Eine Hommage an Alexander Puschkin

Mit Musik und Wort umkreisen Sheila Arnold und Bernt Hahn in der Villa Boveri den russischen Jahrhundertdichter Puschkin.

Sheila Arnold, Klavier, und Bernt Hahn, Lesung, interpretieren Alexander Puschkin
Sheila Arnold, Klavier, und Bernt Hahn, Lesung, interpretieren Alexander Puschkin (Bild: zVg)

von
Walter Labhart

26. Januar 2018
14:30

Als zentrale Gestalten der russischen Kultur ragen im 19. Jahrhundert der Dichter Alexander Puschkin (1799–1837) und der Komponist Pjotr (Peter) Tschaikowsky (1840–1893) hervor. Nach Thomas Manns Worten war Puschkin «der Goethe des Ostens», nach der Meinung der meisten Russen ist er immer noch ihr bedeutendster Romanautor, Lyriker und Dramatiker. Sein sprachschöpferisches Schaffen inspirierte unzählige Komponisten in Ost und West zu Meisterwerken. Sowohl Mussorgskys Oper «Boris Godunow» als auch Tschaikowskys «Eugen Onegin» und Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» basieren auf Texten des bei St. Petersburg in einem Duell umgekommenen Dichters.


«Der Poet und die Macht»

Unter dem Motto «Der Poet und die Macht – ein russisches Thema» widmen die in Indien geborene, international erfolgreiche Pianistin Sheila Arnold und der deutsche Schauspieler und Sprecher Bernt Hahn, der an den Schauspielhäusern von Düsseldorf, Frankfurt und Köln auftrat, Puschkin eine vielversprechende Veranstaltung im Rahmen der Konzertreihe Marina Korendfeld. Auf dem Programm stehen zahlreiche Gedichte, Prosatexte und Ausschnitte aus dem Roman in Versen «Eugen Onegin». Alternierend mit den von Michael Engelhard und Dietrich Keil ins Deutsche übertragenen Texten spielt die an der Musikhochschule Köln dozierende Pianistin ausgewählte Stücke aus dem Zyklus «Die Jahreszeiten» und aus weiteren Werken von Tschaikowsky, das Nocturne «Die Trennung» von Puschkins Freund Michail Glinka, je eine Konzert­etüde und ein Prélude von Chopin, Schuberts 5. Moment Musical f-Moll sowie Stücke aus Schumanns «Carnaval», «Humoreske» und «Fantasiestücken». Mit Ausnahme der «Trauergondel» (1882) von Liszt und Kostproben aus den «Visions fugitives» (1915–1917) von Sergej Prokofjew, die Fremdkörper bilden, stammen alle Klavierstücke aus Puschkins Lebzeit. 


Eine Chopin-Vorläuferin

Im Konzertsaal sehr selten anzutreffen ist das interessanteste Stück mit direktem Bezug zu Puschkin, das Menuett a-Moll von Maria Szymanowska-Wołowska (1789–1831). Die gebürtige Polin trat als gefeierte Pianistin am russischen Zarenhof in St.Petersburg auf und komponierte fast ausschliesslich für ihr Instrument. In Marienbad machte sie 1823 die Bekanntschaft von Goethe, der sie verehrte und ihr das Gedicht «Aussöhnung» widmete. Sie starb als Opfer der Cholera in St.Petersburg, wo Glinka und Puschkin ihre Hauskonzerte besucht hatten. In ihr Stammbuch, das sie auf ausgedehnten Konzertreisen mitführte, trug Puschkin 1828 die Verse ein: «Unter den Genüssen des Lebens/Macht der Musik allein die Liebe den ersten Rang streitig/Aber auch die Liebe ist Melodie.»

Obschon Maria Szymanowska einst stürmisch gefeiert und als Vorläuferin ihres Landsmannes Chopin erklärt wurde, ist sie als Komponistin leider kaum mehr bekannt.




Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr, Villa Boveri, Gartensaal, Baden
www.konzertreihe.korendfeld.ch

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