jaun. Im Bereich Hochbau gebe es die üblichen Anfragen, aber keine spezielle Zunahme an Reklamationen im Zusammenhang mit Lärm. Was Jaun generell wahrnimmt, ist, dass die Leute seit Corona mehr präsent sind und ihnen mehr auffällt – beispielswiese wie sich Jugendliche verhalten. Dazu passt eine Studie der Axa-Versicherungen. Sie belegt, dass Corona zu massiv mehr Zoff zwischen Nachbarn geführt hat. Bei der Rechtsversicherungstochter Axa-Arag erreichte die Zunahme der Lärmklagen und Baueinsprachen seit 2020 ein sattes Plus von 73 Prozent.


Arbeitszeiten nicht vorgegeben
Till Künzler ist stellvertretender Leiter der Bauverwaltung Surbtal, welcher die Gemeinden Endingen, Lengnau und Tegerfelden angeschlossen sind. Er kennt das Problem vermehrter Reklamationen nicht – führt dieses aber auch darauf zurück, dass die Zeiten zu welchen auf Baustellen «gelärmt» werden kann, in der Baubewilligung kürzer festgelegt sind, als die Zeitspanne, in welcher laut Polizei­reglement allgemein Lärm verursacht werden darf.

Dazu Philipp Huber von der kantonalen Abteilung für Umwelt: «Einige Gemeinden und Bauunternehmungen, aber auch Private gehen oft davon aus, dass die Arbeitszeiten auf Baustellen durch das Polizeireglement ­respektive durch die darin festgeschriebenen Ruhezeiten – beispielsweise von 12 bis 13 Uhr und 20 bis 7 Uhr – vorgegeben sind». Dem sei nicht so. Die Massnahmenliste der Baulärm-Richtlinie halte nämlich fest, dass die Arbeitszeit auf weniger empfindlichen Zeiten konzentriert werden sollte – in der Regel von 7 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr. Die lärmintensivsten Bauarbeiten könnten im Rahmen der Baubewilligung sogar auf noch weniger Stunden pro Tag limitiert werden.

Mit anderen Worten: Rasenmäher bis 20 Uhr, Abbauhammer jedoch nicht.

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