Eine Fassade, die etwas bewirken soll

Toleranz und Frieden: Tausende Autos brausen täglich an der Message von Dusan Baros, Lehrling bei Maler Siegrist, vorbei.

Dusan Baros vor seinem farbenfrohen Abschlussprojekt. (Bild: is)

21. Juni 2022
21:05

Die Landstrasse von Kirchdorf nach Nussbaumen zählt zu den meistbefahrenen im Kanton Aargau. An der Fassade von Hausnummer 230 prangt seit einigen Wochen ein auffälliges Wand-Tattoo: ein grosser Regenbogen mit einer Wolke, dazu das Peace-Zeichen und «No war» als stiller Protest gegen den Krieg in der Ukraine.

Hinter dem Kunstwerk steht Dusan Baros, der bei der Siegrist Maler AG eine zweijährige Ausbildung zum Malerpraktiker EBA absolviert. Das bunte Werk ist sozusagen das Abschlussprojekt des 17-Jährigen, der in Nussbaumen wohnt. «Die weisse Fassade hatte schon länger eine Auffrischung nötig», erklärt Daniel Binkert, der gemeinsam mit Inhaber Raphael Hagenbuch den Betrieb leitet.


Rot aussen, Violett innen
Er habe lange überlegt, was sich eignen würde, erklärt Dusan. «Eine normale Form wäre langweilig gewesen, deshalb kamen wir auf die Idee mit dem Diversity-Regenbogen. Ich wollte ein Zeichen für Toleranz setzen.» Die Regenbogenflagge steht seit mehr als vierzig Jahren als Symbol für weltweite Gleichberechtigung und Akzeptanz von Menschen, die sich nicht mit den Normen rund um die traditionellen Rollen von Männern und Frauen identifizieren oder eine andere Sexualität leben. Anders als bei der Regenbogenfahne der Friedensbewegung befindet sich hier das Rot oben und das Violett unten, und sie hat nur sechs Streifen – die Farbe Hellblau fehlt.

Als dann Ende Februar der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, entschied sich Dusan Baros, auch diese Situation auf der Fassade aufzunehmen – mit einem Peace-Zeichen und dem Schriftzug «No war». Gemeinsam mit seinem Oberstift Alessio Ayisigi begann Dusan im April mit dem Kunstwerk.

Wie geht man dabei vor? «Zuerst muss man die Mitte bestimmen. Von dort aus werden die einzelnen Farbschichten in immer gleichen Abständen aufgemalt», erklärt Dusan. Damit die Farbe nicht verläuft, muss man viel abdecken. Die besondere Herausforderung war die unebene Struktur der Abrieb-Fassade: «Weil die Wand nicht glatt ist, durfte es keine weissen Lücken geben», erklärt der Lernende. Die Schrift wurde mit einer Schablone angebracht. Die Arbeit dauerte rund eine Woche. Anschliessend machte er gemeinsam mit dem Oberstift noch Ausbesserungsarbeiten.

Mit dem Resultat ist Dusan zufrieden: «Wir wollten etwas Spezielles machen, das etwas bewirkt. Ich hoffe, das ist uns gelungen.» Dass sein Zeichen Aufmerksamkeit erregt, merkt er immer wieder: «Ich werde regelmässig darauf angesprochen. Manchmal halten Autos auch an, oder Mütter spazieren extra mit ihren Kindern bei uns vorbei, um den Regenbogen anzuschauen», erzählt er.
 

Dusan Baros und sein Oberstift Alessio Ayisigi nehmen letzte Ausbesserungsarbeiten vor. (Bild: is)


Handball, Boxen und Freundin
Auch in seiner Freizeit ist er gerne kreativ. Dusan Baros lebt mit seinen Eltern und seinem Bruder, der die vierte Klasse besucht, in Nussbaumen. Viele Jahre lang hat er auch Handball gespielt, bei der HSG Aargau Ost und zuletzt in Dietikon. «Jetzt mache ich nur noch Boxen», erzählt er. Zudem verbringt er gern Zeit mit seiner Freundin.

An seinem Beruf gefällt Dusan Baros besonders, «dass man sieht, was man macht. Ich arbeite auch gerne mit verschiedenen Materialien», sagt er. Am Dienstag nach Pfingsten hatte der Obersiggenthaler seine Abschlussprüfungen, die er erfolgreich bestanden hat. In den Sommer­ferien geht nun seine Lehrzeit in Kirchdorf zu Ende. Ab August absolviert er in Zürich zwei weitere Ausbildungsjahre zum Maler EFZ. Mit der Fassaden­bemalung in Kirchdorf hinterlässt Dusan Baros im Siggenthal einen bleibenden Eindruck.

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