Eine unendliche Geschichte

Seit 2013 arbeitet die Gemeinde an den neuen kommunalen Planungsinstrumenten. Am Montag kann die Bevölkerung darüber abstimmen.

Das Gemeindehaus Brunnenhof, Sitz des Gemeinderats und der Kanzlei

21. Oktober 2020
22:11

Das Thema ist zu wichtig, um nur ein Traktandum unter mehreren zu sein. «Wir wollten es separat und ohne Zeitdruck behandeln», erklärt Gemeindeammann Urs Burkhard. Am Montag stimmt die Ehrendinger Bevölkerung in einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über die Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung ab. Diese ist ein wichtiges Planungsinstrument und bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung der Gemeinde, die sich in den letzten fünfzehn Jahren fast verdoppelt hat.

Mit der Gesamtrevision werden die bis heute getrennt geführten Bauzonen- und Kulturlandpläne der 2006 fusionierten Gemeinden Unter- und Oberehrendingen zusammengeführt. Zudem müssen die gesetzlichen Vorgaben und Neuerungen der letzten Jahre umgesetzt werden, die der Kanton verlangt. Urs Burkhard ist bereits der dritte Gemeindeammann, in dessen Amtszeit dieses Geschäft fällt. Unter Renato Sinelli, dem ersten Ammann der «neuen» Gemeinde Ehrendingen, wurden die beiden BNO aufeinander abgestimmt und zusammengeführt. In der Amtszeit von Hans Hitz (2013 bis 2018) wurde das Leitbild zur räumlichen Entwicklung (2015) verabschiedet und der Entwurf zur Gesamtrevision zur kantonalen Vorprüfung eingereicht (2016). Im Mai 2019 konnten die Planungsunterlagen zur abschliessenden Vorprüfung beim Kanton eingereicht und die Entwürfe ab 16. März 2020 öffentlich aufgelegt werden. Nach einem Corona-Unterbruch wurde die Auflage bis 26. Juni 2020 verlängert.


Fünf Infoanlässe in drei Jahren
Die 24 Einwender hörte der Gemeinderat im August an. Dabei sei man auch auf mehrere Inputs eingegangen, erklärt Burkhard. So wurde unter anderem die Nettoladenfläche für Verkaufsgeschäfte in der Gewerbezone auf 1300 Quadratmeter pro Standort erhöht, bleibt aber gesamthaft bei 3000 Quadratmetern. Dies ermöglicht das geplante neue Zentrum am Kreisel Niedermatt, wo sich die Grossverteiler Coop und Migros niederlassen wollen (die «Rundschau Nord» berichtete).
Am letzten Infoanlass vom 8. September gab es erneut kritische Voten. Die Kritiker, zu denen unter anderem die Vereinigung «Pro Ehrendingen» sowie der frühere Vizeammann Viktor Zimmermann gehören, bemängeln das Vorgehen des Gemeinderats und werfen diesem ungenügende Information, wenig Innovation sowie kaum Partizipationsmöglichkeiten für die Bevölkerung vor.

Um mit möglichst vielen Interessensgruppen im Gespräch zu sein, hätten in den letzten knapp drei Jahren fünf Veranstaltungen speziell zum Thema BNO stattgefunden, entgegnet Urs Burkhard: Am 9. Januar 2018 für alle Einwohnerinnen und Einwohner, am 17. Januar 2018 für alle Landwirte, am 9. Mai mit Pro Ehrendingen. Am 15. August 2018 traf sich der Gemeinderat mit allen, die sich an der Mitwirkung aus der Landwirtschaft gemeldet hatten. «Oftmals haben wir zudem an anderen Info-Abenden zusätzlich über die BNO informiert», so Burkhard. 

Die nächste Zukunftswerkstatt ist für Januar 2021 geplant. «Erst dann», so Burkhard, «können wir auf Basis der neuen BNO konkret planen.» Für die Kritiker ist dies zu spät, weil mit der BNO bereits erste Pflöcke eingeschlagen und vorgegeben werden, wie Konrad Schneider von «Pro Ehrendingen» begründet. Sie sind der Ansicht, dass die Weichen vor der BNO-Abstimmung gestellt werden müssen.


Bedenken wegen des Verkehrs
Bedenken haben die Kritiker auch in Bezug auf die Verkehrssituationen an der Dorfstrasse und rund um den Kreisel Niedermatt sowie die Gestaltung der Einkaufsmöglichkeiten und den Standort des oberen Dorfzentrums. Burkhard ist bewusst, dass ein neues Zentrum am Niedermatt zu Mehrverkehr auf der Landstrasse führt. Dies sei leider nicht zu verhindern: «Der Kanton hat uns aber keine Auflagen diesbezüglich gemacht. Offenbar geht auch er davon aus, dass der Kreisel den Verkehr durchaus bewältigen kann.» Den Kirchweg als wichtige Verbindung zwischen Ober- und Unterdorf will er entlasten.

Am Montagabend kann nun die Bevölkerung in der Turnhalle Lägernbreite entscheiden, wie schnell es weitergeht. Nicht zur Debatte steht dann die derzeit laufende Moderne Melioration (MME), die grosse Teile des Kulturlandes im ehemaligen Oberehrendingen umfasst. «Die beiden Verfahren lassen sich zeitlich nicht koordinieren», heisst es dazu in den Unterlagen. Die Melioration werde nach Abschluss des Verfahrens in einem separaten Planungsverfahren behandelt.

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