Eine Kultur des Für- und Miteinanders

Das Wohl der Kinder und Jugendlichen ist der Gemeinde Wettingen wichtig. Dieses Bekenntnis wurde von der Unicef erneut «belohnt».

Diplomübergabe im Rathaus, von links: Gemeinderat Philippe Rey, Anja Bernet, Cyrill Tait (beide Unicef), Gemeinde­ammann Roland Kuster, Sybille Märki, Jonas Bischof (beide Kinder ­ und Jugendkommission Gemeinde Wettingen) sowie Andy Keller (Leiter Jugendarbeit Wettingen). Es fehlt: Nina Eggenberger (Fachstelle Gesellschaft und Sport, krank). (Bild: is)

19. Januar 2022
16:30

UNICEF Kinderfreundliche Gemeinde

Die Unicef-Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» (KFG) fördert gezielt die Steigerung der Kinderfreundlichkeit im nächsten Lebensumfeld der Kinder. Gemeinden haben die Möglichkeit, eine Standortbestimmung durchzuführen und mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» ausgezeichnet zu werden. Massgebend ist dabei, wie die Rechte der Kinder auf Schutz, Förderung, Gleichbehandlung und Anhörung in folgenden Bereichen umgesetzt werden: Verwaltung und Politik, Schule, Familienergänzende
Betreuung, Kinder- und Jugendschutz, Gesundheit, Freizeit und Wohnumfeld. Weitere Informationen unter www.unicef.ch/kinderfreundliche-gemeinde.

In einem kleinen Kreis von sieben Personen fand am vergangenen Donnerstag die Übergabe des Diploms «Unicef Kinderfreundliche Gemeinde» im Rathaussaal im fünften Stock statt. «Die wichtigsten Beteiligten, die Kinder und Jugendlichen, können leider nicht dabei sein», bedauerte Cyrill Tait, der stellvertretende Geschäftsleiter von Unicef Schweiz. «Für uns ist das Diplom ein Ansporn, in vier Jahren wieder hier zu stehen und noch kinderfreundlicher zu sein», so der Gemeindeammann. 

Unter «normalen» Umständen wäre das Diplom mit einem fröhlichen Fest, vielleicht im Umfeld einer Schule, übergeben worden. Wegen der Corona-Pandemie war dies nicht möglich. Dennoch freute sich die Unicef-Delegation mit Cyrill Tait und Anja Bernet, das Diplom an Gemeindeammann Roland Kuster übergeben zu können. «Wettingen bekennt sich damit erneut dazu, dass Kinder in ihrem nächsten Lebensumfeld geschätzt, gefördert und integriert werden», so Tait. Denn die Gemeinde Wettingen hat nach 2017 erfolgreich die Rezertifizierung erhalten. «Dies ist der Boden, auf dem die Pflänzchen gedeihen können. Es geht um die Kultur des Mit- und Füreinanders», sagte Tait.


Verständnis für Politik wecken
Das Bekenntnis zur Jugend hat für die Gemeinde hohe Priorität. «Wir haben uns sehr angestrengt, dass wir das Label nach der Erstzertifizierung vor vier Jahren behalten können», erklärte der zuständige Gemeinderat Philippe Rey in seiner Begrüssung. Im Jahr 2017 wurde das Thema als Legislaturziel im Ressort Gesellschaft definiert. Verschiedene Massnahmen konnten zwar weiter ausgebaut und neue Projekte angerissen werden, doch dann machte die Pandemie der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung, wie Roland Kuster erklärte: «Wir versuchten deshalb, die Jugend über andere Kanäle zu erreichen.»

Das gelang durch Aktionen wie Argumentations-Battles, «Open Sundays» in den Turnhallen oder auch den digitalen Briefkasten von engage.ch, wo die Kinder und Jugendlichen von Wettingen ihre Anliegen online deponieren konnten. Zahlreiche Ideen wurden dort eingeworfen, die zwar nicht alle umsetzbar sind, aber ein genaueres Bild darüber gaben, was sich die Wettinger Jugend wünscht. «Es ist uns gelungen, den Zugang zur komplizierten Welt der Erwachsenen zu geben und auch Verständnis dafür zu wecken, dass nicht immer alles so einfach ist in der Politik, wie sie es sich vorstellen», glaubt Kuster. Diese Bemühungen, die Jugend auf ganz unkomplizierte Art zu einem Engagement zu bewegen, zeigte auch Früchte: «Wir haben nun zwei Mitglieder im Einwohnerrat, die erst achtzehn Jahre alt sind», freute sich Kuster: «Das zeigt, dass Politik nicht nur etwas für die Graumelierten ist.»

Einige Themen konnte die Kinder- und Jugendkommission der Gemeinde jedoch bereits anpacken. Unter anderem wurde der Schulweg, der von einigen als gefährlich empfunden wird, überprüft. «Wir sind dabei, die gefährlichen Punkte zu untersuchen und zu entschärfen», erklärt Sybille Märki. Auch der lang ersehnte Skaterpark ist in Planung, damit die Wettinger Jugend nicht mehr nach Würenlos oder Baden ausweichen muss.


Eine von sieben Gemeinden
Roland Kuster betonte, Wettingen sei stolz darauf, eine von sieben Gemeinden im Kanton Aargau mit der Zerti­fizierung als «Unicef Kinderfreund­liche Gemeinde» zu sein – und zeigte sich im Nachsatz erstaunt, dass es nur sieben seien, welche diese Challenge annehmen. Neben Wettingen sind dies Aarau, Baden, Freienwil, Magden, Zofingen und Zurzach (Rekingen). Schweizweit haben fünfzig Gemeinden dieses Label. «Wenn eine Gemeinde nicht zertifiziert ist, heisst das ja nicht, dass sie nicht auch kinderfreundlich ist», präzisierte Anja Bernet. Mit der Zertifizierung bekenne man sich einfach auch öffentlich zum Prozess der Verbesserung.

Im Verhältnis zu den fünfzig Gemeinden schweizweit ist der Aargau mit sieben jedoch stark vertreten. Dies sei auch damit begründet, dass der Kanton Aargau die Unicef-Zertifizierung stärker als andere Kantone belohne, «sowohl finanziell als auch ideell». Für die Gemeinde Wettingen beginnt nun die Ausarbeitung des Aktionsplans 2 für die Jahre 2026 bis 2029.­

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