Eine Arztpraxis fürs Auge

Die Augenärzte Martina und Pascal Knecht-Bösch haben am Theaterplatz die wohl schönste Arztpraxis der Stadt eröffnet.

«Es soll wie eine Hotellobby aussehen»: Pascal und Martina Knecht-Bösch im Empfangsbereich ihrer Augenpraxis am Theaterplatz. (Bild: IS)

24. November 2021
14:30

Beim Betreten der Praxis wähnt man sich im Garten Eden. Aus dem Fuss­boden wachsen edle Holzstränge scheinbar aus dem Boden, schlängeln sich einer Säule empor und breiten ihre Arme an der Decke aus. «Thermo Abachi, ein afrikanisches Holz, das auch in Saunas verwendet wird», erklärt Pascal Knecht-Bösch. Und Martina Knecht-Bösch ergänzt: Die goldenen Lampen an der Decke stellen verbotene Früchte dar.» Der Empfangsbereich ihrer neuen Praxis am Theaterplatz ist etwas fürs Auge, und dies im doppelten Sinne: Pascal und Martina Knecht sind Augenärzte.

Anfang 2021 hat das Ehepaar, das bereits seit 2014 eine Augenklinik in der Center Passage in Wettingen führt, die Räumlichkeiten am Theaterplatz Nummer fünf gekauft und umgebaut. Die Wände im Eingang sind in Sand- und Wassertönen gestrichen, im Wartezimmer dominiert Pastell. Das Design stammt von Innen­architektin Ushi Tamborriello, die unter anderem das Hotel Seerose in Meisterschwanden gestaltet und ihren Sitz im Oederlin-Areal hat. Das Ergebnis begeistert die neuen Eigentümer: «Wir wollten etwas ganz Neues. Der Empfang sollte wie eine Hotellobby aussehen, damit sich die Patientinnen und Patienten bei uns wohlfühlen», erklärt Martina Knecht mit charmantem amerikanischem Akzent.


Dritter Standort in der Region
Die 48-Jährige ist zwar in der Schweiz geboren, verbrachte aber den grössten Teil ihrer Kindheit in New Jersey und kehrte als Teenager nach St. Gallen zurück. Ihr Mann Pascal (44) hingegen ist in der Neuenhofer Webermühle aufgewachsen. Kennengelernt haben sich die beiden als Oberärzte in der Augenklinik am Unispital Zürich. Beide haben eine universitäre Karriere absolviert und im In- und Ausland geforscht. «Die Arbeit am Unispital gefiel uns, die Fälle waren teilweise hochkomplex», erzählt Martina Knecht. Auch die Betreuung ihrer Söhne Dillon (heute 11) und Alec (7) war am Unispital dank einer Krippe für die Angestellten gut geregelt.

Als Pascal Knecht 2012 für ein Forschungsprojekt nach Aberdeen zog, blieb sie in Zürich und pendelte mit Sohn Dillon zwischen der Schweiz und Schottland. Auf Dauer wurde das zu anstrengend, und so wuchs der Wunsch nach einer eigenen Praxis in der Schweiz. «Mich zog es zurück zu meinen Wurzeln», erzählt der Neuenhofer. Da kam die Gelegenheit, Räumlichkeiten in der Center Passage in Wettingen zu mieten, gerade recht.

Für Operationen waren sie als Belegärzte an einem grösseren Operationszentrum mit stationären Betten in Zürich tätig. «Der häufige Wechsel der OP-Teams entsprach aber nicht unseren Qualitätsanforderungen», so Martina Knecht. Bei Augenoperationen müsse alles perfekt sein, damit sich die Operierenden wohlfühlen. Deshalb gründeten sie kurzerhand ihr eigenes OP-Zentrum «Chirurgie Wettingen» und setzten auf «Qualität statt Quantität», wie sie betonen. So bleibt auch genug Zeit für die Familienarbeit, die sich die Mediziner genauso wie die Zeit für ihre Patienten teilen: «Wir fahren abwechselnd über Mittag in unser Haus nach Würenlos, um zu kochen. So können wir uns gegenseitig unterstützen», so Martina Knecht. 


Kitesurfen auf Fuerteventura
Eigentlich war das Ärztepaar gar nicht auf der Suche nach einer dritten Praxis, zumal es Anfang 2020 ein mehr­monatiges Sabbatical mit seinen Söhnen geplant hatte. Wegen Corona konnten sie jedoch nicht in die USA reisen und flogen deshalb auf die Kanarischen Inseln. Sie waren gerade am Kitesurfen auf Fuerteventura, als ihnen ein Bekannter das Inserat für die Praxis am Theaterplatz schickte. «Für mich war sofort klar: So eine Gelegenheit hast du einmal in zehn Jahren», sagt Pascal Knecht, der schon während seines Medizinstudiums in Baden über dem Pickwick-Pub gewohnt hatte.

Am 1. November haben sie ihre neue Praxis in Baden eröffnet. Die Augen­klinik in Wettingen ist weiterhin das Mutterhaus. «Wir sind komplett mit Wettingen vernetzt und haben in Baden Zugriff auf alle Krankengeschichten. Alles bleibt so, wie es ist», betont das Ehepaar. Per 1. Januar wird es zudem Michel von Bürens Praxis in der Etzelmatt beim Bahnhof Wettingen übernehmen, der auf der Suche nach einer Nachfolge auf die beiden zukam. Von Büren wird aber weiter mit reduziertem Pensum im Team bleiben.

Seit April hat ihre Praxis den Klinikstatus, und sie dürfen auch Assistenzärzte ausbilden. «Es ist schön, unser Wissen weitergeben zu dürfen», bekräftigt Martina Knecht, die bis vor Kurzem auch Kurse für Medizinstudenten an der Uni Zürich gab. 2021 konnte sie gemeinsam mit Susanne Vögeli, ebenfalls Ärztin im Team, einen jährlich wiederkehrenden Kongress für Augenärzte organisieren. Für besonders knifflige Fälle kann das Ehepaar auf sein internationales Netzwerk zurückgreifen: «Wir holen die Spezialisten zu uns. Das hat den Vorteil, dass unsere Patienten für Zweitmeinungen oder Operationen möglichst nicht weit reisen müssen.» Ihre Faszination für die Augenheilkunde ist ungebrochen. «Man kann mit hochspezialisierten Eingriffen viel Freude bereiten, weil Patienten plötzlich wieder gut sehen können. Das ist für uns die grösste Motivation!»

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Kommentare (2)

  • Kati Elisabeth Sudau
    Kati Elisabeth Sudau
    vor 2 Wochen
    Ein sehr guter Artikel über ein sehr gutes ärztliches Team. Man erkennt das hohe Engagement und den hohen Anspruch, den diese Klinik an sich und die Bedingungen hat. Dort kann man sich guten Gewissens operieren und behandeln lassen. Es wird dort Medizin nicht nur auf dem aktuell höchsten Niveau geleistet sondern auch mit sehr viel Herzblut und Engagement. Top Adresse. Absolute Empfehlung. Liebe Grüße.
  • Jürg Frei
    Jürg Frei
    vor 2 Wochen
    Sehr interessanter und gutgeschriebener Artikel. Tolles Ärztepaar und guter Journalismus.

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