«Eine Art Telefonie-Fossil»

Die Telefonkabine an der Bruggerstrasse 164 in Baden ist die letzte ihrer Art. Sie wurde ins Museum für Kommunikation abtransportiert.

Die letzte Kabine geht auf die Reise von der Bruggerstrasse 164 in Baden ins Museum für Kommunikation (Bild: zVg)

von
Stefan Haller

03. Dezember 2019
10:10

Mit dem Rückbau der Badener Telefonkabine endet auch die 138-jährige Geschichte der öffentlichen Telefonkabinen in der Schweiz. Pierre-An­toine Favez, Leiter Publifone bei Swisscom, sprach darum angesichts der auf einen Lkw verladenen Kabine gar von einem «magischen Moment»: «Es ist schön, dass wir die letzte Kabine so verabschieden dürfen und dass sie im Museum für Kommunikation einen würdigen Platz findet.»

 

Ein Teil wurde umgenutzt

In den vergangenen zwei Jahren hat Swisscom die letzten rund 3000 Publifone zurückgebaut. Rund 650 wurden umgenutzt. Ihr zweites Leben führen sie als Getränke-/Snackautomaten, Defibrillatorstandorte, Bücherschränke oder Bars. Doch am 28. November vormittags schlug das letzte Stündlein des Publifons hierzulande: Pierre-Antoine Favez übergab das Badener Publifon feierlich ans Museum für Kommunikation in Bern.

 

«Festnetztelefonie-Fossil»

Juri Jaquemet, Kurator am Museum für Kommunikation (MfK) in Bern, nahm das Geschenk gerne entgegen. «Die letzte Telefonkabine repräsentiert für das Museum für Kommunikation eine Art Festnetztelefonie-Leitfossil. Sie zeugt von einer Zeit, als die Telekommunikation noch nicht mobil war.» So erfüllt sie den Sammlungszweck aus einer nationalen Perspektive den Wandel der Kommunikation als Geschichte der Medien in ihrer Wechselwirkung mit der Gesellschaft zu dokumentieren. Was Juri Jaquemet meint: «Im Zentrum des Interesses stehen nicht bloss technische Artefakte, sondern die damit verbundenen kulturellen Techniken und Prozesse.»

 

Für die Nachwelt erhalten

Die Telefonkabine aus Baden kommt vorerst ins Depot in Mamishaus, wird gereinigt, fotografiert und in der Sammlungsdatenbank erfasst. Im Depot wird sie unter optimalen Bedingungen für die Nachwelt aufbewahrt. Doch Juri Jaquemet verspricht: «In Zukunft wird sie sicher in einer Ausstellung zu sehen sein. Damit ist garantiert, dass sich auch Menschen mit Jahrgang 2019 später einmal etwas unter dem Begriff Telefonkabine vorstellen können.»

 

150 runde Glaskabinen bleiben bestehen

Der Rückbau betrifft jedoch nur die Telefonkabinen von Swisscom. Rund 150 gläserne «Telecabs 2000» der APG|SGA bleiben bestehen. Neu ermöglicht die APG|SGA als Betreiberin Gratisanrufe in die Schweizer Fest- und Mobilfunknetze (ohne kostenpflichtige Businessnummern). Die anfallenden Kosten für Unterhalt, Reinigung und Gespräche werden unter anderem durch Plakate mitfinanziert. Seit 1930 bewirtschaftet die APG|SGA Werbeflächen an Telefonkabinen. Die «Telecabs 2000» wurden 1995 von der APG|SGA in enger Zusammenarbeit mit Swisscom sowie dem Institut für ganzheitliche Gestaltung (IGGZ) als Ersatz für öffentliche Notrufsäulen entworfen. Die Nutzung wurde auf 35 Jahre ausgerichtet. Der transparente Zylinder mit klingendem Raumkonzept ist bis heute von städtebaulicher Bedeutung, hat Designpreise gewonnen und wird in die Sammlung des Museums für Kommunikation eingehen.

Wer übrigens noch eine gültige Taxcard besitzt, kann diese bis Ende Februar 2020 zurückgeben. Die Mitarbeiter der Swisscom-Shops sind dabei behilflich.

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