Eine nicht alltägliche Exkursion

Ein Experte des Kantons ermöglichte den Viertklässlern aus Freienwil einen seltenen Einblick: Sie durften eine Brücke von innen besichtigen.

Realien-Unterricht mal anders: Die vierzehn Schülerinnen und Schüler aus Freienwil unter der grossen Brücke zwischen Wettingen und Neuenhof
Realien-Unterricht mal anders: Die vierzehn Schülerinnen und Schüler aus Freienwil unter der grossen Brücke zwischen Wettingen und Neuenhof (Bilder: is)

von
Ilona Scherer

04. Januar 2019
16:10

Mit Leuchtwesten und Taschenlampen ausgerüstet, stehen die vierzehn Viertklässler vor einer mit Graffiti besprayten Tür. Was sich dahinter wohl verbergen mag? Bauingenieur Walter Waldis schliesst auf, und die Kinder strömen ins Innere. Ganz vorsichtig klettert eines nach dem anderen mit Hilfe von Lehrer Stefan Galley durch zwei Beton-«Fenster», sogenannte Querträger, bis sich alle in einem düsteren Tunnel befinden.

«Wir sind jetzt in einer sogenannten Hohlkastenbrücke», erklärt Walter Waldis und bittet die Kinder: «Schaltet die Taschenlampen jetzt aus und seid still!» Allmählich wird es ruhig – und stockdunkel. Über den Köpfen ist ein geheimnisvolles Rauschen und Dröhnen zu vernehmen, immer wieder unterbrochen von einem dumpfen Rumpeln. Es sind die Autos und Lastwagen, die über die grosse Brücke zwischen Wettingen und Neuenhof fahren. «Das Rumpeln entsteht, wenn die Fahrzeuge über die schwellenartigen Übergänge fahren, die alle paar Meter eingebaut sind», erklärt Bauingenieur Waldis. Die Kinder staunen. In einer Brücke, unter den Autos – da waren sie noch nie! 

 

Das Geheimnis der Stabilität

Walter Waldis ist Sektionsleiter Brücken und Tunnel beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (UVEK). «Brücken sind verbindende Bauten», hatte der Bauingenieur in einem kleinen Vortrag am Morgen im Schulzimmer erklärt, «sie verbinden Menschen. Und deshalb habe ich den schönsten Beruf der Welt.» Die vierte Klasse von Stefan Galley hatte das Thema Brücken im Herbst im Fach Realien behandelt. Im Unterricht lernten die Kinder nicht nur die verschiedenen Arten von Brücken kennen. Sie durften mithilfe von Bauklötzen, Papier, Knet, Schnüren oder sogar Strohhalmen auch immer wieder selber Brücken konstruieren und lernten so, was Brücken stabil macht. Lehrer Galley war zu Beginn nicht sicher, wie das Thema bei seinen Schülern aufgenommen würde. «Aber schnell zeigte die Klasse grosse Begeisterung an dem Thema», freut er sich. 

  • Experte Walter Waldis erklärt, wie die ehemalige Eisenbahnbrücke konstruiert wurde
    Experte Walter Waldis erklärt, wie die ehemalige Eisenbahnbrücke konstruiert wurde

Material ist in Bewegung

Die Besichtigung von echten Brücken in Wettingen ist nun der krönende Abschluss des Projekts. Der Vater eines Schülers, der selber beruflich mit Brücken zu tun hat, stellte den Kontakt zum UVEK her. Für die Führung, die auch für den Experten nicht alltäglich ist, reiste Walter Waldis am frühen Morgen extra aus Aarau an. 

Nach einigen Minuten möchten zwei Buben lieber wieder raus an die frische Luft. Der Rest der Klasse hüpft und springt weiter durch den Tunnel bis zum Ende der Hohlkastenbrücke – und kehrt dann ebenfalls zum Ausgang zurück. Interessiert begutachten die Kinder nun von aussen die riesige Brücke, in der sie soeben waren. Aber auch die bunten Graffitis an den Wänden sind natürlich spannend. Walter Waldis zeigt auf quer verlaufende Rillen auf dem Geh- und Veloweg: «Das sind die Übergänge, damit die Brücke breiter und schmaler werden kann. Wer weiss, wie sie jetzt im Winter ist?» Einige Kinder strecken auf. Klein – richtig! «Denn im Sommer dehnt sich das Material ja durch die hohen Temperaturen aus. Das kann mehrere Zentimeter ausmachen!»  

 

Bauern zahlten Brückenzoll

Nach einem kleinen Znüni geht es zum Stauwehr hinunter, wo ein Bauteil der Eisenbahnbrücke, ein sogenannter «genieteter Knotenpunkt», steht. Ein Relikt der 1911 erbauten Fachwerkbrücke aus Stahl, die 1986–1988 ersetzt worden war. Walter Waldis erklärt, wie die Profile gegossen werden. Vorbei am Fischwehr, auf dem die Wassertiere rund zehn Höhenmeter überwinden müssen, geht es schliesslich ganz runter zur Alten Zollbrücke. Unterwegs weist Walter Landis noch auf zwei Aussichtsplattformen an der Brücke links und rechts der Limmat hin und verrät: «In den 60er-Jahren ging man davon aus, dass hier später mal bei höherem Verkehrsaufkommen noch eine zweite Brücke neben der bestehenden gebaut wird.» Bis heute wurde das allerdings nicht realisiert. 

Die hölzerne Zollbrücke hingegen könnte eine Modernisierung gut brauchen. «Doch Wettingen und Neuenhof haben kein Geld, um sie zu sanieren», verrät Walter Waldis. Die Brücke wurde einst gebaut, damit die Bauern mit ihren Heuwagen darüber fahren konnten. Am Ende mussten sie Brückenzoll bezahlen, erzählt der Brücken-Experte. «Und warum hat sie eigentlich Fenster?», will ein Mädchen wissen. Das wisse er auch nicht so genau, antwortet Waldis, «wahrscheinlich, damit man rausschauen kann und es etwas heller ist.» Ein Stück weiter runter wäre die 1863 erbaute «Gwagglibrugg» bei der Alten Spinnerei sicher auch spannend. Doch leider ist die Zeit zu knapp, und die Klasse muss sich auf den Heimweg nach Freienwil machen. 

  • Das Highlight: Die Klasse mit Lehrer Stefan Galley (r.) im Innern der Brücke
    Das Highlight: Die Klasse mit Lehrer Stefan Galley (r.) im Innern der Brücke
  • Experte Walter Waldis
    Experte Walter Waldis

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