Eine Maske wie keine andere

Seit 1927 stellt die Firma Künzli aus Windisch Schuhe her. Nun wurde man erstmals im Textilbereich tätig – mit einer kreativen High-End-Schutzmaske.

Erstmals in der 94-jährigen Firmengeschichte produziert Künzli nebst Schuhen auch ein Textilprodukt. Künzli-Chefin Barbara Artmann trägt die neue Schutzmaske. (Bild: sha)

13. Januar 2021
09:00

Die Windischer Traditionsfirma Künzli wurde einst im Sportbereich gross. Skischuhe, Handball- oder Fussballschuhe machten die Firma mit den einstmals fünf Streifen berühmt. Heute noch sind Schuhe für den Orthopädiebereich mit Abstand das wichtigste Standbein für Künzli, wie Barbara Artmann erzählt. Die gebürtige Bayerin mit Wohnsitz in Ennetbaden hat die Schuhfabrik im Jahr 2004 übernommen, saniert und Produktion und Angebot neu aufgestellt. Dies wurde mit dem Coronavirus gebremst. «Im ersten Monat des Lockdowns brachen die Einnahmen um 70 Prozent ein, seither pendelte sich der Umsatzrückgang bei etwa 20 bis 25 Prozent ein», meint Artmann nachdenklich. Sogleich unterstreicht sie aber vehement: «Ich will nicht jammern, anderen Branchen geht es noch viel schlechter.» Und bisher sei man mit zeitweiliger Kurzarbeit und ohne Entlassungen über die Runden gekommen. Der Grund für den Verkaufseinbruch bei Künzli liegt sozusagen auf der Hand respektive dem Fuss: Seit Corona kam, bewegen sich die Menschen viel weniger, und es gebe deutlich weniger Hand- und Fussverletzungen. Einige Mannschaftssportarten dürfen im Amateurbereich nicht mehr regelmässig ausgeübt werden. Es würden zurzeit auch kaum noch Operationen durchgeführt und weniger Spezialschuhe benötigt, so die Künzli-Chefin. Nicht förderlich ist auch die vom Kanton verordnete Schliessung des Windischer Verkaufsgeschäfts.

 

«Kreativ auf das Virus eingelassen»

Dennoch blieb man während der ruhigeren Phase nicht untätig. Barbara Artmann erklärt dies schmunzelnd so: «Wir haben versucht, uns kreativ auf das Virus einzulassen.» Konkret bedeutet dies, dass Künzli erstmals in der 94-jährigen Firmengeschichte ein Nicht-Schuhprodukt herstellt – eine Stoffmaske aus Premium-Baumwoll-Twill der Apppenzeller Firma Weba-Stoffe, ergänzt mit antimikrobieller HeiQ-Viroblock-Ausrüstung aus Schlieren. «Es ist eine hochfunktionale und formschöne Maske von einzigartiger Passform, an der wir lange getüftelt haben», erklärt Artmann. Den Schnitt entwickelt hat Leonie Ganor, Category Managerin bei Künzli SwissSchuh in Windisch. Zusammengenäht werden die exklusiven Masken in den zwei Grössen S/M und L/XL schliesslich in der eigenen Künzli-Fabrik bei Fuje Preze, nahe des internationalen Flughafens der albanischen Hauptstadt Tirana. «Wir beschäftigten dort die besten Näherinnen und Schuhmonteure Albaniens», erklärt Barbara Artmann stolz, «und sie freuten sich gemäss meinem Werksleiter über die Herausforderung, welche die Masken darstellen.» Sie betont weiter: «Unsere Produkte sind Swiss-engineered, wie alles aus dem Hause Künzli. Die Entwicklung, das Design, der ganze Rohwareneinkauf, die Endkontrolle, die Auslieferung wie auch Servicearbeiten erfolgen wie auch bei den Schuhen nach wie vor in Windisch.»

 

Marktnische für Premium­produkte

Für Barbara Artmann und ihr ambitioniertes Team steht fest: Die edlen Gesichtsmasken sollen mindestens kurzfristig eine Marktnische für Premiumprodukte füllen und die eigene Produktionsstätte auslasten. «Wir hatten auch Angebote, Stoffmasken für 3 Franken pro Stück in China zu beziehen, doch das wollten wir nicht. Unsere Ambition ist es, selbst ein europäisches Top-Produkt herzustellen, das nachhaltig ist und dank einzigartig-konvexem Design anzugfein und apart ist», erklärt Barbara Artmann. Besonders stolz ist sie auch auf die Adaptionslänge der Maske an die Nasenlänge, dank deren diese nicht rutscht, sowie den formbaren und gepolsterten Nasenbügel. Das erlaubt Brillenträgern einwandfreie Sicht, ohne dass die Gläser beschlagen. Die waschbare Maske soll last, but not least zur Eindämmung des Einwegmasken-Mülls beitragen. Bezogen werden kann sie im Fabrikladen Windisch (sobald dieser wieder öffnen darf), via Webshop oder direkt beim Künzli-Kundenservice oder den Künzli-Fachhandel. Es gibt bereits einige lokale Fans der edlen Künzli-Maske. Artmann: «Brillenträgerinnen und -träger haben uns begeisterte Rückmeldungen geschickt, dass es wirklich funktioniert.»

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