Ein Totempfahl als Mahnmal

Das Künstlerinnenduo Müller Tauscher aus Windisch hat das ganze Jahr durch am Reussufer Abfall gesammelt und daraus ein Kunstobjekt realisiert.

Ist Müll in der Natur schöner als hier? Melanie Tauscher neben «Anangu»
Ist Müll in der Natur schöner als hier? Melanie Tauscher neben «Anangu» (Bild: cl)

von
Claudia Marek

10. Dezember 2018
09:40

Am letzten Donnerstag fand die Einweihung des Totempfahls «Anangu» auf dem Dieselplatz statt. Gleichzeitig stellt das Künstlerinnenduo das Bild «under the Rainbow», ebenfalls aus Müll gefertigt, im Kunstraum von «loveistheanswer» aus. 

Ist Müll in der Natur schöner als hier? Dies scheint der freundlich schauende Totempfahl die Betrachter zu fragen. Müller Tauscher möchte mit dem Objekt wachrütteln und zeigen, wie wir Menschen mit der Natur umgehen. Es ist beeindruckend, welche «Schätze» die Künstlerinnen am Reussufer gefunden haben. 

 

Sehr viel Abfall

Die Idee für dieses Objekt kam Melanie Tauscher bei einem ihrer Spaziergänge am Fluss. Sie habe sich über den vielen Müll geärgert, der am Flussufer herumlag. «Ich habe kaum mehr auf die Blumen geachtet, sondern nur noch Müll gesehen», sagt Melanie Tauscher. Anfangs habe sie den Müll aufgehoben und entsorgt, bis ihr der Gedanke kam, daraus etwas Neues entstehen zu lassen. «Wir haben wirklich sackweise Abfall gesammelt», erzählt die Künstlerin. Da im letzten Sommer der Wasserstand der Reuss sehr niedrig war, gab es am Ufer besonders viel zu entdecken. Neben den vielen Pet-Flaschen fanden sie Schuhe, ein Trottinett, ein Velo, eine Schreibmaschine und vieles mehr. 

Der Totempfähle werden von Indianern der amerikanischen Nordwestküste aus verschiedenen Gründen errichtet. Sie erzählen die Geschichte einer Familie oder repräsentieren die Stellung einer Familie innerhalb der Gemeinschaft oder erinnern an Verstorbene. Ausserdem habe sie das Buch «Tribe» von Sebastian Junger veranlasst, einen Totempfahl als Symbol zu nehmen, um ein Zeichen für die Gesellschaft zu setzen. In dem Buch gehe es um das verlorene Wissen, um Gemeinschaft und Menschlichkeit, erzählt Melanie Tauscher. Unsere Ignoranz gegenüber Mutter Natur nehme absurde Formen an.

 

Mit einem Augenzwinkern

Melanie Tauscher sieht die Aufgabe des Künstlers auch darin, die Gesellschaft widerzuspiegeln und zum Denken anzuregen. Sie macht dies nicht mit dem Zeigefinger, sondern humorvoll mit einem Augenzwinkern hält sie der Gesellschaft den Spiegel hin, auch sich selber. Ihr Sohn habe einmal zu ihr gesagt: «Die Welt kann man nicht verändern, aber Unterwindisch schon.» Gerne würde Melanie Tauscher den Totempfahl auf Wanderschaft schicken. Zum Beispiel auf Pausenplätze der Aargauer Schulen oder auf Rastplätzen rund um das Wasserschloss. Dort soll er aufmerksam machen auf unser gegenwärtiges Plastik und Mikroplastikproblem in unseren Flüssen und Weltmeeren.

Bernd Maresch und sein «loveistheanswer»-Team teilen das Anliegen der Künstlerin. «Wir glauben an einen bewussten, genussvollen Konsum der Menschen, Umwelt und Kreativität gleichermassen wertschätzt, und wir glauben, dass jeder Einzelne etwas dazu beitragen kann.» 

Die Ausstellung dauert bis zum Montag, 31. Dezember. 

Kommentare (1)

  1. Christoph Wolfensberger
    Christoph Wolfensberger am 14.12.2018
    Wolfensberger.christoph@gmail.com
    Kennne MüllerxTauscher schon über 10 JAHRE und bin von der Arbeit als Künsterinnen wie auch Ihrer Weltberbundenheit zu 100% überzeugt. Sehr wertvoll und einzigartig.
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