Eine Villa mit englischen Vorbildern

Die Villa Langmatt in Baden gilt als Zeuge des Schweizer Villenbaus. Sie ist eines der bedeutenden Werke des Badener Architekten Karl Moser.

Villa Langmatt
Villa Langmatt (Bild: Archiv)

von
Peter Graf

17. Oktober 2016
14:25

Der verdiente Platz wurde in jüngster Zeit dem vor 125 Jahren in Baden gegründeten Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Co. (BBC) eingeräumt. Im Rahmen einer fachkundigen, durch Anita Gurtner gehaltenen Führung, stand die Architekturgeschichte der bedeutungsvollen Villa Langmatt im Mittelpunkt. Sidney Brown, der technische Leiter der Firma BBC, und seine Frau Jenny Brown-Sulzer liessen in den Jahren 1899 bis 1901 in unmittelbarer Nähe des Fabrik­areals im Hasenfeld die Villa als eigenes Wohnhaus errichten. In der im Landhausstil durch den Architekten Karl Moser geplanten «Langmatt» sind, nach zahlreichen baulichen Veränderungen, kaum mehr Spuren aus der Entstehungszeit zu finden. Das Gebäude war auch nicht der einzige durch Curjel & Moser geplante und errichtete Industriellenwohnsitz in Baden. Bereits davor entstanden die Villa Boveri am Ländliweg, die Römerburg an der Römerstrasse sowie die Villa Burghalde.


Wandbrunnen als Zeitzeuge

Im Vergleich zu den vorgängig erwähnten Villen wirkt die «Langmatt» betont schlicht und stellt einen sanften Kompromiss aus Elementen der englischen Wohnkultur sowie des Jugendstils dar. Die Villa entspricht der auch sonst belegbaren zurückhaltenden, ja bescheidenen Lebensweise der Erbauer Sidney und Jenny Brown. Leider fielen die meisten, im Jugendstil reich stuckierten Zimmerdecken späteren Veränderungen zum Opfer. Für den heute zum grossen Teil nicht mehr vorhandenen Innenausbau wurde der Karlsruher Architekt Max Laeuger verpflichtet. Er gilt als einer der Wegbereiter der Keramik im 20. Jahrhundert. Seine Arbeiten (und dazu zählt auch die Baukeramik) waren ein Quantensprung. Er wurde für seine Kunst an der Weltausstellung 1900 in Paris mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Der Wandbrunnen im ehemaligen Wintergarten der Villa, der heutigen Cafeteria zeugt von seinem Schaffen.

  • Das Eingangsportal wurde nur unwesentlich verändert
    Das Eingangsportal wurde nur unwesentlich verändert (Bilder: pg)
  • Dienstboteneingang – Türe mit original handgeschmiedeten Beschlägen
    Dienstboteneingang – Türe mit original handgeschmiedeten Beschlägen
  • Lichtschalter, Steckdose und Sonnerie im Originalzustand
    Lichtschalter, Steckdose und Sonnerie im Originalzustand
  • Der Wandbrunnen in der heutigen Cafeteria
    Der Wandbrunnen in der heutigen Cafeteria

Doppelwandige Badewanne

Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmenden der Führung von der Bibliothek und der Bildergalerie. In diesen beiden Räumen ist noch heute die unverkennbare Handschrift des Architekten zu erkennen. Wesentlichen Anteil an der Wirkung haben dabei die in Mahagoni gefertigte Wandverkleidung sowie Brüstungen und Böden. Von einer wegweisenden Architektur zeugen auch die Decke sowie die Beleuchtung der Bibliothek. Erfreulicherweise präsentiert sich das Badezimmer im Obergeschoss noch originalgetreu. Neben dem filigranen Lavabo und dem Mobiliar sticht die etwas unpassende Badewanne ins Auge. Anita Gurtner weiss aber zu berichten, dass sie doppelwandig hergestellt und mit Quarzsand gefüllt wurde. Dadurch konnte das Abkühlen des Badewassers hinausgezögert werden.


Die Zukunft beginnt jetzt

Es ist unbestritten, der Architekt hat sein Handwerk verstanden. Dies offenbart sich auch bei einem Rundgang um die imposante Villa. Nur unwesentlich wurde der einladende Haupteingang verändert. Im Originalzustand sind die handgeschmiedeten Beschläge am Dienstboteneingang auffällig sind auch die fassadenbündig versetzten, in rötlichem Sandstein ausgeführten Fenstergewände und Eckquader. Allein schon für einen Aufenthalt in der gepflegten Gartenanlage lohnt sich ein Besuch. Auch wenn in der Villa Langmatt Besucher­rekorde gebrochen werden, lässt sich der Unterhalt nicht via Eintritte finanzieren. Für eine Vision zur Zukunft der Villa sollte man sich vor dem Hintergrund notwendiger Sanierungsmassnahmen nicht allzuviel Zeit lassen.

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