Eine Alpen-Sinfonie von Raff

Den Jahreszyklus 2019/20 eröffnet die jetzt von Roman Blum geleitete Sinfonia Baden unter dem Motto «In den Alpen».

Joachim Raff wuchs in Lachen SZ auf und brachte es zu Weltruhm (Bild: zVg)

von
Walter Labhart

06. November 2019
09:00

Zu Beginn des dreistufig gesteigerten Konzertes stellt sich der neue Dirigent auch als Orchestrator vor. Vom räto­romanischen Lied «La sera sper il lag» von Gion Balzer Casanova (*1938) schuf Roman Blum eine Orchesterfassung, auf die man genau so gespannt sein darf wie auf die beiden grossen Kompositionen von Oskar Wilhelm Böhme (1870–1938) und Joseph Joachim Raff (1822–1882). Vom Deutsch-Russen Böhme erklingt ein Trompetenkonzert in einer Orches­terversion von David Angel mit der Solistin ­Helena Hautle, einer langjährigen ­Zuzügerin der sinfonia.baden.

 

Monumental und lyrisch

Von Raff, der als Sohn einer Schweizerin und eines Deutschen in Lachen SZ geboren wurde und es als Sinfoniker zu internationalem Ansehen brachte, steht ein über 40 Minuten dauerndes Monumentalwerk auf dem Programm. Die 1875 in Wiesbaden enstandene und dort im gleichen Jahr aus der Taufe gehobene 7. Sinfonie in B-Dur op. 201 trägt den Beinamen «In den Alpen» und verkörpert grossartige Programmmusik. 

Die fortissimo beginnende Ein­leitung zur «Wanderung im Hoch­gebirge» (1. Satz) gibt die Erhabenheit einer Berglandschaft wieder. Weit gespannte Melodiebögen scheinen den beträchtlichen Dimensionen des Hochgebirges mit seinen endlosen Schneeflächen zu entsprechen. 

«In der Herberge» (2. Satz) herrscht eine ziemlich schwermütige Stimmung vor. Der anfänglich volkstümlich-schlichte Grundton weicht bald einer mondänen Walzerszene mit grossflächigem Orchesterklang. Der bogenförmig auf- und absteigende Wechselgesang von Flöten und Klarinetten weist auf Peter Tschaikowsky voraus, der mit mehreren Sinfonien von Raff vertraut war und sich instrumentationstechnisch von ihm beeinflussen liess. 

 

Wertvolle Entdeckung

Als Stimmungskünstler par excellence erweist sich Raff im dritten Satz, «Am See» überschrieben und voll von bezaubernden Klangfarben. Mehrmals schimmert die Wellenbewegung des sinfonisch verklärten Sees durch. Im Finale mit dem Doppeltitel «Beim Schwingfest; Abschied» schliesst sich an die scherzoartig luftigen Holzbläserklänge ein kraftvoller Marsch in punktiertem Rhythmus an. 

Die Wiederentdeckung dieser in der Schweiz kaum je aufgeführten Sinfonie ist einmal mehr der Joachim-Raff-Gesellschaft Lachen zu ver­danken, die sich mit beispielhafter Energie für das lange vergessene Schaffen des genialisch veranlagten Spätromantikers einsetzt.

Sonntag, 17. November, 17 Uhr
Trafohalle Baden
www.sinfonia-baden.ch 

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