Eine Partei, zwei Kandidaten

Patrick Zimmermann ist der offizielle Kandidat für die Nachfolge des zurückgetretenen André Zoppi als Gemeindeammann. Nun bekam er Konkurrenz aus der eigenen Partei – und wusste von nichts.

Offizieller Kandidat: Patrick Zimmermann, Mitglied der FDP. (Bild: zVg)

von
Ilona Scherer | Anna-Käthi Fitze

11. November 2020
16:43

Am 29. November wählt die Würenlinger Stimmbevölkerung einen Nachfolger für den Ende August überraschend zurückgetretenen Gemeindeammann André Zoppi (FDP). Einziger offizieller Kandidat für dieses Amt war bisher der amtierende Gemeinderat Patrick Zimmermann. Die offizielle Frist für Wahlvorschläge lief am 16. Oktober ab. Doch an der ausserordentlichen FDP-Parteiversammlung am 26. Oktober tauchte plötzlich Konkurrenz aus den eigenen Reihen auf – und zwar von Präsident Thomas Friedli persönlich. Zimmermann erklärt: «Ich nahm an dieser Versammlung selber teil. Für mich kam diese Nominierung sehr überraschend, und das fand ich befremdlich.» Schliesslich habe er Friedli rechtzeitig und persönlich über seine offizielle Kandidatur informiert. Damals habe dieser seine Absichten mit keinem Wort erwähnt.

Thomas Friedli erklärt, seine Kandidatur für dieses «anspruchsvolle und arbeitsintensive Amt» sei keine unüberlegte Entscheidung. «Meine Hauptmotivation ist, dass ich mit dem aktuellen Gemeinderat nicht zufrieden bin», so Friedli. Aber es sei ihm ein echtes Anliegen gewesen, dass seine Kandidatur von der Partei mitgetragen werde, erklärt Friedli. Er sei am 26. Oktober von der grossen Mehrheit der 14 teilnehmenden Mitglieder  nachnominiert worden. Bemerkenswert: Die Parteiversammlung war eigentlich angesetzt worden, um über die Zukunft der Ortspartei zu sprechen. Die Nachnominierung wurde nach Informationen der «Rundschau Nord» in der Einladung nicht vermerkt und kam erst unter dem Traktandum «Verschiedenes» zur Sprache. 

Friedli ist jedoch überzeugt, dass er mit seiner politischen Erfahrung – er war bereits von 1994 bis 2001 Vizeammann – und seinem geschäftlichen Hintergrund als Treuhänder in der Lage sei, «als Aussenstehender einen Neuanfang einzuleiten und das Gremium wieder zu stärken.» Wie nach Zoppis Rücktritt bekannt wurde, lief innerhalb des Gemeinderats bereits seit Längerem eine Mediation, um Unstimmigkeiten zu beheben.
 

Von der Ortspartei nachnominiert: FDP-Präsident Thomas Friedli. (Bild: zVg)

 

«Schuldzuweisungen bringen dem Dorf nichts»
Die SVP Würenlingen hatte nach den Ereignissen gar den Rücktritt der vier verbleibenden Gemeinderäte gefordert. Auch die FDP kritisierte die vier Ratsmitglieder. Thomas Friedli ist nach wie vor der Meinung, dass Zoppi sehr gute Arbeit geleistet habe. «Vielleicht hatte er aber durch die langjährige Ratstätigkeit gewisse Abnützungserscheinungen und dadurch auch nicht immer optimal reagiert», vermutet Friedli. Dennoch kritisiert er, dass es die verbleibenden Gemeinderäte bis anhin nicht für nötig befunden hätten, sich zur Situation zu äussern: «So kann es nicht weitergehen.»

Die Zusammenarbeit mit den übrigen Ratskollegen dürfte nicht einfach werden, falls Friedli gewählt wird. «Mit allfälligen Ressentiments vonseiten der bisherigen Gemeinderäte könnte ich gut umgehen», erklärt Friedli. Er würde ihnen mit «Ruhe und Respekt begegnen» sowie «durch Motivation führen und nicht durch Kritik», wie er das im Berufsleben gelernt habe. Fest steht: Die drei Ratskollegen Roland Meier, Regula Schneider Frei und Bernhard Meier unterstützen die Kandidatur Zimmermanns, die «eine optimale Weiterführung der Geschäfte für unsere Gemeinde sicherstellt».

Die FDP Würenlingen bezeichnet die Situation mit zwei Kandidaten als «Luxusproblem». Dass er offensichtlich nicht der Wunschkandidat seiner Partei ist, nimmt Patrick Zimmermann gelassen: «Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen dem Dorf nichts. Ich habe den Rückhalt meiner drei Ratskollegen, und wir gehen davon aus, dass es der richtige Entscheid fürs Dorf ist.» Auch ein Austritt aus seiner Partei ist für Zimmermann kein Thema. «Ich bin freisinnig, daran ändert sich nichts. Auch meine Ziele bleiben dieselben. Zudem wird im Gemeinderat nicht Partei-, sondern Sachpolitik betrieben.» Trotzdem bedauere er, dass man innerhalb der Partei keine andere Lösung finden konnte.

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